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Via degli Dei 2026/ITA von Bologna nach Florenz

  • vor 2 Tagen
  • 8 Min. Lesezeit

Via degli Dei

Die Via Degli Dei ist eine 130 Kilometer lange Apenninüberquerung von Bologna nach Florenz. Diese Trekkingroute ist die wohl bekannteste Wanderstrecke Italiens. Der Namen kommt von den Namen der Berggipfel, die Namen antiker Götter tragen. 

Der Weg folgt zum Teil der alten römischen Militärstraße Flaminia Militare.


Berühmt berüchtigt sind auch die Schlammpassagen, die lediglich im Hochsommer in langen regenarmen Perioden ganz ausgetrocknet sind.


Da es die ersten zwei Tage regnete, durfte ich des Öfteren knöcheltief durch den Schlamm stapfen. Trotzdem, oder vielleicht sogar wegen dieser Herausforderung, ist der Weg so besonders. Zur Herausforderung der Wegbeschaffenheit kommen noch durchschnittlich über 1000 Höhenmeter pro Tag.


Man trifft am Weg viele WanderInnen und die Infrastruktur ist gut. Ich habe für die Wanderung mein Zelt mitgenommen, aber es gibt hier auch viele Hotels, B&Bs und Bauernhöfe, die Wandernde aufnehmen. Der Wanderweg ist zu einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren in dieser Bergregion geworden. Unwirklich wird es, wenn einen der Weg am Ende in die Touristenströme im Zentrum von Florenz wieder ausspuckt.


Daten:

Land: ItalienRegionen: Emilia-Romagna, Toskana

Apenninüberschreitung von Bologna nach Florenz

Länge: 130 km

Höhenmeter im Anstieg und Abstieg 5500 Hm


Montag, der 13. April / Anreise

Birgit und ich nehmen heute um 10:45 den Schnellzug, die Frecciarossa, um von Rom nach Bologna zu gelangen. Ich werde hier Morgen die Via degli Dei beginnen, und Birgit wird weiter nach Wien fahren.


Bei der Ankunft bemerke ich, dass unsere Unterkunft zwar wie auf der Buchungsseite beschrieben direkt am Bahnhof liegt. Dass es sich dabei aber um einen kleinen Regionalbahnhof und nicht um Bologna Centrale handelt, habe ich übersehen.


Da es bei der Ankunft noch zu früh für das Check-in ist, gehen wir noch zur Piazza Nettuno, um meine Credenziale abzuholen. Nachher nehmen wir den Regionalzug zu unserer Wohnung, die zum Glück wirklich nur 100 Meter vom Bahnhof entfernt liegt. Von hier fahren alle paar Minuten Busse und Züge ins Zentrum von Bologna. Es ist also gar nicht so schlimm wie befürchtet.


Nachdem wir unsere Rucksäcke ins Zimmer gebracht haben, gehen wir Lebensmittel für meine Apenninüberquerung einkaufen. Ich muss mir auch noch neue Kopfhörer besorgen, da ich meine leider in Wien vergessen habe. Bisher brauchte ich sie noch nicht, da wir zu zweit unterwegs waren, aber da ich ab Morgen alleine bin, ist es wieder Zeit meine geliebten Podcasts beim Wandern zu hören.


Am Abend drehen wir noch eine Runde durch diese beeindruckende Stadt und kosten diverse Köstlichkeiten aus der Region, bevor wir wieder in unser Zimmer zurückkehren.


Unterkunft: Levante Apartment


Dienstag, der 14. April / Bologna – Brenta 31,39 km

1158 m Anstieg / 777 m Abstieg


Wir fahren um sieben Uhr mit der Regionalbahn nach Bologna Centrale, wo ich mich von Birgit verabschiede. 


Ich starte vom Bahnhof an diesem regnerischen Tag die Via degli Dei. Es regnet schon den zweiten Tag in Folge und ich hoffe sicher durch die Berge zu kommen. 


Der Anfang hat es gleich mal in sich. Es geht steil durch die berühmten Portici zum Sanktuarium Della Beata Vergine San Luca. Ein Grund, warum die Via Porticata gebaut wurde, war, die Pilger, die zum Marienheiligtum pilgern wollten, vor Regen zu schützen. Praktisch auch für mich, da ich so die ersten fünf Kilometer im Trockenen gehen konnte – danach leider nicht mehr. 


Steil geht es von der Kirche wieder hinunter zum Fluss Reno. Hier gibt es einen Weg, den man bei mehrtägigem Regen wegen dem Schlamm nicht mehr begehen kann. Ich denke mir, dass es noch gehen sollte und werde prompt von einem Spaziergänger aufgehalten. Er rät mir dringend, auf der anderen Flussseite die Ausweichstrecke zu gehen. Auf dieser muss man zwar drei Mal Absperrungen von einer Baustelle umgehen, kommt aber trockenen Fußes nach Vizzano.


Es regnet unaufhörlich, und ich finde nur ab und zu ein halbwegs trockenes Plätzchen, um mich kurz auszuruhen und ein paar Kekse zu essen.


