Romea Strata 2024/Teil 7 von Suwalki bis Barczewo
- erwandert
- 7. Dez. 2024
- 7 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 13. Juni

Sonntag, 7. Juli 2 / Suwalki – Kotowina 29,76 km
145 m Anstieg, 157 m Abstieg
Die ersten fünf Kilometer am Morgen verlief der Weg, der romea Strata nicht besonders schön aus der Stadt heraus. Es ging einfach geradeaus auf einem Fahrradweg entlang einer viel befahrenen Straße von Suwałki Richtung Westen.
Anschließend ging es auf asphaltierten Dorfstraßen und Güterwegen entlang. Es war wirklich nicht besonders aufregend. Zum Schluss gab es noch ein kleines Ärgernis: Als ich am Etappenziel in Bakałarzewo ankam, bemerkte ich erst dort, dass mein gebuchtes Zimmer vier Kilometer in der Richtung liegt, aus der ich gekommen war.
Die Unterkunft war dafür sehr ansprechend. Sie befindet sich in einem kleinen Waldstück und ist ein sehr schönes Holzhaus mit vielen Nebengebäuden.
Unterkunft: Sauna Kajaki Pokoje U Edzia
Montag, 8. Juli / Kotowina – Olecko 17,83 km
257 m Anstieg, 289 m Abstieg
Es ging leider wieder einmal durchgehend auf asphaltierten Landstraßen. Ich kam jedoch sehr gut voran und bemerkte, dass ich Woche für Woche schneller wurde.
In Olecko holte ich mir einen Stempel bei der Touristeninformation und schlief auf dem Gemeindecampingplatz. Das Personal bei der Anmeldung war sehr nett, aber die Anmeldung war ein bürokratischer Kraftakt. Ich musste ein Formular ausfüllen, bei dem sogar nach dem Namen der Eltern gefragt wurde. Dann musste ich mit zum gefühlt einen Kilometer entfernten Sportzentrum, um dort meine Rechnung zu bezahlen. Den Campingplatz hatte ich dafür für mich alleine.
Olecko liegt an einem sehr schönen See der Masurischen Seenplatte, dem Jezioro Oleckie Wielkie.
Unterkunft: Zimmer am Bauernhof bei Krystyna Wawrzyn
Dienstag, 9. Juli / Olecko – Borki 28,21 km
257 m Anstieg, 289 m Abstieg
Nach einem weiteren Tag entlang von Wäldern und Seen an der masurischen Seenplatte lande ich in Borki. Hier gab es mal ein kleines Lebensmittelgeschäft, das leider schon seit Jahren geschlossen ist. Ich befand mich also gerade auf einer 56 km langen Strecke ohne Einkaufsmöglichkeiten.
Ich hatte in Borki nichts reserviert, fand aber einen Platz auf einem Bauernhof, der Zimmer an Pilger zu sehr günstigen Konditionen vermietet. Die Vermieterin bot mir auch ein Essen an und bereitete mir das schon bekannte „Kotlet Schabowy“ zu.
Sie erzählte mir, dass in dieser Gegend immer mehr kleine Lebensmittelläden zusperren würden. Also nahm ich mir vor, immer für zwei bis drei Mahlzeiten Lebensmittel im Rucksack zu haben. Das ist sonst sowieso immer meine Strategie, aber da bisher Lebensmittelläden so regelmäßig am Weg lagen, habe ich das Essen meistens vor Ort gekauft, um einen leichteren Rucksack tragen zu können.
Unterkunft: Zimmer am Bauernhof bei Krystyna Wawrzyn
Mittwoch, 10. Juli / Borki – Kruklanki 32,64 km
358 m Anstieg, 350 m Abstieg
Die ersten 20 Kilometer ging es durch einen Wald – das Rezerwat Przyrody Borki. Ich machte eine Rast bei einer Aufzuchtstation von Wisenten und konnte sie danach beim Wandern entlang der Umzäunung beobachten.
Beim Tourismusbüro bekam ich einen Stempel, und zwei Kinder fragten mich, was ich hier mache und wozu ich den Stempel denn benötige. Die Leute in dieser Region sind viel neugieriger und gesprächiger, als ich es bisher gewohnt war. Auch im Supermarkt wurde ich von einer Frau angesprochen. Kruklanki ist touristisch erschlossen. Die Menschen hier sind Touristen gewohnt und gehen offen auf Fremde zu.
Ich war etwas außerhalb von Kruklanki in einem Privatzimmer für zwei Nächte untergebracht. Der nächste Tag würde ein Pausentag werden, was sich mit der schlechten Wetterprognose – für den 11. Juli waren Gewitter vorausgesagt – ausgezeichnet traf.
