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Romea Strata 2024/Teil 22 von Bolsena bis Rom

  • Autorenbild: erwandert
    erwandert
  • 22. Nov. 2024
  • 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 14. Juni 2025



Samstag, 7. Dezember / Bolsena – Montefiascone 19,90 km

676 m Anstieg, 385 m Abstieg

 

Nachdem wir die Pension verlassen und es uns in einer Bar gemütlich gemacht hatten, vermisste Birgit ihr iPhone. Sie bemerkte den Verlust zum Glück noch in Bolsena, und der Weg zurück zur Unterkunft war nicht allzu weit.


Danach ging es an alten Straßen, durch naturbelassene Parks und vorwiegend landwirtschaftlich genutzte Flächen, immer in der Nähe des Bolsenasees Richtung Süden. Die Etappe war kurz, hielt aber einige Höhenmeter parat.


Vor Montefiascone kauften wir im Coop noch Lebensmittel für den Abend. Wir buchten für heute eine Herberge mit Kochgelegenheit. Montefiascone liegt am Rande eines Kessels vulkanischen Ursprungs mit Blick auf den Bolsenasee, und wir waren jetzt etwa 120 Kilometer von Rom entfernt.


In der Herberge trafen wir auf einen jungen Radreisenden aus Deutschland, der eine dreiwöchige Italien-Tour unternahm. Wir saßen am Abend noch etwas zusammen und tauschten unsere Erfahrungen aus.


Unterkunft: Herberge Maddalena


Sonntag, 8. Dezember / Montefiascone – Viterbo 19,27 km

167 m Anstieg, 408 m Abstieg

 

Birgit wachte krank auf. Zwar ohne Fieber, aber mit verstopften Atemwegen. Ich schlug ihr vor, mit dem Bus eine Etappe vorauszufahren, aber sie wollte es versuchen, solange sie fieberfrei war.


Erschwerend kam morgendlicher Regen dazu, aber schon nach einer Stunde kam die Sonne raus, und so ging es teils auf Landstraßen und teils auf alten römischen Wegen nach Viterbo.


Die Strecke war relativ kurz, und wir waren schon am frühen Nachmittag da. Birgit legte sich gleich hin, um sich auszukurieren und ich machte noch eine kleine Runde in der Stadt.


Die ganze Altstadt war sehr weihnachtlich geschmückt. Überall kleine Marktstände, und aus jeder Ecke schallten Weihnachtslieder. Das Ganze war aber nicht so kommerzhaft und überladen wie bei uns in Wien. Einfach eine sehr schöne Stimmung.


Am Abend gab es Pasta mit Pesto, und wir gingen dann früh ins Bett.


Unterkunft: Monastero Clariss


Montag, 9. Dezember / Viterbo – Vetralla 19,36 km

322 m Anstieg, 367 m Abstieg

 

Der Weg selbst war mit der Ausnahme eines Olivenhains eher unspektakulär. Aber trotzdem gab es einen schönen Höhepunkt des Tages: Das Forum Cassii und die Marienkirche.


Die Marienkirche ist über 1000 Jahre alt und auf den Ruinen einer alten Stadt erbaut.


Wir bekamen dort von Freiwilligen eine Führung. Die Kirche lag lange auf Privatgrund, und das Dach war schon eingestürzt. Durch die Öffnungen legte der Regen zum Teil 1000 Jahre alte Fresken unter den gekalkten Wänden frei.

Die Gemeinde kaufte das Grundstück, und nun wird alles restauriert. Die Führung war sehr informativ, und alle Freiwilligen waren extrem nett und freuten sich über unser Interesse an ihrer Kirche. Zum Abschied bekamen wir noch kleine Geschenke als Andenken.


Vetralla wurde nach dem Fall des Römischen Reiches zwei Kilometer entfernt und an einer besser zu verteidigenden Stelle gebaut. Die Altstadt ist schön, aber es wird an vielen Details ersichtlich, dass die Region Lazio ärmer als die Toskana ist.


Die BewohnerInnen dieser Gegend zeigen viel Begeisterung für die Via Francigena und man wird oft in ein Gespräch verwickelt und erfährt so viel über die Gegend.


Unsere Wohnung hat bis auf einen Holzofen in der Küche keine Heizung und ist mal wieder kalt. Wir kochen uns zu Abend und gehen dann schnell unter die warmen Bettdecken.


Unterkunft: Francigena Vetralla House Terme



Dienstag, 10. Dezember / Vetralla – Sutri 27,16 km

397 m Anstieg, 440 m Abstieg

 

Nach einem Frühstück in unserer kalten Wohnung ging es um 7:30 Uhr in Richtung Sutri. Die Wegführung gelang es, die viel befahrene Staatsstraße zu vermeiden. Es ging durch Wälder, Haselnussplantagen und schließlich durch eine atmosphärisch sehr schöne Klamm.


Wir kamen nach Capranica, eine Stadt mit einem beeindruckenden historischen Stadtzentrum.


Sutri, eine auf etruskische Zeiten zurückgehenden Stadt war unser Etappenziel und dort bezogen wir eine – warme – Ferienwohnung.


Wir besuchten dann das in Vulkangestein gehauene Amphitheater und besichtigten die Stadt samt Dom und Krypta. Anschließend ging es noch zum Lebensmitteleinkauf ans andere Ende des Ortes.


Unterkunft: Radici Etrusche Sutri


Mittwoch, 11. Dezember / Sutri – Campagnano di Roma 25,7 km

332 m Anstieg, 350 m Abstieg

 

In der Früh gingen wir gleich nach einem Frühstück in der Wohnung noch in eine Bar, um einen Stempel zu bekommen – und aßen natürlich noch ein zweites Frühstück.