Von Vizzano weg geht es dann wieder die meiste Zeit aufwärts. Mal auf schlammigen Waldpfaden, mal auf gut begehbaren Schotterstraßen. Ich treffe hier auch einige andere Wandernde. Niemand scheint vom Wetter recht angetan zu sein. 


Ein paar Kilometer vor dem Ziel holt mich Andrea ein. Er ist zwar auch mit dem Zelt unterwegs, hat aber in letzter Minute für heute wegen des Wetters doch noch ein B&B gebucht. Wir gehen zusammen zum Circolo Sportivo nach Brenta, wo ich mein Zelt aufstellen werde. Hier gibt es eine Bar und Andrea lädt mich auf einen Kaffee ein. Danach baue ich mein Zelt auf. Dieses neue, nicht freistehende Zelttarp von Decathlon hat mich bis jetzt noch nicht überzeugt. Ich habe es mir gekauft, da es leichter als meine bisherigen Zelte ist. Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass ich für mehr Komfort, das halbe Kilo Mehrgewicht meines Big Agnes in Kauf nehmen sollte.


Unterkunft: Zeltplatz Sportplatz


Mittwoch, der 15. April / Brenta – Madonna dei Fornelli 22,68 km

1961 m Anstieg / 1631 m Abstieg


Es war gut, dass es an meinem ersten Tag und der ersten Nacht geregnet hat. So wurden mir gleich alle Nachteile meines kleinen Einpersonenzelttarps von Decathlon vor Augen geführt. Man braucht immer einen weichen Untergrund, in dem die Heringe halten. Wenn man es nicht perfekt spannt, läuft das Regenwasser nicht gut ab. Ich muss aus Platzgründen den Rucksack im Vestibül lassen, und dort ist es, vor allem wenn man sein Zelt auf nassem Untergrund  aufstellen muss, nicht trocken. Ich möchte bis auf Schuhe, Camp Schuhe, Wasserflaschen, Geschirr, Kocher und Gaskartusche alles bei mir im Zelt haben. Das Umziehen im Zelt wäre selbst für einen Schlangenmenschen eine Höchstleistung. Auf jeden Fall werde ich nach dieser Tour wieder zu meinen freistehenden Zwei-Personen-Zelten zurückkehren.


Einfach alles, was ich am Morgen in meinen Rucksack packe, ist nass. Die Müsliverpackung ist aufgeweicht und undicht geworden. Also esse ich so viel von den 400 Gramm, wie ich kann, und der Rest kommt in die Tonne. Ich gehe los und obwohl es regnet, wird es bald wärmer. 


Der erste Teil der Strecke verläuft viel auf Straßen, und wenn der Weg mal die Straßen verlässt, schlittert man im Schlamm herum. Da es sehr neblig ist, könnte der Weg überall sein. Mir gelingt es trotz der widrigen Bedingungen in eine gute Wanderstimmung zu kommen, und freue schon mich auf die Bar die ich ein paar Kilometer vor Monzuno in Selve erreichen werde. 


Ab jetzt soll der Weg entlang an Bergrücken mit wunderschönen Panoramen führen. Ich sehe nur leider aufgrund des dichten Nebels nichts davon. In Madonna dei Fornelli wartet Andrea auf mich, und wir beschließen, hier bei Ramona zu bleiben. Für nur 25 Euro pro Kopf können wir uns ein Zimmer teilen. Ramona wäscht unsere dreckigen Sachen und lässt mich Zelt und Schlafsack in einem Raum, der im Sommer als Schlafsaal genutzt wird, zum Trocknen aufhängen. Am Abend essen wir gemeinsam mit anderen Wanderern Pizza.


Unterkunft:  Romani


Donnerstag, der 16. April 2026 / Madonna dei Fornelli – Sant’ Agata 31,54 km

1507 m Anstieg / 1733 m Abstieg


Ich esse ein kleines Frühstück, packe alle mittlerweile trockenen Sachen ein und mache mich auf den Weg. Wir haben gutes Wetter und eine landschaftlich schöne Etappe vor uns. Zum Teil verläuft unser Weg auch auf der römischen Flaminia Militare. Eine Römerstraße, die Bologna und Arezzo verband und hauptsächlich für Truppenbewegungen über den Apennin geplant und gebaut wurde.


Am Ende der vorgeschlagenen Etappe, am Passo della Futa liegt einer der größten deutschen Militärfriedhöfe, auf dem 30.000 Soldaten begraben  sind. Ich schaue mir das Mahnmal gegen Krieg und für den Frieden an. 


Danach geht es weiter und es wird sehr anstrengend. Hinauf auf den Monte Gazzaro. Vor allem der Abstieg ist schwierig. Es ist schlammig und es geht über steile Treppen mit hohen Stufen in das Tal. Die gefährlichsten Stellen sind zum Glück gesichert. Ich erreiche erst im Dunkeln um 21 Uhr den Bauernhof, bei dem ich mein Zelt aufbauen kann. Andrea und ein Paar aus Schweden sind schon da. Wir quatschen noch ein bisschen, und bis ich geduscht bin und mir was zu Essen gekocht habe, ist es schon 23 Uhr. 


