top of page

Via di Francesco del Sud 2026/Teil 2 von Rieti bis Rom

  • vor 2 Tagen
  • 8 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 1 Tag


‎⁨Poggio Moiano⁩, ⁨Latium

Dienstag, der 7. April / Rieti – Poggio San Lorenzo 23,44 km

442 m Anstieg / 330 m Abstieg


Nach unserem Frühstück (Cappuccino, Caffè Macchiato, Cornetto) machen wir uns bei blauem Himmel auf den Weg raus aus der Stadt. Wir wandern durch die historische Kulturlandschaft Sabina, und viele Ortsnamen und Toponyme erinnern uns daran: Torricella in Sabina, Monteleone Sabino, Monti Sabini. 


Wir kommen schnell voran. Zum Einen sind wir von unserem Pausentag erholt, zum Anderen ist die Strecke einfach zu gehen. Nach 10 Kilometern machen wir auf einer Betonabgrenzung eine Pause und essen an unserer Colomba di Pasqua weiter. Es schaut so aus, als könnten wir zu zweit so einen ganzen Osterkuchen innerhalb von 24 Stunden verspeisen. Der Weg führt weiter Richtung Süden und geht 500 Meter am Dorf Ornaro Basso vorbei. Ich kann auf meiner Karte erkennen, dass es hier ein kleines Lebensmittelgeschäft gibt. Wir nehmen den Umweg in Kauf, da wir nur Süßes dabei haben. In einem kleinen Alimentari macht uns eine Frau, die schon seit etlichen Jahren das gesetzliche Rentenalter überschritten hat, zwei wunderbar duftende Mortadellapannini, die wir gemeinsam mit einem Softdrink und einem Joghurt als Dessert auf einer Parkbank mit Blick auf die Sabiner Landschaft genießen.


Jetzt wird der Weg hügeliger. Es geht durch Wälder und ein Feuchtgebiet. Erste Mücken schwirren herum, und ich kann mir vorstellen, dass es hier derer später im Jahr wesentlich mehr geben wird.


Wir passieren das Gelände eines Klosters und erreichen schon vor 15 Uhr den kleinen Ort Poggio San Lorenzo. Hier gibt es mitten am kleinen Hauptplatz eine Pilgerunterkunft, mit allem was das Herz begehrt: Küche mit Lebensmitteln, inklusive Kaffee. Ein kleines Frühstück ist auch da. Es gibt eine Waschmaschine, die wir, nachdem wir geduscht haben, anwerfen. Das erste Mal nach drei Wochen mit Waschmaschine gewaschene Wäsche fühlt sich herrlich an.


Am späten Nachmittag klingelt es an der Herbergstür. Ich laufe aus dem ersten Stock schnell runter und öffne die Tür: Wer steht da? Eva. Wir freuen uns, sie wieder zu sehen. Am Abend kochen wir in der Herbergsküche Pasta. Als wir mit dem Essen fast zu Ende sind, trifft noch eine neue Gästin ein – Christin. Ich kenne Christin von Instagram. Ich bin ihr vor zwei Jahren auf Instagram gefolgt, als sie nur ein paar Wochen nach mir das Baltikum auf den Jakobswegen durchquert hat. Dann hörte ich lange Zeit nichts mehr von ihr, bis in meinem Feed vor ein paar Tagen wieder eine Story aufpoppte, in der Christin erzählte, dass sie jetzt den Franziskusweg von Rom starten würde. Und nun treffen wir uns hier, in einem kleinen Dorf im Latium. Wir sitzen noch eine Zeit lang zusammen und erzählen uns Geschichten von unseren Abenteuern, bis wir müde werden und uns schlafen legen.


Unterkunft: Casa del Pellegrino


Mittwoch, der 8. April / Poggio San Lorenzo – Ponticelli Sabino 24,36 km

762 m Anstieg / 897 m Abstieg


Ich stehe um 6:30 Uhr auf, schleiche mich in die Herbergsküche und setze einen Kaffee auf. So leise wie ich gedacht habe, war ich aber wohl nicht, da in den nächsten Minuten die gesamte Wandergesellschaft in der Küche sitzt und frühstückt.


