Via di Francesco del Sud 2026/Teil 1 von Assisi nach Rieti
- 29. Apr.
- 15 Min. Lesezeit

Die Via di Francesco del Sud
In den 2000er Jahren begann die Planung und Entwicklung des Franziskusweges in Italien. Mittlerweile gibt es zwei Hauptrouten, den Franziskusweg Nord von Florenz nach Assisi, und den Südweg vom Petersplatz in Rom zur Basilica di San Francesco in Assisi. Vor allem der Südweg wird in beide Richtungen durchwandert, da sowohl Rom als auch Assisi lohnenswerte Ziele sind.
Weitere Varianten und Zubringer entstehen laufend und verbinden auf all diesen Wegen historische Orte, Einsiedeleien und Klöster, die in engem Zusammenhang mit dem gut erforschten und nachvollziehbaren Wirken des heiligen Franziskus stehen.
Nachdem wir letztes Jahr die Nordroute gewandert sind, gehen wir dieses Jahr von Assisi durch Umbrien und Latium nach Rom.
Der Weg führt uns durch Wälder, über Berge und zu vielen auf Hügeln und Felsen erbauten mittelalterlichen Städten und Dörfern. Wir besuchen Klöster und Eremitagen, die dort erbaut wurden, wo früher Einsiedler in Höhlen lebten.
Daten:
Land: Italien
Regionen: Umbrien, Latium
Länge: 280 Kilometer
Anstieg: 6000 Meter
Abstieg: 6400 Meter
Sonntag, der 29. März / Anreise Sant'Agata Feltre – Assisi
Nachdem wir den Cammino di San Francesco von Rimini nach La Verna in Sant'Agata Feltria wegen zu viel Schnee und Schlamm abgebrochen hatten, mussten wir einen Weg finden, um von dort nach Assisi zu kommen. Am Sonntag würden wir öffentlich nicht von Sant'Agata wegkommen, da an Sonn- und Feiertagen der Busverkehr eingestellt ist. Ich googelte am Samstagabend nach einem Taxiunternehmen und wählte einfach die erste Nummer mit dem Standort Novafeltria. Bingo.
Das Taxi fährt uns am Morgen zu einem sehr vernünftigen Preis in die 7000 Einwohner zählende Stadt im Marecchia Tal. Von hier kommen wir mit einem Bus nach Rimini. Nach einem einstündigen Aufenthalt geht es mit dem Zug weiter die Küste entlang bis Falconara Marittima. Die Stadt und auch der Bahnhof liegen nur ein paar Meter vom Strand entfernt, wo wir unseren nächsten einstündigen Aufenthalt verbringen. Anschließend steigen wir in den Zug Richtung Roma Tiburtina und steigen nach knapp zwei Stunden Fahrtzeit in Foligno in den Zug nach Assisi um. Vom Bahnhof Assisi geht es dann nur noch mit dem Shuttle in die Stadt, und schon sind wir am Startpunkt unserer dritten diesjährigen Wanderung in Italien.
Am Abend machen wir noch eine kleine Stadtrunde, besuchen die Basilica Superiore di San Francesco d'Assisi und die Chiesa di San Pietro, die zu einem Benediktinerkloster gehört.
Beim Besuch der Basilika bekommen wir nach der Palmsonntagsmesse gesegnete Olivenzweige, die wir in unsere Rucksäcke stecken und ich mit nach Rom nehmen möchten. Birgit will ihren bis nach Wien mitnehmen. Da sie ihn weiter schenken möchte.
Nach einer guten Pizza geht es dann auch schon in die Unterkunft.
Unterkunft: Citadella Ospitalità
Montag, der 30. März / Assisi – Spello 23,99 km
477 m Anstieg / 369 m Abstieg
Wir starten erst um 8:45 Uhr, da es das Hotelfrühstück erst ab acht Uhr gibt und die Etappe ohnehin nicht sehr lang ist.
Christa Englinger, Vizepräsidentin der AERS (Associazione Europe Romea Strata), Pilgerführerin, und mittlerweile eine Freundin, ist mit einer 28ig-köpfigen Pilgergruppe auch auf dieser Etappe der Via di Francesco unterwegs, aber in entgegengesetzter Richtung, von Spello nach Assisi. Sie geht die Route, welche von Ferdinand Treml ausgearbeitet wurde und die am Monte Subasio entlangführt.
