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Via di Francesco 2026/ von Rimini nach Sant'Agata Feltria

  • vor 2 Tagen
  • 7 Min. Lesezeit

Via di San Francesco von Rimini nach La Verna

Der Cammino di San Francesco von Rimini nach La Verna wurde 2013, zum 800. Jahrestag des Besuches des heiligen Franziskus in San Leo eröffnet. Nach einer wohl sehr eindrucksvollen Predigt von Franziskus schenkte ihm Graf Orlando den Grund, auf dem jetzt das Kloster La Verna steht.


Am Weg liegen viele historische Orte, die mit Franziskus in Verbindung stehen, vom Ausgangspunkt in Rimini über Verucchio, Kloster Santa Croce, San Leo, Sant'Agata Feltria und La Verna.


Ich bin durch eine Wegmarkierung auf unserer Wanderung am Franziskusweg von Florenz nach Assisi auf diesen Weg aufmerksam geworden, und nun war es an der Zeit, ihn zu erwandern.


Wir mussten die Via di Francesco allerdings nach drei Tagen und 70 Kilometern abbrechen, da ein Tief starke Niederschläge mit sich brachte. In höheren Lagen gab es bis zu einen halben Meter Neuschnee, und in tieferen Lagen steckten wir knöcheltief im Schlamm. Und in den Zwischenlagen brach man durch den Neuschnee durch und landete gleichzeitig knöcheltief im Wasser. Für die schwierigsten fünf Kilometer des dritten Tages benötigten wir zweieinhalb Stunden, und unsere Reise glich mehr einer Durchschlageübung als einer Wanderung.


Da die letzten zwei Etappen noch höher in die Berge und tiefer in Wälder führen würden und auf den Social Media Seiten der Wegehalter dazu aufgefordert wurde, die Wanderung abzubrechen, fiel uns diese Entscheidung leicht.


Trotzdem hatten wir schöne drei Tage an den Flanken des Marecchiatales.


Daten:

Land: ItalienRegion: Emilia-Romagna

Strecke: Rimini - La Verna

Länge: 110 km

4704 m im Anstieg

3577 m im Abstieg

Höchster Punkt: Monte Calvano 1254 m

Niedrigster Punkt: Rimini 5 m


Dienstag, der 24. März / Anreise von Spilamberto nach Rimini

Gestern Abend haben wir noch mit Angela und Giordano zu Abend gegessen und uns den Film von ihrer Wanderung auf der Via Vandelli, einem Fernwanderweg von Modena nach Massa, angesehen. Und wie schon letztes Mal bekamen wir bei der Verabschiedung Proviant für den nächsten Tag mit.


Nachdem wir am nächsten Morgen einen Teil davon gefrühstückt haben, gehen wir zur Busstation und fahren nach Modena. Von dort geht es mit dem Zug weiter nach Rimini. Direkt am Zielbahnhof können wir uns im Tourismusbüro einen Reiseführer und zwei Credenziali für den Franziskusweg kaufen.


Jetzt haben wir noch zwei Stunden Zeit, bis wir uns den Schlüssel für unsere Pilgerunterkunft bei den Klarissen abholen können. Die verbringen wir hauptsächlich in einer Bar. Ich vertiefe mich in der Lektüre des Reiseführers und bemerke, dass dieser bereits fünf Jahre alt ist, und die Routen mittlerweile an vielen Stellen anders verlaufen. Ärgerlich, dass man alte Editionen nicht aus dem Verkehr zieht, und für mich eine Lektion, immer das Erscheinungsjahr von Reise- und Wanderführern vor dem Kauf zu kontrollieren.


In der Unterkunft ist es sehr sauber und alles ist liebevoll eingerichtet. Aber es ist auch dunkel. Und da wir im Erdgeschoss zur Straße hin schlafen, kann man das Fenster nicht richtig öffnen. Eigentlich wollten wir hier einen Tag Pause einlegen, aber es gibt einen guten Grund, uns morgen schon wieder auf den Weg zu machen: Morgen ist noch gutes Wetter angesagt, für übermorgen gibt es jedoch Sturmwarnungen. Also werden wir wohl mal losgehen und dann schauen, wie sich das Wetter wirklich entwickelt, um den Pausentag geschickt an einem Schlechtwettertag zu nehmen.


Ich mache noch eine kurze Stadtbesichtigung. Rimini war für mich, ohne je da gewesen zu sein, immer der Inbegriff klischeehaften Strandurlaubs an der Adria. Plastikstühle, Sonnenschirme, Strand und Meer. Dabei habe ich immer ignoriert, dass die Stadt eine lange Geschichte hat. Villanovakultur, Kelten, Etrusken und Römer haben hier schon gesiedelt. Ich besichtige den Tempio Malatestiano, kaufe Lebensmittel ein und bereite dann in der Küche unserer Unterkunft ein kleines Abendessen zu.