Christin ist Richtung Norden unterwegs, und Eva wird nach 15 Kilometern eine Alternativroute einschlagen. Deshalb machen wir noch ein Abschiedsfoto und Birgit und ich gehen los. Nachdem wir den Hügel, auf dem Poggio San Lorenzo erbaut ist, abgestiegen sind und schon halb am Anstieg auf den Nächsten sind, erhält Birgit von Eva die Nachricht, dass wir unseren Stoffbeutel mit Lebensmitteln in der Herberge liegen lassen haben. 


Wir vereinbaren, dass wir auf Eva warten. So treffen wir sie kurz nach Monteleone Sabina wieder. Monteleone liegt eigentlich noch nicht offiziell am Weg, aber wir haben es irgendwie geschafft, einer provisorischen Markierung zu folgen.


Wir gehen dann noch gemeinsam bis Poggio Moiano. Hier gibt es eine schöne Donativo Herberge, von der ich nur Gutes gelesen habe. Zwei junge Männer sind gerade am Reinigen und zeigen uns die Herberge. Sie lassen uns im Garten unsere Jause essen und bringen uns auch noch Kaffee.


Eva schlägt jetzt ihr normales Tempo ein und zieht damit locker von uns weg. Wir müssen noch einmal steil in ein Tal mit seinem Bächlein runter und auf der nächsten Seite rauf, bevor die Auf- und Abstiege etwas gemäßigter werden.


Ein paar Kilometer vor unserem Etappenziel kommen wir an einer Schafherde vorbei, die von drei Maremmano Abbruzzese bewacht wird. Sie laufen bellend auf uns zu, geben uns zu verstehen, dass wir uns der Herde nicht näher als unbedingt nötig nähern sollen, und legen sich danach wieder genüsslich in den Schatten.


Schlussendlich erreichen wir, vorbei an Oliven- und Obstbäumen gehend, Ponticelli. Wir kehren in eine Bar ein, dessen Betreiber Riccardo überraschenderweise auch unser Gastgeber ist. 


Am Abend sind wir bei Riccardo und Gabriela im Hinterzimmer der Bar auf ein Abendessen eingeladen. Es gibt Orecchiette mit Zucchini und wildem Spargel, Kartoffeln, eingelegte Zichorie, Kartoffel und Mozzarella. Riccardo gehört einem Verein an, der sich um einen Teil des Franziskuswegs kümmert. Er erzählt von der Arbeit des Vereins. Wie viel Geduld es braucht, um für bestimmte Wegabschnitte die Anrainer zu überzeugen, oder wie die Markierungsarbeiten ablaufen. Er erzählt mir auch, dass viele Gemeinden jetzt, wo der Weg erfolgreich ist, möchten, dass die Route bei ihnen vorbeiläuft. 

Wir erleben einen schönen Abend bei herzlichen Menschen.


Unterkunft: Da Riccardo


Donnerstag, der 9. April / Ponticelli – Rifugio di Noi (5 km vor Monterotondo) 23,46 Km

507 m Anstieg / 736 m Abstieg


Zum Frühstück gibt es Kaffee und Kekse in der Pilgerherberge. Bevor es wirklich weitergeht, drehen wir noch eine kleine Runde im mittelalterlichen Ortskern von Ponticelli. Dabei beobachtet uns ein Mann vom Außenbereich einer Bar. Er will uns auf den rechten Weg schicken. Ich erkläre ihm, dass wir uns zuerst den Ort noch etwas anschauen wollen. Nach der kleinen Runde gehen wir in die Bar auf einen Caffè Macchiato und plaudern ein wenig mit dem Mann. Er erzählt uns, dass er vor 50 Jahren in Wien auf Hochzeitsreise war. Er wusste sogar noch, in welchem Viertel er war, nämlich in Grinzing. 


Am Weg werden die Hügel immer niedriger, und die Landschaft öffnet sich vor uns mit weiten Ausblicken Richtung Rom. Manchmal glaube ich, Gebäude in Rom zu sehen, bin mir aber nicht sicher, ob das überhaupt sein kann. Ich finde endlich selbst wilden Spargel, nach dem ich seit Tagen immer wieder Ausschau halte. Birgit nimmt am Weg Rosmarin und Olivenzweige mit, und ich koste ein paar essbare Blüten. Hoffentlich funktioniert die Pflanzenbestimmung mittels Smartphone immer einwandfrei.