Birgit und ich gehen also erst mal sehr steil auf von Kalksteinbrocken durchzogenen steinigem Untergrund bergauf und haben rechterhand einen abwechslungsreichen Ausblick auf das fruchtbare Valle Umbra, das Umbriental. Wir sehen Weinberge, Olivenhaine und auch die Stadt Foligno, die etwas südwestlich vor uns liegt. Wir erreichen die Eremita delle Carceri und treffen auf eine große Pilgergruppe, die ich anspreche, ob Christa ihre Pilgerführerin sei. Sie verneinen. Es handelt sich um eine Osttiroler Gruppe, die in einer Woche auf ausgewählten Abschnitten bis nach Rom unterwegs ist.
Zeitgleich besichtigt auch eine Jugendgruppe aus Schwaz die Eremita und wir kommen mit einer Begleitperson ins Gespräch. Die Gruppe ist vier Tage in einem Jugendhaus untergebracht und macht jeden Tag ausgedehnte Ausflüge. Assisi hat sie, wie auch uns, schwer beeindruckt.
Aber von Christa und ihrer Gruppe gibt es noch keine Spur. Wir besichtigen die Eremitage, in dessen Höhlen schon seit paläochristlicher Zeit Eremiten lebten. Und auch Franziskus war hier. Unter anderem kann man seine Schlafgrotte besichtigen.
Wir gehen ein paar Kilometer auf einer asphaltierten Straße leicht bergab, bis wir zu einem etwas ausgesetzten Steig kommen. An einem Aussichtspunkt treffen wir wieder die Osttiroler beim Essen ihrer Jause und gesellen uns dazu. Dabei lernen wir, was eine zünftige Osttiroler Bergjause ist. Wir werden gleich auf ein Glas Wein eingeladen. Schüttelbrot, Speck, Datteln, Kekse und viele andere Lebensmittel werden aus den Rucksäcken gezogen.
Anschließend geht es immer weiter bergab und bergauf an der Flanke des Monte Subasio weiter. Mich erreicht eine Nachricht von Christa. Sie haben den falschen Weg eingeschlagen und befinden sich am verschneiten Gipfel. Schade, hatten wir uns auf ein kurzes Treffen sehr gefreut.
Zum Schluss geht es an Olivenhainen steil hinunter nach Spello. Von weitem sehen wir einen weißen Kleinwagen schräg über den schmalen Feldweg stehen. Er hängt an einer Steinbegrenzung fest. Der Fahrer erzählt uns, er wäre einer Gruppe Pilger ausgewichen (die Osttiroler) und habe die Steinkante übersehen. Ich biete dem Fahrer meine Hilfe an, und gemeinsam schaffen wir es, das Auto frei zu bekommen. Erleichtert bedankt sich der Mann, und wir gehen wieder weiter.
In Spello finden wir an der angegebenen Adresse nicht die Pilgerunterkunft unserer Wahl. Da wir nicht lange suchen wollen, rufe ich einfach eine andere Nummer aus meiner Liste an, und wir beziehen ein kleines Appartement in dieser mittelalterlichen Stadt. Ein kurzer Abendspaziergang durch die Altstadt lässt uns staunen. Warum sind die alten Städte hier in Umbrien nur so schön?
Unterkunft: In Urbe
Dienstag, der 31. März / Spello – Trevi 23,99 km
477 m Anstieg / 369 m Abstieg
Graues Wetter vermischt sich mit einem nicht sehr schönen Abschnitt von Spello nach Foligno. Wir gehen am Talboden, und auf einer kleinen Nebenstraße fährt ein PKW mit hoher Geschwindigkeit fünf Zentimeter an Birgit vorbei. Sie bleibt zum Glück unverletzt.
Als wir die Vororte von Foligno erreichen, sind sie erstmal sehr hässlich, dann weniger hässlich, bis sie kurz vor der historischen Altstadt noch mal hübsch werden. In der Altstadt treffen wir zum wiederholten Male die Osttiroler Gruppe und besichtigen mit ihnen die Kathedrale von Foligno. Nach einer Kaffeepause gehen wir dann auch noch zum Santuario di Santa Angela da Foligno.