Unterkunft: Skraj Lasu Kruklanki
Donnerstag, 11. Juli / Ruhetag Kruklanki
Meine Gastgeberin war gestern so nett, meine Wäsche zu waschen. Ich vergaß allerdings meine Kopfhörer in meiner Hosentasche, und sie haben den Waschgang nicht überlebt. Also galt es heute, ins Ortszentrum zu gehen und Verpflegung sowie neue Kopfhörer einzukaufen. Ansonsten verbrachte ich den Rest des Tages auf meinem Zimmer und ruhte mich aus.
Freitag, 12. Juli / Kruklanki – Giżycko 23,18 km
131 m Anstieg, 158 m Abstieg
Die ersten fünf Kilometer hatte ich sehr stark mit meiner Schulter zu kämpfen, aber wie beinahe täglich verflogen die Schmerzen irgendwann. Einmal war ich kurz mal verloren, weil ich statt auf einer vielbefahrenen Straße mir selbst einen Weg zusammengestellt hatte. Das ging auch die längste Zeit gut, bis ich mich die letzten 500 Meter durch das Dickicht schlagen musste.
Aus dem Dickicht und fast unpassierbarem Gelände spuckte es mich plötzlich am Stadtrand von Giżycko vor einem McDonald's aus. Wenn das kein Zeichen war! Zwei Cheeseburger, ein Eis, ein Cola Zero und ein Fanta später entschied ich mich, in die Stadt zu gehen, obwohl der Campingplatz etwas außerhalb in die andere Richtung lag.
Im Zentrum, holte ich mir bei der Touristeninformation einen Stempel und fragte, ob es noch andere Campingplätze oder günstige Unterkünfte in der näheren Gegend gäbe. Gab es nicht – also drei Kilometer zurück zum Campingplatz.
Das war der erste touristische Campingplatz, seit ich unterwegs war, und es war auch einiges los. Nach dem Duschen ging ich noch Lebensmittel einkaufen und kochte mir etwas auf meinem Gaskocher.
Heute hielten gleich zwei Autofahrer an und fragten, ob sie mir helfen oder mich irgendwo hin mitnehmen könnten. Diese kleinen Gespräche und Hilfsangebote steigerten sofort meine Laune – aber ich war hier um zu gehen – also winkte ich dankend ab.
Unterkunft: Campingplatz Bistry
Samstag, 13. Juli / Giżycko – Gierloz 36,47 km
336 m Anstieg, 321 m Abstieg
Ich schlief recht gut, obwohl ich mich blöderweise direkt unter einem Scheinwerfer aufgebaut hatte. Um sechs Uhr stand ich auf und begann, mein Zelt zusammenzupacken.
Dann verwickelte mich ein angetrunkener, aber nicht unsympathischer Gast des Campingplatzes in ein Gespräch. Er kam mit dem Taxi an, und ich vermutete, dass er die Nacht wohl in einem Club verbracht hatte. Als er fragte, woher ich komme, war es ihm schier unbegreiflich, wie man aus einem so schönen Land nach Nordpolen fahren könnte, um zu wandern. Ich fand jedoch, dass die Masurische Seenplatte, die Naturreservate, die Wälder und die Orte eine Reise wert waren.
Zuerst ging ich gemütlich die fünf Kilometer nach Giżycko und holte mir dort bei Żabka einen großen Kaffee, einen Donut und ein Pizzabrötchen – obwohl ich beim Aufstehen schon einen Kaffee und Haferflocken hatte. Wandern macht hungrig. Danach ging es weiter, teils entlang von Seen, auf landwirtschaftlichen Straßen und durch Wälder. Ein Minimarkt, einen Kilometer vor dem Ziel, machte um 17 Uhr zu. Also gab ich Gas und war schon um 16 Uhr dort. Ich kaufte mir Eis, Trinkjoghurt, Snickers, Wedel-Schokolade, zwei Müsliriegel und Coke Zero, von der ich so langsam eine Abhängigkeit entwickelte. Kurz darauf kam ich in Gierłoż an.
An diesem Ort befindet sich die Wolfsschanze, in der Adolf Hitler bis 1944 war und das Stauffenberg-Attentat stattfand. Es stehen noch jede Menge Bunker herum, und es gibt ein Museum. Ich würde es eher als Themenpark bezeichnen. Ganz grässlich ist der Souvenirshop, in dem es Panzer als Spielzeug, Thermosflaschen in Form von Patronen und Ähnliches gibt.
Direkt neben den Bunkern befindet sich der Campingplatz, wo ich übernachtete. Es waren noch vier weitere Campingbusse am Platz, einige aus Deutschland, und bei keinem der Busse war ich mir sicher, ob sie nicht nur aufgrund einer rechten Ideologie hier waren.
Unterkunft: Campingplatz Wolfschanze
Sonntag, 14. Juli / Gierloz – Swieta Lipka 26 km
228 m Anstieg, 244 m Abstieg
Ich war froh, am Morgen früh zu verschwinden. Der Wald und die Bunkeranlagen sind für sich genommen schon sehr düster.