Zwei Pausen legen wir ein. Einmal bei einem Supermarkt in Acquaviva, und einmal bei einem Wanderpausenplatz bei Montelibretti.


Die letzten Kilometer verlaufen auf einer asphaltierten Straße. Die Sonne brennt runter und es ist auf der schattenlosen Strecke schon sommerlich heiß. Um 15.00 Uhr erreichen wir dann einen Bauernhof, bei dem die Herberge “Il Rifugio di noi” ist. In einem Bungalow neben dem Haupthaus ist eine schöne Wohnung für Pilger. Es gibt einen großen Aufenthaltsbereich mit Küche, ein Schlafzimmer und ein Bad. Simona und Filippo leiten den Hof und die Herberge.


Unterkunft: Il Rifugio di Noi


Freitag, der 10. April / Rifugio di Noi – Montesacro 33,17 Km

506 m Anstieg / 564 m Abstieg


Die Vermieterin erzählt mir am Morgen, dass sie gestern nach dem Abendessen noch zu uns schauen wollte, um uns zu sagen, dass die vier Stück Erdbeertorte im Kühlschrank für uns sind. Da aber alle Lichter schon aus waren, ging sie (richtigerweise) davon aus, dass wir schon früh ins Bett gegangen sind.


Das bedeutet aber auch, dass es heute Kuchen zum Frühstück gibt! Wir lassen uns viel Zeit, da wir im etwa fünf Kilometer entfernten Monterotondo nicht vor 9:30 Uhr sein sollten. Um die Zeit öffnet nämlich dort das Buchgeschäft Cartacanta. Und hier wurde für uns eine DVD über den Franziskusweg im Latium hinterlegt, von der mir Riccardo erzählt hat.


Wir lassen uns so viel Zeit, dass wir erst um 10.30 Uhr in Monterotondo sind. Monterotondo gehört mit seinen 40.000 Einwohnern schon zur Metropolregion Rom. Es ist hektisch hier. Lieferanten beliefern die Kaffees und Restaurants in der Altstadt und haben dabei keine andere Möglichkeit als alles zu blockieren. Zwischen hupenden Autos schlängeln wir uns an Lieferwagen vorbei, immer Gefahr laufend, von anderen Verkehrsteilnehmern überfahren zu werden. Die Zebrastreifen muss man mutig in Angriff nehmen. Zaudern wird durch ignorieren bestraft. Es ist schwierig mit dem Wanderrucksack in einen Flow zu kommen um durch das Chaos zu tänzeln. Aber wir schaffen es zum Buchgeschäft und dann auch lebend raus aus der Stadt.


Dann wird es wieder ruhig. Wir gehen vorbei an landwirtschaftlichen Flächen und erreichen schließlich die bewirtschaftete Riserva Naturale della Marcigliana. Hier gibt es jede Menge Tafeln und strenge Verhaltensregeln. Anwohner haben hier lange Zeit versucht, den Franziskusweg zu blockieren. Rechtlich war das aber nicht haltbar, und so ist der Durchgang mittlerweile problemlos, obwohl einem durch die ganzen Verbotsschilder für drei Kilometer der Eindruck vermittelt wird, unerwünscht zu sein. 


Raus aus der Riserva betreten wir den Stadtrand von Rom. Es ist vorbei mit der Ruhe. Der Lärm ist fürchterlich, die Luft riecht nach Abgasen. Die letzten acht Kilometer wollen wir einfach nur noch ankommen.


In Montesacro angekommen, empfängt uns Gherardo Dino Ruggiero in seiner kleinen Pilgerwohnung. Dino ist Schauspieler und Regisseur, aber eben auch Mitglied des Franziskusvereins im Latium. Er gibt uns noch ein paar Besichtigungstipps für Morgen und dann können wir endlich entspannen. Wir gehen nur noch mal raus, um Lebensmittel zu kaufen und lassen den Abend in Ruhe ausklingen.


