Romea Strata 2024/Teil 9 von Wald nach Ciechocin bis Łowicz
- erwandert

- 5. Dez. 2024
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 13. Juni 2025

Samstag, 27. Juli / Wald nach Ciechocin – Toruń 32,47 km
274 m Anstieg, 295 m Abstieg
Ich schlief im Wald sehr gut und schaffte es, die 33 Kilometer bis Toruń in einer guten Zeit zu gehen.
Bereits um 15 Uhr konnte ich einchecken. Ich hatte noch genügend Zeit, meine Wäsche zu waschen und zu duschen, bevor ich Birgit am Bahnhof abholte.
Unterkunft: Ferienwohnung Kinga
Sonntag, 28. Juli / Ruhetag Toruń
Wir besichtigten das Kopernikushaus, schlenderten durch die Altstadt und aßen Piroggen. Toruń ist eine der beiden Hauptstädte der Woiwodschaft Kujawien-Pommern und liegt an der Weichsel.
Montag, 29. Juli / Toruń – Ciechocinek 27,41 km
273 m Anstieg, 288 m Abstieg
Von Toruń ging es zuerst auf einer Brücke über die Weichsel und dann am Bahnhof vorbei. Danach immer in der Nähe der Weichsel bis nach Ciechocinek. Hier gab es viele gemütliche Möglichkeiten, Pausen einzulegen. Wir gingen es langsam an, da es Birgits erster Wandertag war. Dementsprechend müde war sie auch auf den letzten Kilometern nach Ciechocinek. Am eindrucksvollsten empfand ich – schon allein aufgrund der schieren Größe – das Sole-Gradierwerk.
Ciechocinek ist eine Kurstadt mit zahlreichen Hotels, die Reha, Kuren und verschiedene Massagen anbieten.
Am Abend machten wir noch einen kleinen Spaziergang durch die Stadt.
Unterkunft: Lila Medyczne SPA
Dienstag, 30. Juli / Ciechocinek – 4 km vor Lubanie 27,74
163 m Anstieg, 114 m Abstieg
Heute war ein sonniger und schwüler Sommertag. Wir bekamen ein mittelmäßiges Frühstück im Hotel und machten uns dann auf den Weg entlang der Weichsel. Sie war zwar selten in Sichtweite, aber immer nie weit weg. Die erste Pause machten wir nach zehn Kilometer in Nieszawa, die zweite nach 22 Kilometer in Lubanie. Wir hätten gerne öfter pausiert, aber der Weg gab es nicht her.
Da es in Lubanie keine Unterkunft gibt, hatte ich etwas außerhalb auf einem Bauernhof gebucht. Es war ein sehr ruhiger Ort, allerdings mit einigen etwas eigenartigen Gästen, die hier offenbar einen esoterischen Rückzugsort gefunden hatten.
Eine Gästin, die das Zimmer neben uns bewohnte, sagte, sie hoffe, ihr Beten würde uns beim Schlafen nicht stören. Nein wird es nicht.
Die Dusche hielt nur kaltes Wasser bereit, was nach einem langen Wandertag etwas enttäuschend war.
Alles in allem ein etwas eigenartiger Ort. Aber wie immer galt: Morgen sind wir ja schon wieder weg.
Unterkunft: Gospodarstwo Agroturystyczne Dworek Janowicki
Mittwoch, 31. Juli / 4 km vor Lubanie – Włocławek 24,65 km
100 m Anstieg, 131 m Abstieg
Am Morgen bekamen wir ein gutes Frühstück mit regionalen Lebensmitteln und konnten gestärkt starten.
Wir machten uns auf den Weg, die vier Kilometer zurück nach Lubanie zu gehen. Zuerst führte der Weg durch einen Wald. Dort wurden wir von einem Fahrradfahrer angebrüllt, weil wir offenbar auf der falschen Seite des Waldweges liefen. Verstanden haben wir seine Tirade auf Polnisch nicht, aber wir konnten uns so ungefähr denken, was gesagt wurde.
Anschließend gingen wir an einem Mineralölwerk vorbei und legten an einer Tankstelle eine Rast ein – eine willkommene Pause an diesem heißen Tag.
Was dann folgte, war ein fürchterlicher Abschnitt: An der stark befahrenen Straße 91 ging es für eine gefühlte Ewigkeit immer geradeaus bis nach Włocławek. Zwar gab es einen Radweg, doch der ununterbrochene Lärm von Autos und LKWs machte uns irgendwann mürbe.
