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Romea Strata 2024/Teil 13 von Valašské Meziříčí nach Bukovinka

  • Autorenbild: erwandert
    erwandert
  • 1. Dez. 2024
  • 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 13. Juni


Illustration Taube auf einem Stein

Samstag, 7. September / Valašské Meziříčí – Rajnochovice 21,77 km

682 m Anstieg, 613 m Abstieg

 

Außerhalb der Stadt ging es gleich wieder bergauf, um den Weg zu erreichen, den ich wegen der Unterkunft verlassen hatte.


Zu Mittag war ich in Lazy. Dort gab es ein Wirtshaus, und ich war schon sehr hungrig. Da bei der Hitze schweres Essen nicht in Frage kam, bestellte ich den einzigen Salat auf der Karte: einen Caesar-Salat. Was ich bekam, war eine regelrechte Wagenladung Salat mit Parmesan und – gefühlt – einem ganzen Hähnchen. Soviel zum Thema leichtes Essen.


Nach einem weiteren kurzen Anstieg ging es sehr steil hinunter nach Rajnochovice. Ich hatte starke Fußschmerzen, und die Tatsache, dass ich nichts reserviert hatte, machte mir Sorgen. Doch wie sich herausstellte, war das völlig unbegründet.


Im Hotel Polom bekam ich für unschlagbare 18 Euro ein Zimmer mit eigenem Bad.


Am Abend entschied ich mich, nach dem leichten Mittagessen, für Rindfleisch in Bratensoße mit Knödeln. Über das Essen in Tschechien konnte ich mich wirklich nicht beschweren.


Unterkunft: Hotel Polom


Sonntag 8. September / Rajnochovice – Hostýn 18,33 km

997 m Anstieg, 677 m Abstieg

 

Ich verließ das Hotel um acht Uhr. Gleich nebenan befand sich ein geöffneter Supermarkt, in dem ich mir Frühstück und eine Jause besorgte.

Heute lag zwar eine relativ kurze Etappe vor mir, doch es waren über 900 Höhenmeter zu bewältigen.


Bald gesellte sich ein Paar zu mir, das im selben Hotel genächtigt hatte. Ich kam mit dem Mann, Peter, ins Gespräch. Er hatte früher in Spanien gearbeitet, und so konnten wir uns ein wenig auf Spanisch unterhalten. Peter war bereits auf dem Camino del Ebro, dem Camino de Barcelona und einem Weitwanderweg durch die Slowakei unterwegs gewesen. Es tat gut, mich nach längerer Zeit mal wieder mit jemandem austauschen zu können.

Auf dem Weg zum ersten Gipfel, dem Jehélnik, waren auch viele Tageswandernde unterwegs. Es war ungewohnt, wieder einmal unter so vielen Menschen zu sein.


Später verlief ich mich zweimal, bemerkte meinen Fehler jedoch zum Glück recht schnell.


In Chválkov machte ich noch eine Pause, bevor ich den wirklich beschwerlichen Aufstieg zur Wallfahrtskirche nach Hostýn in Angriff nahm.

Nach dem Einchecken im Pilgerhaus machte ich mich auf die Suche nach etwas zum Essen. Aus Erfahrung wusste ich, dass die Küche an Wallfahrtsorten oft sehr früh schließt. Doch ich hatte Glück: Ich ergatterte noch eine Suppe, ein Eis und einen Kuchen.


Dank einer guten WLAN-Verbindung konnte ich noch das Finale der US-Open zwischen Jannik Sinner und Taylor Fritz verfolgen. Perfect Day!

 

Unterkunft: Pilgerherberge Matice Svatohostýnská


Montag, 9. September / Hostýn – Zlin 30,47 km 

664 m Anstieg, 1134 m Abstieg

 

Ich bereitete mir in meinem Zimmer Porridge und Kaffee zu, schlüpfte in Regenjacke und Regenhose und machte mich an diesem regnerischen Tag auf den Weg.


Am Vormittag regnete es sehr stark, am Nachmittag jedoch nur noch leicht. Trotzdem ging ich mit guter Laune meinen Weg. Das lag nicht zuletzt an Jannik Sinners zweitem Major-Titel in New York, der mich zusätzlich motivierte.


