Neufundland – acht Etappen East Coast Trail von Topsail Beach bis Petty Harbour

Einleitung East Coast Trail
Der East Coast Trail verläuft auf 335 Kilometern im äußersten Osten Neufundlands. Die Insel Neufundland ist Teil der kanadischen Provinz Neufundland und Labrador und liegt vor der Nordostküste Nordamerikas im Atlantischen Ozean. Mit 4,5 Einwohnern pro Quadratkilometer (rund 480.000 Personen auf 108.806 Quadratkilometer) ist die Region für kanadische Verhältnisse moderat besiedelt. Der Vergleich mit Österreich verdeutlicht jedoch die enorme Wildnis. Österreich ist mit 83.833 km2 kleiner, hat aber 9,2 Millionen Einwohner (110 Einwohner pro Quadratkilometer).
Der Wanderweg verläuft auf der Halbinsel Avalon Topsail Beach bis Cappahayden. In diesem Teil Neufundlands, auch St. John's, die Hauptstadt der Provinz. Der Trail führt direkt durch die Stadt, die sich ideal als Ausgangspunkt für die Logistik eignet.
Die menschliche Besiedlung Neufundlands durch Menschen begann vor rund 6000 Jahren durch die First Nations. Shanawdithit, die letzte Überlebende der Beothuk, starb 1829 in St. John’s an Tuberkulose – nur wenige Jahre nachdem ihr Vater auf der Flucht vor weißen Siedlern im Eis eingebrochen und ertrunken war. Heute leben mit den Qalipu und den Miawpukek nur noch zwei Stämme der Mi'kmaq auf der Insel.
Europäische Seefahrer erreichten die Küsten schon früh: Im 11. Jahrhundert landeten hier die Wikinger. Nach der Wiederentdeckung Neufundlands im Jahr 1497 durch John Cabot begann von hier im 16. Jahrhundert die Expansion des British Empire.
Ab Mitte des 18. Jahrhunderts folgten mehrere große Einwanderungswellen aus Irland und England, Schottland und Skandinavien, bevor sich Neufundland 1949 vom Empire löste und die 10. Provinz Kanadas wurde.
Die Geschichte des Trails begann 1994, als ein kleiner, 25 Kilometer langer Teil eröffnet wurde. Er wuchs über die Jahre weiter, bis im Jahr 2022 die derzeitige Strecke vollständig errichtet wurde. Die Förderung von nachhaltigem Tourismus und öffentlicher Zugang zu den Küstenpfaden waren einige der Gründe, weswegen sich ein engagiertes Team für diesen Weg einsetzte. Der Weg ist technisch anspruchsvoll und das unberechenbare Wetter kann die Bedingungen extrem erschweren.
Wir planen deshalb nur kurze Etappen, müssen oft im Zelt übernachten und für ca. vier Tage Proviant mitnehmen. Es ist sicherlich die abenteuerlichste unserer bisherigen Reisen. Falls es uns zu anspruchsvoll wird, sind wir jederzeit bereit, den Plan zu ändern, uns eine Unterkunft zu nehmen und den Trail in Tagesetappen mit leichterem Gepäck fortzusetzen.
Freitag, 24. Juli 2026 / Topsail Beach – Beachy Cove / 18 km
Pünktlich um 8:30 Uhr holt uns Howard bei unserer Unterkunft, dem Gästehaus der Memorial University, ab. Howard bringt schon seit Jahren Wanderer verlässlich und günstig zum Trail und holt sie auf Wunsch auch wieder ab, egal wo man gestrandet ist.