Ziemlich erschöpft erreichten wir schließlich unser Hostal. Dort gab es eine Küche, aber da wir nichts Großes mehr kochen wollten, kauften wir uns zwei Mikrowellenessen und gingen danach schlafen.
Unterkunft: Arsenał Kwatery
Donnerstag, 1. August / Włocławek – Skoki Male 31,21 km
231 m Anstieg, 229 m Abstieg
Ich habe in der Nacht sehr schlecht geschlafen. Zum einen war es im Zimmer viel zu heiß, zum anderen übernachtete hier auch eine Jugendgruppe, die naturgemäß und verständlicherweise nicht sonderlich leise war.
Morgens um sechs Uhr bereiteten wir bereits unser Instant-Porridge zu und gingen früh los.
Kurz nach der Stadt ging es auch schon in einen Wald. Im Wald und im Schatten der Bäume war es deutlich angenehmer als bei der gestrigen Etappe entlang der sonnigen Straße.
Heute führte der Weg fast ausschließlich durch dieses Waldgebiet. Das Gebiet heißt Gostynińsko-Włocławski Park Krajobrazowy.
Zur Mittagszeit verließen wir den Wald und erreichten Smolnik. Dort fanden wir einen kleinen Lebensmittelladen mit Bänken davor – ideal für eine Mittagspause. Anschließend ging es direkt zurück in den Wald.s
Ein angenehmer Wandertag, lediglich die letzten paar Kilometer zur Unterkunft, die entlang der Uferstraße an der Weichsel verliefen, waren etwas mühsam. Schließlich erreichten wir ein Hotel mit Restaurant direkt am Flussufer.
Unterkunft: Hotel Gościniec Pod Żaglami
Freitag, 2. August / Skoki Male – Płock 35,04 km
196 m Anstieg, 193 m Abstieg
Da es erst um acht Uhr Frühstück gab, hatten wir gestern eine Lunchbox bestellt. Wir frühstückten direkt an der Weichsel und starteten unseren Tag. Es ging wieder hinein in einen Naturpark, und die Etappe wurde wieder genauso schattig und angenehm wie gestern.
Nach zehn Kilometern machten wir an einem kleinen Supermarkt Rast, und nach 20 Kilometern fanden wir einen schönen Waldrastplatz für eine Mittagspause.
Zum Schluss zog sich die Etappe entlang des Damms an der Weichsel bis Płock etwas in die Länge – vor allem für Birgit, die in den ersten fünf Tagen ihrer Wanderung schon 150 Kilometer zurückgelegt hatte. Höchste Zeit für einen Ruhetag. Dafür hatten wir uns in einem kleinen Appartement eingemietet.
Seit Toruń war der Weg nicht mehr markiert. Er war auch vorher nicht direkt als Romea Strata ausgewiesen, aber zumindest seit Tallinn immer als Camino, dessen Markierungen man folgen konnte. Von Toruń bis hierher gab es lokale Wanderwege und Fahrradwege, denen die Strata folgte. Ab Płock waren solche Wege auf dem Kartenmaterial nicht mehr auszumachen. Ich hoffte sehr, dass die Vereinigung der Romea Strata an Plänen zur Markierung der gesamten Strecke arbeitet.
Am Abend gingen wir bei Lidl einkaufen. Dort standen zwei Busse mit indischen Gastarbeitern, die für einen Mineralölkonzern arbeiten und nach der Arbeit hierher gebracht wurden, um ihren Wochen- oder Wochenendeinkauf zu erledigen. Nach dem Einkauf, nehme ich an, würden sie direkt in ihre Gemeinschaftsunterkünfte gebracht. Dieses isolierte Arbeitsleben habe ich schon bei Erntehelfern in Spanien und Frankreich gesehen.
Unterkunft: APARTAMENTY 72
Samstag, 3. August / Ruhetag Płock
Stadtbesichtigung und Einkäufe erledigen.
Entlang der Weichsel wurde viel Geld in die Gestaltung der Uferanlage investiert, aber schon einige hundert Meter weiter nördlich hatte die Stadt für schöne Gestaltungen eher nur mehr ein kleineres Budget übrig
Sonntag, 4. August / Płock – Koszelówka 19,23 km
134 m Anstieg, 108 m Abstieg
Für die nächsten zwei Tage hatten wir nichts gebucht. Heute machte ich mir keine Sorgen, da wir an einem See mit vielen Campingplätzen und Übernachtungsmöglichkeiten in Koszelówka ankommen würden. Das offizielle Etappenende wäre eigentlich ein paar Kilometer weiter in Gąbin, aber dort sind die potentiellen Übernachtungsmöglichkeiten rar gesät.