Unterkunft: Wohnung der Klarissen


Mittwoch, der 25. März 2026 / Rimini – Villa Verucchio 26,85 km

342 m Anstieg / 190 m Abstieg


Schnurgerade in südwestlicher Richtung führt der Weg aus Rimini hinaus. Kurz außerhalb der Stadt geht es einen Kreuzweg entlang zum Santuario Santa Maria delle Grazie. 


Der Weg führt uns entlang von Villen und landwirtschaftlichen Gütern bis zum Fluss Marecchia. Der Flussweg ist die ersten paar Kilometer gesperrt, und die Umleitung geht über eintönige Straßen zurück zum Fluss. Als wir Fahrräder am eigentlich gesperrten Weg sehen, wird uns klar, dass wir die Umleitung hätten ignorieren können.


Endlich wird der Weg wieder schöner, und auf zwei großen Steinen kurz vor der Uferböschung entscheiden wir uns, Mittagspause zu machen. Als eine ausgewachsene Natter zwei Meter vor uns vorbei kriecht, schlage ich Birgit vor, die Pause eher kurz zu halten. Sie hat die Schlange nicht gesehen und will einen Grund für unseren verfrühten Aufbruch. Als ich ihn ihr sage, ist der Rucksack in 30 Sekunden gepackt und wir sind wieder am Weg.


In Villa Verucchio angekommen, müssen wir uns entscheiden, wo und für wie viele Nächte wir hier übernachten möchten. Morgen soll es stürmen, viel regnen, schneien und bis knapp über 0 Grad abkühlen. Also werden wir zwei Nächte bleiben. Das Kloster Santa Croce hat keine Heizung, und grundsätzlich sollten Klöster und dezidierte Pilgerherbergen nur für eine Nacht in Anspruch genommen werden. Ein Gasthaus zwei Kilometer nach dem Kloster reagiert nicht auf meine Kontaktversuche, und so entscheiden wir uns für ein B&B etwas abseits des Weges. Wir kaufen Lebensmittel ein und gehen 2,5 Kilometer bis zu unserer Unterkunft.


Das B&B ist ein Wohnhaus eines ehemals sicher großen Landgutes, und es muss schon lange in Familienbesitz sein; es ist vollgestellt mit Möbeln und Einrichtungsgegenständen aus vielen Epochen. Jede Wand ist voll mit Bildern und sämtlich vorstellbarer Dekoration. Auf einer Kredenz im Esszimmer stehen auch einige Urnen – die Familie wie wir annehmen. Unser Zimmer ist originell und sehr angenehm mit funktionierender Heizung und einem großen Badezimmer. Hier werden wir uns zwei Tage lang wohl fühlen.


Unterkunft: Residenza Ilde


Donnerstag, der 26. März / Ruhetag Villa Verucchio

Birgit bleibt in der Unterkunft. Sie nimmt “Ruhetag” wörtlich. Ich besuche das Kloster Santa Croce. Damit wir morgen eine Abkürzung nehmen können, besuche ich es heute, da wir bei der Abkürzung nicht vorbeikommen werden. Es ist das älteste Franziskanerkloster in der Emilia Romagna. Im Innenhof des Kreuzganges steht ein Naturdenkmal: Eine 800 Jahre alte Zypresse. Der Legende nach hat Franziskus hier seinen Wanderstock in die Erde gesteckt, und daraus ist dieser Baum erwachsen. Unabhängig davon, ob an der Geschichte was dran ist, ist der Baum mit seinem Umfang von 5,6 m und einer Höhe von 24 m eindrucksvoll.


Anschließend kaufe ich noch was zum Essen ein und erreiche klitschnass unser B&B, da mittlerweile starker Schneeregen eingesetzt hat.


Birgit klemmte sich in der Zwischenzeit beim Schließen der Fensterläden – bei starkem Sturm – den Zeigefinger ein. Zum Glück ist wieder nichts gebrochen. Nur ein blauer Fleck mehr.


Unterkunft: Residenza Ilde


Freitag, der 27. März / Villa Verucchio – San Leo 29,97 km

1052 m Anstieg / 573 m Abstieg


Nach zwölf Stunden Schlaf gehen wir um sieben Uhr zum Frühstück. Eigentlich gibt es dieses erst ab acht Uhr, aber wir haben gestern vereinbart, dass wir den Wasserkocher benutzen dürfen und ein paar Zwieback mit Marmelade bereit stehen.