Kurz nach neun Uhr stehen wir dann am Start des Weges. Ich habe in meinem Rucksack Essen für zwei Personen für vier Tage. Dementsprechend schwer ist er. Der Pfad führt meist knapp an Klippen entlang, über Wurzeln und Steine geht es steil rauf und runter. Wir gehen bewusst langsam, um uns an das ungewohnte Rucksackgewicht zu gewöhnen und nicht aus der Balance zu kommen. Wir kommen langsam, aber stetig voran und erreichen um 12:30 Uhr St. Philip's, eine kleine Community am Weg. Wir sehen eine kleine Fischerhütte mit ein paar Bänken. An einer Mauer hängen aus angeschwemmtem Holz geschnitzte Wanderstöcke mit einem Stempel des East Coast Trail, und auf der Hütte selbst ist eine Wandermarkierung. Das wirkt wie eine Einladung, hier Mittagspause zu machen. Und ich bin froh, dass ein paar Hundert Gramm Gewicht vom Rucksack in unseren Magen verschwindet.
Nach dem Essen wird die Strecke wieder technisch schwierig, vor allem der Ab- und Anstieg zum Goat Cove. Es ist sehr steil. Die Klippe runter führt eine Treppe, aber rauf muss man mit Hilfe eines Seils klettern. Mit dem zusätzlichen Gewicht am Rücken eine Herausforderung für uns. Nach dieser Schlüsselstelle trennen uns nur noch eineinhalb Kilometer von unserem Tagesziel: Eine kleine, geschützte Wiese kurz vor einer weiteren Schlucht, auf der gerade genug Platz für unser Zelt ist.
Ich gehe noch ein kurzes Stück zum Fluss beim Beachy Cove, um Wasser zu filtern, bevor wir es uns im Zelt gemütlich machen.
Die erste Etappe war anstrengend, aber absolut machbar. Das gibt uns das nötige Selbstvertrauen für die kommenden Tage, dieser Herausforderung gewachsen zu sein.
Unterkunft: Zelt bei Beachy Cove
Samstag, der 25. Juli / Beach Cove – Brocks Head Pond
Es hat die ganze Nacht geregnet, und es regnet auch jetzt am Morgen noch. Während die Tropfen unaufhörlich auf ddas Zelt prasseln, koche ich im schützenden Vorzelt Kaffee und Porridge. Als der Regen endlich in leichten Nieselregen übergeht, packen wir unsere Ausrüstung und das klitschnasse Zelt zusammen und brechen auf.
Ein mulmiges Gefühl wandert mit: Der Wanderführer stuft die folgenden Abschnitte als „strenuous“ ein – die höchste Schwierigkeit Kategorie des East Coast Trail. Bei diesem Wetter steigt die Herausforderung an uns. Vorsichtig tasten wir uns Schritt für Schritt voran. Ohnehin lässt das Terrain kein Tempo zu: Mehr als zwei bis zweieinhalb Kilometer pro Stunde sind auf diesen Pfaden kaum machbar.
Die ersten Kilometer führen uns etwas ins Landesinnere auf rund 200 Meter ü.d.M. zu einer Hügelkette, die bei schönem Wetter bestimmt einen guten Ausblick auf das Meer und Bell Island bieten würde, aber wir blicken nur auf eine dichte Nebelsuppe.
Zu Mittag erreichen wir die Gemeinde Portugal Cove. Es hört zu regnen auf und die Sonne zeigt sich. Am Ortsausgang finden wir einen idealen Rastplatz. Wir lassen uns auf ein paar Steinen nieder und zweckentfremden einen nahen Zaun, um unser Zelt und die feuchte Regenkleidung in der Sonne zu trocknen. Nachdem alles trocken ist, gehen wir zum nächsten Abschnitt des ECT, Piccos Ridge.
Wir kommen nur langsam voran, aber der Weg ist wunderschön. Immer wieder schraubt er sich auf Hügelkuppen mit Sicht auf den Atlantik rauf. Kurze Kletterpassagen und Passagen, auf denen sich das Regenwasser den Trail als Bachbett auserkoren hat, fordern unsere volle Konzentration. Wir haben seit dem Morgen nasse Füße, und sind froh, um 18 Uhr endlich Brocks Head Pond zu erreichen. Hier treffen wir noch einen jungen Mann aus Montreal, der hier sein Zelt aufgebaut hat und gerade dabei ist eine Forelle aus dem See zu fischen. Wir wünschen ihm Petri Heil und suchen einen geeigneten Zeltplatz für uns.