Aus der Stadt hinaus geht es dann wieder für einige Kilometer auf einem Fahrradweg entlang einer vielbefahrenen Ausfallstraße. Hier verlief früher die Via Flaminia, die Rom mit Rimini verband. Wir kommen durch Sant'Eraclio, einem Schloss, an dessen Stelle zu römischen Zeiten eine mutatio – eine Pferdewechselstelle – war. Ab hier führt der Weg in die Olivenhaine und es wird endlich ruhiger. Allerdings ist es sehr kalt, windig und fängt immer wieder zu regnen an.
Die letzten Kilometer bis zum Ziel geht es in ständigem Auf und Ab immer weiter Richtung Trevi, welches zwar auf einem Hügel gelegen zum Greifen nah ausschaut, dem wir uns aber nur sehr langsam und mühsam nähern.
Um 15 Uhr erreichen wir unsere Unterkunft. Sie ist vorgeheizt, und wir sind froh endlich im Warmen und Trockenen zu sein.
Unterkunft: Residenza Sant'Emiliano
Mittwoch, der 1. April / Trevi – Spoleto 30,16 km
1195 m Anstieg / 1203 m Abstieg
Wir haben unfassbar gut geschlafen, nämlich durchgehend ohne einmal aufzuwachen, von 22 Uhr bis kurz vor sieben Uhr. Wir gehen in eine Bar, um zu frühstücken. Draußen weht ein starker Wind und es regnet leicht. Wir müssen los. Ein langer Tag liegt vor uns.
Es bestätigt sich meine Hoffnung, dass der Wind hier oben im ausgesetzten Trevi schlimmer ist, als etwas weiter unten. Und so ist es auch. Der Wind lässt nach und auch der Regen wird zu einem erträglichen Nieseln. Der Weg führt angenehm durch Olivenhaine, bis er steil zum Eremo di San Francesco oberhalb des Borgo di San Benedetto hinauf führt. Leider ist niemand da. Alle Türen sind mit Ketten verschlossen, und ein Hund bewacht das Gelände. Im Nachhinein habe ich recherchieren können, dass man wohl irgendwo eine Glocke hätte läuten können. Es sollen hier einige Schwestern leben, die sich um den Ort kümmern, Pilger empfangen und sie in eine Grotte hinabsteigen lassen, in der der heilige Franziskus schlief.
Wir gehen steil hinab und wieder weiter durch Olivenhaine bis Campello Alto. Ein wunderbar erhaltenes mittelalterliches Dorf mit einer Festung auf einem Hügel.
In Poreta gibt es laut google maps eine Bar und einen kleinen Lebensmittelladen. Wir haben bis auf ein paar Taralli nichts mit und freuen uns, dort eine Pause zu machen. Die Pause wird aber etwas lang und auch etwas skurril. Die Frau, die den Laden leitet, verbietet mir zunächst, Waffeln zu kaufen. Diese wären schlecht. Stattdessen gibt sie mir andere Kekse. Dann fragt sie mich, ob wir zwei Brote mit Käse aus Assisi und Wurst aus Bezzano wollen. Sehr gerne. Die Zubereitung dauert aber ewig. Zuerst muss sie in ihr daneben liegendes zu Hause gehen, um Brot zu holen. Als sie nach einigen Minuten zurück ist, braucht sie sicher noch mal fünf Minuten, um Käse und Wurst zu schneiden. Schließlich stehen wir mit massiven Brotstücken und sehr grob geschnittenen, aber guter Wurst und gutem Käse da. Auf die Frage, ob wir einen Cappuccino wollen, antworte ich wider besseren Wissens mit ja. Erneut muss sie nach Hause Milch aus Sardinien holen. Danach schaltet sie die große Kaffeemaschine in der Bar an, was irgendwie nur durch kräftiges Hinhauen auf die Maschine funktioniert. Nach zehn Minuten kriegen wir lauwarmen Kaffee mit Milch.
Als wir weitergehen, sammelt die Verkäuferin aber doch noch viele Pluspunkte bei uns. Wir sind schon einige hundert Meter von ihrem Geschäft entfernt, als sie uns mit Birgits Sonnenhut nachläuft. Sie hatte den etwas überdimensionierten Hut – Birgits unverzichtbare Superwaffe gegen UV-Strahlung – vor dem Geschäft liegen gelassen.