Der Weg führte zuerst lange durch die Vororte von Płock und dann an schmalen Pfaden entlang der Seen Ciechomickie und Zdworskie. An letzterem lag unsere Unterkunft. Sie sah aus wie ein Relikt aus kommunistischen Zeiten – und war es auch. In unserem Gebäude waren auch Gastarbeiter untergebracht, und ich glaube, es waren dieselben, die wir vorgestern in Płock beim Einkaufen gesehen haben.
Unterkunft: Zacisze BIS
Montag, 5. August / Koszelówka – Żychlin Bahnhof 31,03 km
160 m Anstieg, 136 m Abstieg
In unserem Resort Zimmer stank es unglaublich aus dem Dusch-Siphon. Deshalb starteten wir, trotz Regen, schon kurz nach sechs Uhr.
Zuerst gingen wir fünf Kilometer bis Gąbin durch einen Wald. Dort kauften wir Lebensmittel ein und setzten den nächsten Teil der Etappe fort. Nun ging es wieder auf Straßen und Feldwegen bis nach Żychlin. Wir befanden uns nun in der Woiwodschaft Łódź. Die Stadt hat zwar 9000 Einwohner, aber keine Unterkünfte. Also beschlossen wir, noch vier Kilometer zum Bahnhof zu gehen und in die etwas größere Stadt Łowicz zu fahren.
Dort quartierten wir uns gleich für drei Nächte ein, da wir die nächsten Etappen von hier aus angehen würden. Es gibt inzwischen nicht mehr viele Unterkünfte, da es keine touristischen Gegend ist. Dafür aber ein gut ausgebautes Zugnetz. Morgen würde es also mit dem Zug nach Żychlin gehen, um die nächste Etappe in Angriff zu nehmen.
Unterkunft:Hotel Polonia
Dienstag, 6. August / Żychlin – Łowicz 35,72 km
125 m Anstieg, 147 m Abstieg
Nach einem guten Frühstück stand ein Slackday an. Der Begriff „Slackday“ kommt aus der amerikanischen Wanderszene und bedeutet, dass man einen großen Teil seiner Ausrüstung nicht braucht. In unserem Fall, weil wir den Großteil des Rucksackinhalts im Hotel Polonia lassen konnten, da wir hier wieder übernachten würden.
Wir fuhren mit dem Zug nach Żychlin und starteten die Etappe. Wir gingen meist durch langgezogene Dörfer auf asphaltierten Straßen und wurden vom Ortseingang bis zum Ortsende von Hunden angebellt. Bei jedem offenen Tor konnten wir nur hoffen, dass nicht gleich ein Hund raussprang. Am schrägsten war eine Frau, die seelenruhig ihren kleinen Kläffer auf uns losgehen ließ. Zugegeben, er war ob der Größe des Hundes nicht gefährlich, aber nett war es auch nicht. Generell wurden wir sehr argwöhnisch beäugt. Da es in dieser Gegend kaum Tourismus gibt, sind die Menschen den Anblick von Fremden mit riesigen Rucksäcken wohl nicht gewohnt. Wir wurden unverhohlen angestarrt und nicht zurückgegrüßt, als ob man Angst vor uns hätte.
Dann war der Weg, der laut GPS durch ein Feld führen sollte, plötzlich nicht mehr vorhanden, und wir mussten einen Umweg über eine Straße machen, nur um wieder dauernd angebellt zu werden.
Zum Schluss wurde die Etappe entlang eines Flusses doch noch schöner, aber da waren wir schon zu müde, um uns noch daran zu erfreuen. Am Abend gab es zur Belohnung Schnitzel und Piroggen. Am nächsten Tag würde es den zweiten Slackday geben.
Unterkunft: Hotel Polonia







































































































































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