Unterkunft: Zeltplatz bei Brocks Head Pond
Sonntag, der 26. Juli / Brocks Head Pond – Bauline
Nach einer erholsamen Nacht setzen wir unseren Weg auf dem Piccos Ridge fort. Wieder fordert uns das schwierige Gelände und wir kommen wieder nur sehr langsam weiter. Ich bemerke, dass ich vor allem bei den Anstiegen Kreislaufprobleme bekomme, und immer wieder stehen bleiben muss. Mein Puls steigt nicht auf mehr als 90, auch bei steilen Anstiegen. Ein eindeutiges Zeichen von Überlastung. Ich habe die ersten beiden Tage zu wenig gegessen und vor allem getrunken. Also machen wir viele Pausen und ich esse regelmäßig ein paar Kekse oder Riegel und es wird langsam besser.
Die Aussichten nach Bell Island und die weite Conception Bay sind atemberaubend. Der Atem stockt uns allerdings auch bei ein paar Abstiegen, die sehr steil sind. Man kann sich mit befestigten Seilen helfen, und gute Wanderer gehen sicher auch locker ohne Seil. Wir tun uns mit unseren schweren Rucksäcken wieder sehr schwer.
Als wir schließlich Bauline erreichen, treffen wir eine Vernunftentscheidung. Mein Körper signalisiert deutlich, dass er eine Pause braucht. Obwohl wir eigentlich noch Strecke machen müssten, um morgen rechtzeitig unser reserviertes B&B zu erreichen, beenden wir die Etappe hier. Die Gesundheit geht vor. Der Plan für morgen steht bereits: Wir werden die verbleibende Distanz zum B&B entweder entlang der Straße zu Fuß zurücklegen oder per Anhalter fahren. Den verpassten Küstenabschnitt holen wir einfach übermorgen oder ganz entspannt am Ende der Tour nach.
Übernachtung: Zeltplatz am Strand von Bauline
Montag, der 27. Juli / Ruhetag in Pouch Cove
Wir Frühstücken bei der Rastbank, neben der unser Zelt steht und packen dann in aller Ruhe zusammen und gehen anschließend zur Straße, die uns ins Landesinnere führt. Schon nach fünf Minuten bleibt ein Pickup neben uns stehen und fragt uns, ob er uns wohin mitnehmen kann. Er wohnt in Pouch Cove und ist gerade am Weg dorthin. Manchmal hat man einfach Glück. Um acht Uhr sind wir schon in Pouch Cove und um neun Uhr im East Coast, wo wir bei Elke, einer deutschen Auswanderin, schon im Vorfeld eine Nacht gebucht haben. Die Sorge, dass es peinlich sein könnte oder unverschämt rüberkommt, dass wir vor der Check-In Zeit da sind, ist unbegründet. Herzlich werden wir rein gebeten und dürfen es uns im Wohnzimmer oder Garten gemütlich machen.
Wir duschen, waschen unsere Wäsche und beziehen zu Mittag unsere Zimmer. Hier herrscht reger Betrieb. Einige ECT Wanderer brechen auf, zwei Hiker aus Quebec verbringen hier ihren Ruhetag, zwei Kletterer schlafen im Van in Elkes Einfahrt, ein geschwätziger und weitgereister Workaway-Helfer aus Montreal schwirrt durch die Gegend, und eine Mitbewohnerin von Elke zieht es vor, sich dem Trubel bis zum Abendessen zu entziehen.