Unterkunft: Bei Dino


Samstag, der 11. April / Montesacro – Petersplatz 14,55 Km

74 m Anstieg / 70 m Abstieg


Wir verlassen Dinos Wohnung um acht Uhr und machen uns auf die letzte Etappe. Ein Stadtspaziergang bis zum Petersplatz. Der Weg durch Rom ist weniger laut als üblich, da es jetzt, am Samstagmorgen, auch in dieser lebhaften Stadt etwas ruhiger zugeht.


Der Weg verläuft hauptsächlich auf Radwegen. Fahrräder sind kaum welche unterwegs, und vor Autos sind wir hier auch sicher. Das letzte Stück geht die Via di Francesco am Tiber entlang. Hier entscheiden wir uns aber dann doch den Radweg zu verlassen und durch belebtere Straßen zu gehen. So besuchen wir noch kurz die Bar im Maxxi Museum und den Mercato Flaminio II. Auf der Via Ottaviano kurz vor dem Petersplatz beginnen dann die Touristenströme. Wir manövrieren uns durch. Am Petersplatz sprechen wir einen Sicherheitsbediensteten des Vatikan an, der uns vorbei an der Schlange der Petersdombesucher schleust und zu dem Eingang führt, wo zwei Freiwillige uns empfangen und uns das Testimonium ausstellen. Nach der Romea Strata ist dies schon unser zweites.


Es ist erst Mittag, aber unser Gastgeber hat sich schon erkundigt, wo wir sind. Ich schreibe zurück, dass wir im Vatikan sind und in einer Stunde den Schlüssel abholen könnten. Wir nehmen den Bus der Linie 64, zahlen ganz einfach mit Tap-and-pay und gelangen so schon um 13.00 Uhr zu unserem Guesthouse. Zuerst sind wir skeptisch, da wir unseren Schlüssel in einer Tabaktrafik abholen sollen. Unsere Skepsis steigert sich, als wir sehen, dass in dieser Straße Nahe des Bahnhofs Termini in jedem Haus gleich mehrere Hotels untergebracht sind, aber der Eigentümer ist freundlich und das Zimmer sehr schön.


Am Nachmittag fahren wir dann noch in den vier Kilometer entfernten Decathlon. Ich brauche eine Isomatte, eine Gaskartusche sowie ein T-Shirt, da ich gestern eines in der Unterkunft vergessen habe.


Zu Fuss gehen wir dann in unsere Unterkunft zurück. Am Abend gibt es als Abschluss unserer erfolgreichen Wanderung von Assisi nach Rom noch eine Pizza.


Der Weg hat uns gut gefallen. Diese Mischung aus Kulturwanderung und Natur im Apennin ist meiner Meinung nach einzigartig, und eine gute Mischung für alle, die sowohl naturnahes Wandern mögen, dabei aber auch die Kultur der durchwanderten Regionen Umbrien und Latium kennen lernen möchten.


Unterkunft: Easyrome Guesthouse


Sonntag, der 12. April / Ruhetag in Rom

Am Morgen finden wir direkt gegenüber unseres Guesthouses eine nette Bar mit ausgezeichnetem Cornetto und Cappuccino. Nachdem wir uns gestärkt haben, beginnen wir unseren Stadtspaziergang nach Trastevere. Unser Ziel ist die Basilica di San Francesco della Ripa. Die Idee, dort hinzugehen, stammt von Dino, unserem Gastgeber in Montesacro. Er erzählte uns, dass Franziskus bei seinem Romaufenthalt 1219 hier in einem Hospiz schlief. Am Weg dorthin kommen wir an allerhand Sehenswürdigkeiten vorbei: An dem von Michelangelo zur Kirche Santa Maria degli Angeli e Martiri umgestalteten Frigidarium der Diokletiansthermen, der Piazza della Repubblica, der Piazza Foro Traiano mit der Colonna Traiana und dem Monumento a Vittorio Emanuele II.


Danach fahren wir mit dem Bus von Trastevere zurück nach Termini. Ich schaue am Nachmittag das Tennisfinale von Montecarlo bei dem Jannik Sinner gegen Carlos Alcaraz spielt, und von Jannik gewonnen wird, während Birgit unermüdlich weitere Runden durch die ewige Stadt dreht.


Unterkunft: Easyrome Guesthouse




Kommentare


bottom of page