Am Ausgang des Campingplatzes hatte ein kleines Café geöffnet, und obwohl ich schon vor dem Zelt gefrühstückt hatte, ließ ich mich noch einmal zu Kaffee und Brioche verführen.
Heute ging es einige Male an Straßen ohne sicheren Seitenstreifen entlang. Ich empfand es als sehr gefährlich, auch wegen des starken Verkehrs. Die Straße war sehr schmal, sodass man sich nicht nur auf den Gegenverkehr konzentrieren musste, sondern auch auf den von hinten kommenden. Sollte dort jemand im falschen Moment überholen, würde es sehr knapp werden.
Heute erreichte ich – was bis jetzt auf dieser Tour noch nicht oft vorkam – eine schöne Stadt nach nur zehn Kilometern; Kętrzyn. Dort gönnte ich mir ein drittes Frühstück und ging dann weiter auf Feldwegen parallel zur viel befahrenen Straße. Der Weg war hier überwachsen und schlammig und irgendwann war ich wieder auf der gefährlichen Hauptstraße, die nach Święta Lipka führte.
In Święta Lipka, einem bekannten Marienwallfahrtsort, gibt es eine Pilgerherberge. Im Museum daneben half man mir, jemanden von der Herberge zu erreichen, und eine Frau ließ mich um 16 Uhr rein.
Es war viel los hier. Viele Tagesausflügler, und das Ganze erinnerte mich sehr an den österreichischen Marienwallfahrtsort Mariazell.
Ich ging endlich meine ersten Piroggen in Polen essen und kaufte mir im völlig überteuerten Minimarkt ein Frühstück und weitere Verpflegung für den nächsten Tag.
Unterkunft : Pilgerherberge Święta Lipka
Montag, 15. Juli / Swieta Lipka – Lutry 30 km
Anstieg 204 m, Abstieg 286 m
Gestern verlor ich schon wieder meine Kopfhörer. Ich konnte mir in einem Souvenirshop aus Mangel an Alternativen nur ganz billige zulegen, sodass der Schaden nur drei Euro betrug. Meine Hosentasche, in die ich die Kopfhörer bei Nichtverwendung steckte, hatte einfach ein riesiges Loch, und die Kopfhörer rutschten raus.
Die ersten paar hundert Meter ging es über einen Hügel zu einem Schotterweg. Danach befürchtete ich, wieder auf eine stark befahrene Straße zu kommen. Es wurde jedoch nicht ganz so schlimm, weil hier ein neuer, breiter Fahrradweg gebaut wurde, der mich bis zur Stadt Reszel führte. Reszel liegt im Gebiet des ehemaligen Ostpreußens, und man sieht es der Altstadt architektonisch auch an.
Weiter ging es dann wieder eine Zeit lang auf einer Straße. Bei Kominki bog ich in einen Feldweg ab, der nach einer Weile fast völlig mit über einem Meter hohem Gestrüpp überwachsen war. Ich kam nur langsam voran und erst bei Kolno ging es in einen Wald mit angenehmen Wegen. Nach einem kurzen Regenschauer wurde ich eine halbe Stunde lang von beißenden Fliegen verfolgt, die mir das Leben schwer machten. Die Biester beißen richtiggehend Löcher in die Haut und kommen bevorzugt bei leichtem Regen aus der Deckung.
Auch einen Hund musste ich noch abwehren. Ein kurzes Anbrüllen reichte jedoch, um ihn loszuwerden. Um 16 Uhr erreichte ich Lutry und konnte dort für 40 Zloty (knapp zehn Euro) bei einer Agroturystyka mein Zelt aufstellen. Ich ging noch eine Runde im See schwimmen und kochte mir am Abend Fleischbällchen.
Unterkunft: Agrotourism Aldona Bielińska
Dienstag, 16. Juli / Lutry – Barczewo 36,90 km
342 km Anstieg, 371 m Abstieg
Die Etappe heute war lang und zudem war auch es sehr heiß. Dazu gab es eine Unwetterwarnung für 17 Uhr.
Der heutige Tag ließ sich aber gut einteilen, da es zwei Supermärkte am Weg und somit gute Rast- und Unterschlupfmöglichkeiten gab. Die Etappe führte mich vorwiegend durch Wälder und landwirtschaftliche Gebiete.
Um ziemlich genau 17 Uhr erreichte ich Barczewo. Ich bezog ein kleines Hotelzimmer im Souterrain. Eigentlich habe ich unabsichtlich einen kleinen Wohnwagen im Garten gebucht, aber ich wurde dann upgegradet und war recht froh darüber. Zum Essen gab es Piroggen.
Ein paar Minuten nach meiner Ankunft brach auch schon das Gewitter los.
Unterkunft: Kwatery Prywatne Hotelik