Am Abend gibt es gratinierten Kabeljau mit Kartoffeln und Rübengrün. Im Anschluss kommen wir in den Genuss einer Kitchen Party. Elkes Nachbar, Dan Rubin, kommt mit seinen Instrumenten vorbei und spielt für uns einige Songs aus seinem Repertoire. Dan war Gründer und Mitglied mehrerer kanadischer Bands und hat seit den 1970er viele Konzerte gegeben und Tonträger veröffentlicht.
Als Mitbegründerin des East Coast Trail versorgt uns Elke außerdem mit Insider Informationen über die Entstehung des Weges: Das Projekt startete 1994, nur zwei Jahre nach dem historischen Moratorium für den Kabeljaufischfang. Da die Bestände damals kollabierten, wurde der Fischfang komplett verboten. Die Krise traf fast jede Familie; rund 30.000 Menschen verließen damals die Insel. Der Aufbau des East Coast Trail und der sanfte Wandertourismus waren damals wegweisende Initiativen, um Neufundland neue, nachhaltige Wirtschaftszweige zu erschließen.
Unterkunft: Points East Guesthouse
Dienstag, der 28. Juli / Pouch Cove – Whirl Pool Falls
Wir Frühstücken mit dem ECT Wanderpaar aus Quebec und den zwei Kletterern und brechen anschließend auf.
Bei Nieselregen geht es zuerst durch den kleinen Ort, und dann wieder auf unseren Trail.
Es hört allmählich zu regnen auf, aber natürlich ist noch alles nass. Die Vegetation streift an den Beinen und durchnässt Schuhe und Hose, auch ohne dass es regnet. Birgit lässt aus diesem Grund vernünftigerweise den ganzen Tag lang die Regenhose an. Ich nicht, da mir darin einfach auf Dauer zu warm wird.
Ohne große Pausen steuern wir zielstrebig unser Tagesziel an. Der Wetterbericht hat für 16 Uhr die nächste Regenfront angekündigt, und wir wollen rechtzeitig einen guten Zeltplatz bei einem Wasserfall erreichen. Das Timing wird zur Punktlandung: Als wir den Spot erreichen, beginnt es bereits zu tröpfeln. In Windeseile schlagen wir das Lager auf und verkriechen uns ins trockene Zelt. Drinnen angekommen, folgt ein kurzer Schreckmoment: Als ich im Vorzelt den Gaskocher an werfe, passe ich einen Moment nicht auf und brenne prompt ein Loch ins Material. Zum Glück betrifft es nur eine Stelle ganz unten am Außenzelt. Die Schutzfunktion ist nicht beeinträchtigt, und mit dem mitgebrachten Reparaturklebeband lässt sich der Schaden bei nächster Gelegenheit leicht flicken. Glück im Unglück!
Unterkunft: Zelt Whirl Pool Falls
Mittwoch, der 29. Juli / Whirl Pool Falls – Red Cliff Battery
Nach dem Einpacken und Verstauen unserer Sieben Sachen gehen wir in die Ortschaft Flatrock. In diesem kleine Ort ist eine Lourdes Grotte die von Papst Johannes Paul II besucht wurde, was wohl für eine Gemeinde dieser Größenordnung eine Sensation war.
Weiter geht es am Hafen vorbei, wo Schautafeln die ehemalige Lebertranproduktion erklären. Auf flachen Felsen – daher wohl der Ortsname – gehen wir eine Landzunge zum Flat Rock Point hinaus und wieder zurück.
Zu Mittag erreichen wir das etwas größere Torbay, kaufen im Supermarkt Joghurt und Wasser ein und gehen Richtung Zentrum. Als der Regen kurz pausiert, nutzen wir die Gelegenheit, um in einem schönen Park mit Sitzgelegenheiten unser Mittagessen zu genießen, während unser Zelt neben uns in der kurzen Regenpause trocknen kann. Da die Wolken sich schon wieder verdichten, brechen wir bald wieder auf.