Es wird anstrengend. Die Höhenmeter summieren sich. 1150 Meter werden bis zum Abend zusammenkommen. Bald schon, in Bazzano Superiore, finden wir einen Pausenplatz und nutzen ihn auch. Im Garten gegenüber sind drei Hunde, die nicht bellen, aber uns durch den Zaun neugierig beobachten. Plötzlich ist der süßeste der drei bei uns und bettelt nach Essen, lässt sich knuddeln und verbreitet gute Stimmung. Seine beiden Freunde schauen uns verdutzt zu. Er muss einen Schleichweg aus dem Grundstück kennen, der den beiden anderen nicht bekannt ist. Als wir gehen, findet er schnurstracks wieder seinen Weg zurück in den Garten zu seinen beiden Freunden.
Wir kämpfen uns weiter nach Eggi und dann nach Spoleto. Und der Weg zieht sich. Wir kommen irgendwann in Spoleto die Sotto an, müssen aber nach Spoleto di Sopra. Vorbei und über die Via Flaminia, am Friedhof und immer weiter Richtung Altstadt. Unsere Augen erblicken eine Rolltreppe. Ist die Nutzung einer Rolltreppe Schummeln? Egal. Wir nehmen sie, fahren damit rauf zum Dom und schaffen es zur Piazza Mercato, wo Felicia uns erwartet. Sie zeigt uns die Wohnung direkt im Zentrum, die sie uns gegen ein Donativo zur Verfügung stellt.
Eine tolle Unterkunft mit Küche und allem was man so braucht, mitten in bester Lage.
Wir machen noch eine kleine Runde in der Stadt. Für mehr haben wir leider keine Energie mehr, aber Spoleto wäre einen ganzen Ruhetag wert. In einem Lebensmittelgeschäft kaufen wir noch Ravioli und Parmesan und genießen in der Wohnung unser wohlverdientes Abendessen.
Unterkunft: Spoleto Why Not
Donnerstag, der 2. April / Spoleto – Ferentillo
28,91 Km / 849 m Anstieg / 998 m Abstieg
Vorbei am Dom und an der Rocca de Albornoz gehen wir über die Ponte delle Torri. Sie steht an der Stelle, wo früher ein römisches Aquädukt den immergrünen Berg, auf dem unser Zwischenziel Monteluco ist, mit Spoleto verband, um ein tief einschneidendes Tal zu überwinden. In der heutigen Form gibt es die Brücke seit dem 14. Jahrhundert. Sie beeinflusste aufgrund ihrer Größe und Schönheit zahlreiche Künstler, und so widmete schon Goethe ihr eine Seite in seiner italienischen Reise. Birgit hat Höhenangst, und findet keinen Gefallen an meinen Ausführungen. Wichtig ist ihr nur, das ganze schnell hinter sich zu bringen.
Danach geht es sehr steil auf einem alten Weg hinauf zum Monteluco, zu einem Franziskanerkloster. Wir besichtigen es und sind vor allem von den beklemmend kleinen Klosterzellen beeindruckt.
Einige Stunden geht es nun mal auf und mal ab durch die Berge Umbriens. Der Pfad verläuft entlang einer Bergflanke. Und irgendwann sehen wir auf eine Stein, der mit roter Farbe beschriftet ist, dass in 500 Meter in einer kleinen Antoniuskapelle Kaffee und ein Gespräch mit Mario, dem Eremiten gibt. Mehrere Schilder säumen den Weg zur Kapelle: “Wenn ihr nur gekommen seid, um in Hast einen Stempel zu holen, dann kehrt gleich wieder um” steht auf einem davon. Wir sind schon sehr gespannt, da Stefan, ein Freund von uns, der letztes Jahr hier war, uns einen Besuch bei Mario empfohlen hat. Bei der Kirche angekommen, klopfe ich an die Tür und wecke Mario. Er nimmt uns das nicht übel und bittet uns hinein. Mario erzählt uns die Geschichte der Antonius Abbas gewidmeten Kapelle. Etwas unterhalb der Kapelle liegt das verlassene und mittlerweile verfallene und überwucherte Dorf Sensati. Die Kapelle war die Dorfkirche. Sie wurde als einzige renoviert und ist somit noch recht gut erhalten. Mario ist während des Pilgerns am Franziskusweg hier vorbeigekommen und hat sein Zelt beim Dorfbrunnen aufgestellt. Sechs Monate lang. Danach bekam er von den Mönchen, denen die Kapelle gehört, die Erlaubnis, in der Kapelle zu wohnen, wenn er sie für Besucher offen hält. Und so lebt er hier als Einsiedler. Das Leben ist hart hier. Keine Straße führt her. Alles, was er zum Leben braucht, muss er zu Fuß und mit dem Rucksack transportieren.