Heute war ein guter Test für meine Regenkleidung – und das Ergebnis war ernüchternd. Sie erwies sich als miserabel. Auch meine Rucksackhülle war nicht regendicht. Zum Glück waren alle wichtigen Gegenstände im Rucksack durch Zip-Beutel geschützt, und diese Lösung funktionierte einwandfrei.

Zu Mittag erreichte ich das Dorf Lukow, wo ich mir Wurst, Käse, Snickers und Schokolade kaufte. Danach ging es endlich einmal flacher weiter – eine willkommene Abwechslung nach den letzten Tagen.


Um 16 Uhr kam ich in meinem Apartment in Zlín an, einer im Tal gelegenen und von Wäldern umgebenen Industriestadt. Irgendetwas an Zlín wirkte seltsam auf mich – der gesamte Stadtaufbau passte nicht in mein Bild einer typischen Stadt. Eine kurze Recherche ergab die Erklärung: Zlín wuchs durch die Gründung der Schuhfabrik Bata von einer Kleinstadt zu einer mittelgroßen Industriestadt heran. Aufgrund der streng rationalen, an der Optimierung aller Funktionen orientierten Stadtplanung gilt Zlín als die erste funktionalistische Stadt der Welt.


Unterkunft: Appartement u Jankù


Dienstag, 10. September / Zlin – Napajedla 22,39 km

579 m Anstieg, 615 m Abstieg

 

Ich kaufte mir im Billa ein Frühstück sowie Snickers und Mannerschnitten Zitrone für den weiteren Weg. Die Mannerschnitten – und der Billa – waren vertraute Zeichen, dass ich mich schon in der Nähe Österreichs befand.


Mein Frühstück genoss ich am Rathausplatz. Beim Weg aus der Stadt ging ich an den ehemaligen Gebäuden der Bata-Schuhfabrik vorbeiging und nach etwa zehn Kilometern machte ich die erste Pause. Ich kam zügig in Napajedla an, wo ich in einem Hotel eincheckte.


Anschließend ging ich nur noch schnell in den Supermarkt, um einzukaufen – und das war es dann für heute.

 

Unterkunft: Hotel Baltaci Starý zámek


Mittwoch, 11. September / Napajedla – Velehrad 26,41 km

819 m Anstieg, 793 m Abstieg

 

Am Vormittag war es sehr neblig, und zusätzlich musste ich wegen eines Brückenneubaus über die March einen Umweg von zwei Kilometern in Kauf nehmen.


Nach einem Fabrikgebäude begann der erste von vielen Anstiegen. Oben angekommen, befand ich mich immer noch mitten im Nebel, sodass der versprochene Fernblick leider ausblieb. Dennoch bewegte ich mich langsam, aber stetig voran, und ehe ich mich versah, hatte ich bereits 15 Kilometer hinter mir.


Endlich kam die Sonne heraus, und ich konnte meinen Weg bei strahlendem Sonnenschein fortsetzen. Vorbei ging es an den Dörfern Jankovice und Modrá.


Schließlich erreichte ich recht fit meine Unterkunft im Kloster in Velehrad.

 

Unterkunft: Poutní dům Stojanov


Donnerstag, 12. September / Velehrad – Bohuslavice 29,24 km

1003 m Anstieg, 1007 m Abstieg

 

Ich wachte sehr früh auf und überprüfte den Wetterbericht. Es sollte am Vormittag leicht zu regnen beginnen, und am Nachmittag war starker Regen angekündigt. Also frühstückte ich sofort und brach schon um 5:30 Uhr auf. Anfangs war es noch dunkel, sodass ich meine Stirnlampe brauchte. Ich wanderte in den Sonnenaufgang, und die Stimmung war einfach beeindruckend.


Irgendwann wurde es immer bewölkter, und dann regnete es mehrere Stunden lang sehr stark. Später ließ der Regen nach und wechselte zu Nieselregen. Im Großen und Ganzen war es erträglich, aber meine Regenkleidung war alles andere als wasserdicht, und kalt war es obendrein.


Um 14:40 Uhr erreichte ich Bohuslavice und nahm einen Bus ins nahe gelegene Kyjov, da es nur dort Übernachtungsmöglichkeiten gab.

Die Wettervorhersage für morgen sah miserabel aus. Ich beschloss, am Morgen zu entscheiden, wie es weitergehen würde.