Der Trail führt uns nun für einige Kilometer über eine Hauptverkehrsstraße und anschließend geht es auf Nebenstraßen weiter. Links und rechts reihen sich schmucke Villen aneinander – es erweckt fast den Eindruck, als hätte der Wanderweg den exklusiven Bauprojekten weichen müssen. Als der Pfad schließlich wieder in den Wald einbiegt, sind die ersten paar Hundert Meter auffallend akkurat instand gehalten. Fast so, als wollte man den Weg für die wohlhabende Nachbarschaft besonders attraktiv gestalten. Ab dem Torbay Point holt uns jedoch die Realität des East Coast Trail wieder ein: Die Holzplanken über den morastigen Passagen sind morsch, und die Stufen an den steilen Abschnitten lösen sich langsam auf.
Wir müssen noch einmal rauf zum Torbay Southern Head und hinunter zum Cobblers Brook. Hier müssen wir Wasser für die Nacht filtern, da es später keine Möglichkeit mehr gibt. Mein Katahdin Filter verstopft leider immer mehr, und das Filtern wird somit zur Qual.
Mit vollen Wassertanks und entsprechend schweren Rucksäcken nehmen wir den finalen Anstieg zur Red Cliff Battery in Angriff. Oben peitscht uns heftiger Wind entgegen. Der Versuch, das Zelt nahe den Klippen aufzustellen, scheitert an den starken Windböen. Aus Sicherheitsgründen brechen wir das Lager wieder ab und flüchten ein paar Hundert Meter weiter in ein nahes Waldstück. Zwischen den schützenden Bäumen steht das Zelt schließlich sicher – bereit für eine stürmische Nacht.
Unterkunft: Zeltplatz unterhalb der Red Cliff Battery
Donnerstag, der 30. Juli / Red Cliff Battery – St. Johns
Wir erwachen in unserem geschützten Waldstück, frühstücken und bauen das Camp ab. Mitten in der morgendlichen Routine flitzt plötzlich ein Hund an unserem Zelt vorbei. Er ist zum Glück nicht allein: Auf dem nahen Pfad taucht kurz darauf sein Herrchen auf und wünscht uns freundlich einen guten Morgen. Die Zivilisation rückt spürbar näher.
Eine Zeitlang gehen wir noch eine Straße entlang, bevor der Küstenweg an einer nicht markierten Stelle sehr steil in einen Wald hineinführt. Es geht aufwärts, bis wir auf unserer Linken wieder das Meer sehen. Dann gleich mal wieder steil hinunter, bis wir das am Meer gelegene Ocean Sciences Center erreichen. Da es erst 8:30 Uhr ist, hat es leider noch geschlossen. Aber es macht uns neugierig und wir können es noch nach unserer Wanderung besichtigen, da wir ja noch einige Wochen länger in Neufundland bleiben. Was wir dann leider doch nicht getan haben.
Nach fünf anstrengenden Stunden am Sugarloaf Path erreichen wir Quidi Vidi, ein malerisches Stadtviertel von St. John's. Wir sehen Foodtrucks und Tische. Da wir schon darüber gesprochen haben, wie gerne wir Fish and Chips essen würden, schlagen wir gleich zu und genießen eine köstliche Portion Kabeljau mit Pommes.
Mit vollem Magen geht es auf den Signal Hill und über einen Küstenweg nach St. John. Diese Strecke entpuppt sich dann noch als anspruchsvoller und anstrengender als wir erwartet haben.
Wir haben hier für eine Nacht gebucht. Eigentlich würden wir gerne eine Nacht dazu buchen und einen Pausentag einlegen, aber am Wochenende und in der Hochsaison ist das Hotel und die Unterkünfte in der Stadt so gut wie ausgebucht. Also müssen wir morgen wieder weiter. Wir waschen unsere Wäsche so gut es geht im Waschbecken, kochen uns Nudeln im Zimmer auf dem Campingkocher und zählen unsere wenigen verbliebenen Lebensmittel, um zu sehen, was wir Morgen aufstocken müssen.