Als wir in den Frühstücksraum kommen, treffen wir die rumänische Betreuerin des an Parkinson leidenden Hauseigentümers. Sie ist so nett uns in der Küche frischen Kaffee zuzubereiten. Wir kommen mit ihr ins Gespräch und sie erzählt uns ein wenig von den Schwierigkeiten der rumänischen Krankenbetreuerinnen. Sie bezeichnet sie als die “Sklaven Europas”. Sie wäre auch schon im Pensionsalter, aber da sie aus der Not heraus viele Jobs schwarz machen musste, hat sie viel zu wenig Pensionsjahre zusammen, die dann noch dazu in Rumänien viel geringer bewertet werden.


Am Weg lassen wir den Anstieg zum Santa Croce Kloster, das ich ja schon gestern besucht habe, aus und bleiben in der Nähe des Marecchia. An einer Brücke in der kleinen Ortschaft Ponte Verucchio finden wir eine Bar, und wir nutzen die Gelegenheit für ein zweites kleines Frühstück und wärmen uns auf. Entgegen den Prognosen regnet es nämlich und ist kalt.


Danach geht es über die Brücke und nördlich des Marecchia an diesem entlang, bis man auf einem Felsen das Santuario Madonna di Saiano sieht. Wir beschließen, zum Santuario zu gehen, obwohl es nicht direkt an der Route liegt. Es bietet einen wunderschönen Ausblick auf das Marecchia Tal. Weiter geht es zum Montebello, wo wir einen Unterstand für eine kleine Mittagspause finden.


Es ist zwar anstrengend, aber wir kommen gut und konstant weiter, und vor allem macht das Gehen Spass. Es macht auch immer noch Spaß, als der Weg etwas matschiger wird, aber irgendwann ist der Spaß dann zu Ende. Wir sinken knöcheltief im Schlamm ein und rutschen mehr, als wir gehen. Für die nächsten fünf Kilometer brauchen wir zweieinhalb Stunden, und Birgit rutscht im Schlamm aus und landet am Rücken. Nichts passiert!


Irgendwann erreichen wir dann doch wieder asphaltierten Untergrund und würden die Straße am liebsten küssen. Es geht wieder runter ins Tal und auf der anderen Talseite hinauf nach San Leo. Wir sind bereits sehr müde, und die letzten 400 Höhenmetern ziehen sich wie Kaugummi. Nur gut, dass keine Schlammpassage mehr dabei ist.


San Leo gilt als einer der schönsten Orte Italiens. Es liegt auf einem Felsen und es gibt eine Festung, zwei Kirchen und ein mittelalterliches Zentrum. 1213 hatte sich Franziskus hier als Gast der Grafen Buonconte und Taddeo aufgehalten. Nach einer Predigt war Graf Orlando Cattani so beeindruckt, dass er Franziskus den Ort schenkte, an dem später das Kloster La Verna entstand – das Ziel dieser Wanderung.


Unterkunft: Montefeltro B&B


Samstag, der 28. März / San Leo – Sant'Agata Feltria 24,48 km

737 m Anstieg / 754 m Abstieg


Wasser sammelt sich in den Wiesen, rinnt zu kleinen Rinnsalen zusammen, die sich wiederum ihren Weg zu Bächen, Straßengräben oder anderen etwas größeren Rinnen suchen. Überall gluckert und gurgelt es, bis das Wasser schon lauter und bestimmter in Bächen mündet. Diese fließen dann tosend in den Marecchia, dessen breites Bett genug Platz hat, all das Wasser aufzunehmen, das über dem Land in Form von Regen und Schnee niedergekommen ist. 


Das beobachten wir, als wir uns auf unserem langen Weg hinunter ins Tal sind. Leider auf der Straße, denn die Feldwege sind entweder verschneit oder voller Matsch; oder verschneit und voller Matsch.


Auf der anderen Talseite steigen wir stetig auf 900 Höhenmeter an, aber die letzten Kilometer zeigen uns unsere Grenzen auf. Der Schnee wird immer tiefer, und durch die warmen Temperaturen haben sich unterhalb der Schneedecke schon tiefe Pfützen gebildet. Und so staksen wir knietief im nassen Schnee mit ebenso nassen und kalten Füßen voran, froh, wieder eine asphaltierte und geräumten Weg zu erreichen. Um nicht noch einmal in die gleiche Situation zu kommen, müssen wir wieder auf die Straße ausweichen, um bis Sant'Agata Feltria zu gelangen.


Der Aufstieg und die stark befahrene Bergstraße hat uns viel Energie gekostet, und wir sind froh, bei den Nazarethschwestern unterzukommen.


Die nächsten zwei Etappen führen auf 1200 Meter hinauf. Nicht geräumte Straßen und Wege waren für uns schon ab 700 Meter schwer zu bewältigen, und es dürfte eher schlimmer als besser werden. Also werden wir hier diese Tour beenden, und morgen etwas aufwändig mit Taxi, Bus und Zug nach Assisi fahren, um den südlichen Franziskusweg zu begehen. 


Unterkunft: Nazarethschwestern Sant’Agata Feltria




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