Unterkunft: Agricampeggio Lazzari


Freitag, der 17. April / Sant'Agata – Bivigliano 28,16 km

785 m Anstieg / 791 m Abstieg


Ich habe schlecht geschlafen. Das Zelt, das ich ohnehin nicht mag, stand schief und auf löchrigem Terrain. Die ganze Nacht habe ich mich gedreht und gewendet und bin immer wieder aufgewacht.


Nach Frühstück mit Kaffee, Marmeladebrot und Gesprächen über das Wandern mit meinen neuen schwedischen Freunden geht es mir aber schon viel besser. Ein paar Kilometer weiter im Zentrum von Sant'Agata stärke ich mich noch mit einem Cappuccino. 


Als ich das Dorf südwärts verlasse, treffe ich Leonardo, einen 30-jährigen Römer den ich vor zwei Tagen in Brento kennengelernt habe. Er ist immer vergnügt, und bei der Analyse der gestrigen Etappe vergehen die Kilometer bis San Piero a Sieve wie im Fluge. Hier mache ich eine Pause. Auf Dauer würde es mir auch nicht gut tun, sein Tempo zu halten, da er wesentlich schneller ist als ich.


Jetzt stehen zwei Aufstiege vor mir, und die Müdigkeit schlägt zu. Ich quäle mich noch ein paar Stunden bis zum Campingplatz in Bivigliano. In der Bar bestelle ich ein Eis und eine Cola und würde am liebsten hier sitzen bleiben, anstatt das Zelt aufzustellen. Irgendwann raff ich mich dann doch auf und baue das Zelt auf, dusche mich, wasche Schweiß und Schlamm aus meiner Kleidung und koche mir Nudeln. Hoffentlich wird diese Nacht besser.


Unterkunft: Camping Poggio degli Uccellini


Samstag, der 18. April / Bivigliano – Florenz 29,68 km

703 m Anstieg / 1152 m Abstieg


Ich mache mir noch auf dem Campingplatz Instantkaffee und esse ein paar Kekse, bevor ich mich auf den Weg mache. Bivigliano liegt nicht direkt an der Strecke, und ich könnte mir die Wanderung jetzt vereinfachen, wenn ich einfach südwärts aus dem Ort gehe und den östlich der Stadt liegenden Montesenario einfach auslasse. Da ich morgens immer etwas enthusiastischer bin als abends, nehme ich die 300 Höhenmeter auf mich.


Am Montesenario befindet sich das Ursprungskloster des Servitenordens, der 1233 von sieben florentinischen Kaufleuten gegründet wurde, um ihrem Leben eine neue Wendung gaben. Die Kaufleute gingen auf Montesenario und besetzten, wie damals üblich, ein paar Höhlen.


Kurz nach dem Abstieg vom höchsten Punkt des Berges komme ich an der Ghiaccaia di Montesenario vorbei. Hier wurde früher in einem zylindrischen Steingebäude, dessen Keller tief in den Erdboden ragt, Eis aufbewahrt. Die zylindrische Form des Steinbaus und die Tiefe des Kellers ermöglichten es, die dafür notwendigen tiefen Temperaturen konstant zu halten. 


Der Weg führt nun abwechselnd durch Wälder und Wiesen. Kurz vor dem letzten steilen Anstieg der Tour holt mich Leonardo ein, und wir gehen ein Stück gemeinsam. Am Poggio Pratone, von dem man einen guten Ausblick nach Fiesole und Florenz hat, lege ich eine Pause ein und lasse Leonardo ziehen.


Nach Fiesole geht es steil den Monte Ceceri hinab. Leonardo da Vinci unternahm hier mit seinem Fluggerät erste Flugversuche. Es sind auch noch alte Steinbrüche vorhanden, mit deren Material viele Florentiner Renaissance-Gebäude errichtet wurden.


In Florenz angekommen suche ich erst mal einen Trinkbrunnen und einen Platz zum Rasten. Von hier aus plane ich meine Heimreise. Die kostengünstigste Möglichkeit ist es heute noch mit dem Zug nach Venedig Mestre zu fahren, dort in einem günstigen Hotel am Bahnhof zu übernachten und am nächsten Tag mit dem österreichischen Railjet die Heimreise anzutreten.


Ich mache mich auf den Weg. Im Zentrum der Stadt quäle ich mich durch die Touristenmassen und bin froh, endlich den Hauptbahnhof zu erreichen. Leonardo ist schon am Bahnhof, wo wir uns noch einmal für eine Verabschiedung treffen.


Nach der zweistündigen Zugfahrt mache ich mich noch mal hungrig über eine Pizza und Eis her, bevor ich in mein eher schäbiges, aber für eine Nacht ausreichend angenehmes, Apartmentzimmer gehe.


Noch einmal schlafen und dann geht es zurück nach Hause.


Unterkunft: C'a Stazione Venedig Mestre




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