Nachdem wir einen Kaffee getrunken und seiner Geschichte gelauscht haben, machen wir uns an den langen Abstieg nach Pontuglia und erreichen bei Ceselli den Fluss Nero. Diesem folgen wir nun durch ein beengendes und vielleicht auch durch die Wolkendecke düster wirkendes Tal bis zu unserer Unterkunft in Ferentillo.
Sehr müde schaffen wir es nur noch einmal raus zum Supermarkt zu gehen, um uns ein Abendessen und Snacks für Morgen zu kaufen.
Unterkunft: B&B Il Borgo
Freitag, der 3. April / Ferentillo – Piediluco 20,44 km
348 m Anstieg / 242 m Abstieg
In aller Ruhe essen wir um 7:30 Uhr unser Frühstück. Wir haben viel Zeit, da unsere Etappe mit 18 Kilometern und 270 Höhenmetern sehr überschaubar ist. Und noch etwas positives gibt es zu berichten: Nachdem wir jetzt 8 Tage Schlechtwetterlage in Italien hatten, kommt endlich wieder der Frühling zurück. Die Sonne scheint und der Himmel ist blau. Dass die Etappe nahezu den ganzen Tag Flussläufen (Nero und Velino) auf einfachen Kieselwegen folgt ist eine Abwechslung und Erholung zu den gestrigen Bergpfaden.
In Arrone besuchen wir die Chiesa Parrocchiale di Santa Maria Assunta mit ihren schönen Fresken und trinken einen Kaffee. Fünf Kilometer weiter in Marmore machen wir eine Mittagspause, und kurz vor Piediluco machen wir nochmal Pause.
Trotz des gemütlichen Tempos und der vielen Pausen sind wir schon um 15.00 Uhr bei der Pfarre Piediluco neben der Chiesa di San Francesco und beziehen unsere Betten in der Pilgerherberge. Piediluco heißt auch der See, an dem der Ort liegt.
Am späten Nachmittag erreicht noch ein deutsches Pilgerpaar die Herberge. Sie kommen von der Gegenrichtung, und erzählen uns, dass es morgen wieder anstrengend werden wird, da wir wieder auf über 1000 Meter hinauf müssen.
Wir sehen bei einem Abendspaziergang in der Ferne malerische verschneite Berge. Der Gipfel des Monte Termillino im Latium, welches wir morgen erreichen werden.
Beim Spaziergang essen wir zur Vorspeise eine Pizzaschnitte (ich) und ein Arancino (Birgit) sowie jeder von uns ein kleines Eis, bevor ich am Abend in der Herberge noch einmal Nudel koche. Wandern macht hungrig. Nach all dem Essen bricht dann – als ich mich hineinlege – mein Bett zusammen, was hoffentlich nicht am Essen liegt, sondern an dem verrosteten Klappgestell.
Unterkunft: Herberge der Pfarre Piediluco
Samstag, der 4. April / Piediluco – Poggio Bustone 25 km
1007 m Anstieg / 588 m Abstieg
Wir wandern zuerst entlang des Piediluco-Sees und passieren das olympische Trainingszentrum der italienischen Ruderer.
Nach einer Weile wird der Weg immer steiler und die Sonne kommt raus. Als wir das alte Waschhaus kurz vor dem Ort Labro erreichen, müssen wir eine Schicht Kleidung ausziehen. Endlich kann ich wieder kurzärmlig wandern.
Bei der Porta Cavour lernen wir einen Mann kennen, der sich später als „Barba‟ vorstellen wird. Er hat einen Bund wilden Spargel bei sich und ich frage ihn, wo er den gefunden hat. Nachdem er mir erzählt, dass er ihn aus dem Wald unter dem Dorf hat, und wie er den Spargel zubereitet, lädt er Birgit und mich zum Kaffee ein. Seine Familie besitzt seit Generationen zwei Steinhäuser in Labro und er könne uns seines gerne zeigen. Wir nehmen die Einladung gerne an und Barba sperrt mit einem museumsreifen Eisenschlüssel ein Gartentor auf. Dahinter verbirgt sich ein etwa 50 m2 großer Garten mit Wein, Kirsche und Zwetschke. Von draußen nicht vorstellbar, hat man vom Garten einen Ausblick auf den weit unten liegenden Piediluco-See. Im Haus gibt es einen großen, in den Felsen gehauenen Keller, ein unrenoviertes Parterre und darüber noch mal zwei renovierte Stöcke mit je zwei Schlafzimmern und einem Bad. Beim Kaffee erzählt uns Barba, dass eigentlich nur noch ein Herr ganzjährig in Labro wohnt. Für uns schwer vorstellbar, da die meisten Häuser sehr schön renoviert sind und heute auch nicht so wenig in den Gassen los ist. Aber die Häuser werden nur noch als Ferienwohnungen genutzt und jetzt, in den Osterferien, ist etwas mehr los. Nachdem wir uns von Barba verabschiedet haben, gehen wir noch kurz durch den Ort, vorbei am Castello Nobili Vitelleschi und der Pfarrkirche Santa Maria del Rosario, in die wir einen Blick werfen.