Danach begann der Tag mit einer etwas unangenehmen Wanderung entlang einer schmalen und viel befahrenen Straße. Nach ein paar Kilometern konnten wir abbiegen und ab da ging es auf Feldwegen weiter. Auf diesen fanden wir, wie auch schon an den Vortagen, immer wieder Stachelschweinstacheln. Stachelschweine wurden von den Römern als Nahrungsquelle von Afrika nach Italien gebracht, und seitdem leben und vermehren sie sich hier im Mittelmeerraum.


Nach zehn Kilometern erreichten wir Monterosi und gingen – wie könnte es anders sein – in eine Bar.


Am Nachmittag ging es teils auf sehr alten Wegen weiter nach Campagnano di Roma. Unterwegs wurden wir von einer Horde wilder Katzen angeschnurrt und angeschmiegt. Etwas später trafen wir eine Frau, die gerade auf dem Weg war, die Katzen zu füttern. Sie erzählte uns, dass sie und eine Frau aus Rom den Katzen immer wieder etwas zu essen bringen.


Am Ziel übernachteten wir in einem Pfarrzentrum. Diese Herberge ist leider in keinem guten Zustand. Schmutzige Matratzen, schlechter Geruch und keine funktionierende Heizung. Es gibt weder eine Küche noch einen Aufenthaltsraum.


Wir machten eine Runde in der Stadt, kauften beim Coop etwas ein und legten uns schon um acht Uhr in die Betten. Wir versuchten, durch Schlaf die Nacht schnell rumzukriegen.


Unterkunft: Pfarrzentrum


Donnerstag, 12. Dezember / Campagnano di Roma – La Storta 26,51 km

497 m Anstieg, 613 m Abstieg

 

Um 6:15 Uhr standen wir auf und machten uns in Rekordzeit fertig, um die kalte Herberge zu verlassen. Wir gingen in die Bar, die uns der Pfarrer gestern schon für das Abendessen empfohlen hatte – hätten wir nur auf ihn gehört. Es hätte ein Pilgermenü gegeben, dazu eine nette Atmosphäre und einen äußerst freundlichen Barbesitzer.


Ich machte dem Barbesitzer ein Kompliment für seine schöne Einrichtung – ein altes Barinventar aus den 70ern – und er begann sofort, mit uns über Gott, die Welt und die Etrusker zu sprechen. Es war ein Morgen, der uns für die nicht gerade optimale Nacht entschädigt hat.


Der Weg selbst ist traumhaft. Er vermeidet alle viel befahrenen Straßen und führt durch weite Weiden. Wir sehen nur zwei Schafherden aus der Ferne, sodass wir auch keinem Hirtenhund in die Quere kommen. Wir trafen dann doch auf zwei frei herumlaufende Maremmanos, aber diese schienen nicht an Arbeitspflichten gebunden zu sein und hatten deshalb auch nichts zu verteidigen.


Die Wohnung, in der wir heute sind, ist viel besser als erwartet. Ein Schlafzimmer und eine große Küche zu einem fairen Preis und beheizbar.


Unterkunft: Cassetta Cassia Roma


Freitag, 13. Dezember / La Storta – Roma 20 km

254 m Anstieg, 365 m Abstieg


Der letzter Tag auf der Romea Strata. Leider regnete es heute wieder stärker. Wir hätten uns einen schöneren Abschluss gewünscht, aber das würden wir auch noch schaffen.


Die ersten fünf Kilometer führten uns an der viel befahrenen Via Cassia entlang. Dann ging es weiter in einen Naturpark und später im Stadtgebiet entlang eines Radweges bis fast an den Petersdom.


Irgendwann hörte der Regen dann doch auf, nur um pünktlich kurz vor dem Petersplatz wieder anzufangen.


Dort wurden wir von Don Raimondo Sinibaldi und Nadia Molin von der AERS beziehungsweise von der Fondazione Homo Viator empfangen, erhielten unser Testimonium und besichtigten den Petersdom.


Wir übernachteten in der Pilgerherberge in Trastevere. Dort trafen trafen wir Oliver Klaidt, der schon seit 15 Jahren auf dem Jakobsweg unterwegs ist und auch immer wieder als Hospitalero arbeitet. So erfuhren wir noch ein paar Camino Geschichten aus erster Hand.


Ich habe es also tatsächlich geschafft. Zu Beginn der Tour gab ich mir eine Erfolgsaussicht von etwa 5%. Noch in Estland hatte ich oft große Zweifel, ob ich es nach Rom schaffen würde. Doch ich schüttelte diese Gedanken immer wieder ab und konzentrierte mich nur auf die nächsten Tage. So war es mir möglich, mein Abenteuer zu beenden.


Ich war über sieben Monate unterwegs, davon 196 Gehtage und etwa 4700 Kilometer. Ich verschliss 4 ½ Paar Schuhe und stieg 80.000 Höhenmeter auf und ab.


Was nehme ich von meiner Wanderung mit? Dass man große Projekte am besten angeht, indem man sich nicht verrückt macht und immer nur Tag für Tag denkt. Irgendwann schaut man zurück und hat es geschafft. Und wenn nicht – dann hat man es wenigstens versucht.


Ich weiß jetzt, dass ich mehr schaffen kann, als ich mir zutraue, und dass dies bestimmt nicht meine letzte Langstreckenwanderung war.


Unterkunft: Spedale della Provvidenza di San Giacomo e San Benedetto Labre


Samstag, 14. Dezember und Sonntag, der 15. Dezember / Roma

Sightseeing und gutes Essen.


Wir nahmen, am Sonntag den Nachtzug nach Wien und reisten zum ersten Mal in einer Minicabine. War fein!





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