Unterkunft: Kyovsky Pivovar 



Freitag, 13. September / Ruhetag Bučovice

Aufgrund der Unwetterwarnungen, die Starkregen, Überschwemmungen und starke Windböen vorhersagten, entschied ich mich, mit dem Zug zum nächsten Etappenziel nach Bučovice zu fahren und dort in einem günstigen Hotel zu übernachten.


Von dort aus wollte ich die Wetterberichte und Nachrichten im Auge behalten, da die kommenden Tage voraussichtlich sehr schlimm werden würden. Sobald sich die Wetterlage stabilisiert und die Wege wieder passierbar sind, könnte ich mit dem Zug nach Bohuslavice zurückkehren und meine Wanderung fortsetzen.


Unterkunft: Hotel Arkáda

Samstag, 14. September / Erzwungener Ruhetag wegen Unwetter

In Österreich regnete es zu der Zeit wahrscheinlich so viel wie noch nie in der Messgeschichte. Auch hier gab es extremen Starkregen, doch die befürchteten schweren Überschwemmungen schienen diese Region glücklicherweise zu verschonen. Andere tschechische Regionen hatten leider weniger Glück und standen vollkommen unter Wasser.


Ich zog vom Hotel in eine Ferienwohnung (Glam Apartment) um und deckte mich mit Lebensmitteln ein. Das war es auch schon für heute – jetzt blieb mir nur, abzuwarten, wie sich das Wetter weiterentwickeln würde.


Unterkunft:  Glam Apartment

Sonntag, 15. September / Bohuslavice – Bučovice 26,07 km

514 m Anstieg, 511 m Abstieg

 

Das Wetter hatte sich wieder etwas beruhigt also machte ich mich auf den Weg zum Bahnhof. Auf dem Weg dorthin hielt ich bei einem Lidl und kaufte mir Frühstück, das ich dann am Bahnhof verzehrte. Heute musste ich mit dem Zug nach Bohuslavice zurückfahren, um die letzte Etappe, die ich am 12. September beendet hatte, fortzusetzen.


Ich war mit leichtem Gepäck unterwegs, da ich wieder in Bučovice übernachten würde. Aus irgendeinem Grund hatte ich Schmerzen am rechten Knie, der Hüfte und der Ferse. Es war zwar nicht besorgniserregend, aber es fühlte sich an, als sei mein Körper nach den zwei Pausentagen etwas eingerostet.


Es war ein komisches Gefühl, wieder zu wandern. Ich ging an einem Fluss entlang, der kurz davor war, über das Ufer zu treten. In den Dörfern entlang des Flusses hatten die Menschen Schutzwälle aus Sandsäcken gebaut. Viele standen am Flussufer und beobachteten besorgt die Lage. Es regnete nicht mehr, und die Region, durch die ich wanderte, war – im Gegensatz zu anderen Teilen Tschechiens – gerade noch so dem schlimmsten Wetter entkommen. Immer wieder setzte leichter Regen ein, aber es war nichts im Vergleich zu den extremen Regenmengen der letzten beiden Tage.


Müde und nass erreichte ich Bučovice, kaufte beim Lidl noch etwas für das Abendessen und Frühstück und machte mich dann auf den Weg zu meinem Apartment.


Unterkunft: Glam Apartment 


Montag, 16. September / Bučovice – Bukovinka 31,65 km

Heute begann der Weg mit einer Passage durch landwirtschaftliches Gebiet, und die zweite Hälfte führte mich durch den Wald. Der Boden war völlig durchnässt, und die Feldwege waren schlammig und rutschig.


Irgendwann kam ich an eine Stelle, an der Waldarbeiter gerade dabei waren, umgestürzte Bäume von der Straße zu räumen. An dieser Stelle lagen mehrere Bäume, die durch einen Sturm auf einer Länge von etwa 50 Metern wie Zahnstocher umgeknickt wurden. Glücklicherweise gab es einen kleinen Waldweg, der es mir ermöglichte, diese Stelle zu umgehen.


Am späten Nachmittag erreichte ich schließlich das Gasthaus in Bukovinka, das einige einfache Gästezimmer und gutes Essen anbietet.


Unterkunft: Penzion Rakovec




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