Weniger steil als bis Labro, aber doch im fast ständigem Anstieg gehen wir zuerst weiter bis Morro Reatino, wo wir neben einem Brunnen eine vorgezogene Mittagspause einlegen. Dann geht es immer weiter in die Wälder hinein bis auf 1050 Metern Seehöhe zum Faggio di San Francesco. Hier stehen eine etwa 250 Jahre alte Buche und eine Franziskuskirche.
Ab jetzt geht es entlang der Berge Richtung Poggio Bustone, und irgendwann haben wir unter uns das Rieti Tal im Blick. Kaum vorstellbar, dass das ganze Tal mal ein See war, den die Römer im 3. Jahrhundert v. u. Z. entwässert haben. Und zwar mittels der künstlich angelegten Cascate Marmore, an denen wir gestern vorbeigegangen sind.
In der Geburtsstadt des berühmten Musikers Lucio Battisti angekommen, beziehen wir unser Zimmer. Eine holländische Pilgerin übernachtet auch hier. Gemeinsam essen wir in der zur Herberge gehörenden Trattoria. Ich wundere mich zuerst über die sehr gesalzenen Preise, sowohl der Unterkunft als auch des Essens, bemerke aber dann, dass ich in meinem Unterkunftsverzeichnis die Nummer für die Reservierung aus einer falschen Spalte kopiert habe. Ich habe in einer der teuersten Unterkünfte der Liste anstelle einer günstigen gebucht und auch den Fehler gemacht, beim Buchen nicht nach dem Preis zu fragen.
Na ja, Lektion für nächstes Mal gelernt.
Unterkunft: B&B Locanda Francescana
Sonntag, der 5. April / Poggio Bustone – Rieti 21,26 km
387 m Anstieg / 702 m Abstieg
Auf jede Begegnung folgt heute auf das übliche Buongiorno auch ein Buona Pasqua. Es ist Ostersonntag, und das wird in Italien groß gefeiert. Es gibt Schokoladeneier in allen Größen, Pizza di Pasqua und man trifft sich mit der Familie. Ein Restaurant, das etwas auf sich hält, bietet abends ein mehrgängiges Ostermenü an.
Am Ortseingang von Cantalice finden wir eine offene Bar, und es ist wahrscheinlich die einzige bis zu unserem Etappenziel in Rieti. Also gehen wir rein und bestellen unseren Lieblings-Pausenkaffee, einen Macchiato. Elsa aus Holland holt uns hier ein und trinkt noch einen Cappuccino mit uns. Sie ist schon wieder weg, als wir noch gemütlich unsere Rucksäcke schultern. Die Stadt über uns wirkt, als hätte man sie nahezu senkrecht an einen Felsen gehauen. Wir gehen also wieder mal steil hinauf zur Kirche San Felice.
Oben angekommen, finden sich schon die ersten Gläubigen zur Ostermesse ein. Wir werden von einem Priester angesprochen, und er nimmt uns mit in die Kirche, um uns einen Stempel für unsere Credenziale zu geben.
Wieder am Weg beobachten wir, wie sich Autos in eigentlich nicht vorhandene Parkplätze zwängen, um so nah wie möglich bei der Kirche zu parken.
Ab jetzt läuft die Etappe entlang eines Hügelrückens. Wenn wir nach rechts blicken sehen wir in die Valle di Rieti. Wenn wir nach links blicken, sehen wir die schneebedeckten Berge des Terminillo. Hier befindet sich ein bei den Römern sehr beliebtes Wintersportgebiet. Der Berg steht auch in Zusammenhang mit einem tragischen Flugzeugabsturz. Ein Flugzeug mit 29 Personen an Bord, unter anderem der erst 19jährigen Schauspielerin Marcella Mariani, prallte in den Berg und alle Passagiere starben. In einer Kapelle am Weg wurde ein kleines Museum zur Erinnerung an das Unglück eingerichtet, welches wir leider geschlossen vorfinden. Es gibt dort einen schönen Garten mit einer Sitzbank, die sich für eine Mittagspause hervorragend eignet.
Weiter beim Santuario La Felice dell'Acqua, nur ein paar Kilometer später, ist schon wieder eine kleine Pause fällig. Diesmal weil eine süße Katze uns umgarnt. Ich habe Katzensnacks im Rucksack, und so mache ich mich bei der Katze beliebt.
Am Weg zum Santuario Santa Maria della Foresta, einer vom heiligen Franziskus gegründeten Einsiedelei, holt uns Eva, eine Wanderin aus Deutschland, ein. Sie ist ebenfalls auf dem Weg nach Rom. Gemeinsam gehen wir bis Rieti, dem Zielort unserer heutigen Etappe.
Wir treffen uns am Abend mit Eva und gehen gemeinsam Essen. Rieti hat einen sehr pulsierenden Kern rund um den Velina Fluss bei der Römerbrücke. Dort finden wir ein Lokal und gönnen uns Supplís, Cavoletti, Pizzen und Eis. Morgen werden wir den Tag in Rieti verbringen, um uns für den letzten Abschnitt auszuruhen.
Unterkunft: B&B La Camelia
Montag, der 6. April / Ruhetag in Rieti
Unser B&B bietet kein Frühstück im Haus an, sondern gab uns gestern Bons für ein Frühstück in einer Bar. Für den Bon gibt es einen Cappuccino und ein Cornetto. Um acht Uhr lösen wir den Bon ein und schlendern anschließend ins Stadtzentrum, welches um diese Uhrzeit wie leergefegt wirkt. Außer uns ist nur noch eine Person unterwegs: Eva – die Wanderin, die wir gestern kennengelernt haben. Wir gehen gemeinsam zum Supermarkt am Bahnhof. Von diesem wussten wir mit Sicherheit, dass er am Ostermontag um neun Uhr aufsperrt. Gestern haben wir Eva erklärt, was eine Colomba di Pasqua ist, da ihr bisher die Paletten voller Colombe in den Supermärkten nicht aufgefallen sind. Es gibt heute, nach Ostern, das Angebot "Nimm Zwei zahl Eins", und da schlagen wir gemeinschaftlich zu.
Eva fährt heute nach Greccio, um das dortige Santuario zu besuchen. Wir wollen uns so viel wie möglich ausruhen. Wir machen, nachdem wir zu Mittag die halbe Colomba vernichtet haben, noch einen Stadtspaziergang. Leider hat die Kathedrale Santa Maria Assunta, die ich besichtigen möchte, bis 16 Uhr geschlossen. Auch sonst ist alles wie ausgestorben. Wir finden dann doch noch eine Bar, die offen hat und gönnen uns einen Affogato, eine Eis-Espresso-Melange Mischung.
Um 17:45 höre ich von unserem B&B Zimmer aus die Glocken der nicht weit entfernten Kathedrale, und beschließe, die Gelegenheit zu nutzen. In der Kathedrale findet eine Ostermontagsandacht statt, und anschließend ein Kirchenkonzert, mit teils seit dem 17. Jahrhundert nicht mehr gespielten Werken, die der Maestro aus den Tiefen des Archivs der Kathedrale zu Tage gefördert hat.
Ich überrede Birgit, nach der Messe zum Konzert zu kommen. Obwohl sie den Ruhetag lieber anders gestaltet hätte, kommt sie doch noch zum Konzert und wir erleben einen schönen Konzertabend.
Danach geht es wieder in Unterkunft und wir nutzen die Gemeinschaftsküche, um uns noch Pasta zum Abendessen zu kochen.
Unterkunft: B&B La Camelia










































































































































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