Unterkunft: Hotel Spa Monastery
Freitag, der 31. Juli / St. John's – Freshwater Bay Pond
Nach dem Frühstück packen wir unsere Rucksäcke und machen uns auf nach Downtown, um noch nötige Besorgungen zu erledigen: Lebensmittel, Schuheinlagen und neuen Wasserfilter und Bargeld beheben. Im Tim Horton – einer kanadischen Frühstücks-Fastfood-Kette – trinken wir einen Kaffee und essen Bagel (Birgit) und Donat (ich). Dies sei ein kanadisches Must-Do genauso wie ein Poutine im Mary Brown’s essen. Zumindest laut Alex, einem Gast, der mit uns im B&B in Pouch Cove war.
Danach gehen wir am Hafen entlang bis knapp vor den Fort Amherst Lighthouse, wo wir scharf und steil nach rechts in den Wald abbiegen. Im Nebel gehen wir immer weiter bergan, kommen an vier Ponds vorbei bevor es steil runter zur Freshwater Bay und weiter zum Freshwater Pond geht.
Hier schlagen wir unser Lager auf. Nach einer Stunde sehen wir eine Wanderin auf uns zukommen. Es ist Christine, eine Deutsche die in Kanada lebt und seit März, wie sie uns stolz erzählt, die Doppelstaatsbürgerschaft besitzt. Bei einer gemeinsamen Tasse Tee und einem kleinen Abendessen tauschen wir uns über unsere bisherigen Erlebnisse aus, bevor sich jeder für die Nacht in sein Zelt zurückzieht.
Unterkunft: Zeltplatz bei Freshwater Bay
Samstag, der 1. August / Freshwater Bay Pond - Jones Cove
Am Morgen sehe ich, dass das Zelt der später dazugekommenen Wanderer komplett über ihnen in sich zusammengebrochen ist. Es liegt wie eine Bettdecke über zwei Personen, deren Konturen sich darunter abzeichnen. Die Leute im Zelt scheint das nicht weiter zu stören – was mich kaum wundert, da bis Mitternacht der Geruch von Marihuana aus ihrer Richtung bis in unser Zelt gekommen ist.
Wir gehen los. Zuerst etwas holprig über den von ECT-Helfern angelegten Damm aus Gesteinsbrocken, der die Freshwater Bay vom gleichnamigen Pond trennt. Danach steil hinauf auf eine Landzunge Richtung Deadman's Bay. Noch Vormittags erreichen wir die kleine Community Blackhead. Hier gibt es einen kleinen Art & Craft- und Souvenirladen und sonst nicht viel. Ich nutze die Pause und versuche bei der Gelegenheit mein Zelt ein wenig zu trocknen. Das gelingt bei Nebel und fast hundertprozentiger Luftfeuchtigkeit aber nicht wirklich.
Birgit hat sich – obwohl es nicht regnet – in ihre Regenmontur geworfen. Und sie hatte damit Recht. Durch die hüfthohen Pflanzen, die man entlang des Trails streift, bin ich klitschnass und meine Laune am Tiefpunkt.
Etwas Motivation kann ich nur mit der Aussicht, Mittags Cape Spear zu erreichen, aufbringen. Dort gibt es ein kleines Café und somit einen warmen und trockenen Raum und natürlich etwas zu Essen. Wir nehmen das Tagesmenü, Tomatensuppe mit einem Grilled Cheese Sandwich und genießen die kleine Auszeit.
Frisch gestärkt nehmen wir das letzte Stück bis zu unserem Zeltplatz in Angriff. Das Lager liegt auf einer offenen Fläche in einer kleinen Mulde. Ausgerechnet für die kommende Nacht ist heftiger Starkregen angekündigt. Um auf Nummer sicher zu gehen, funktioniere ich meine Kloschaufel kurzerhand zum Spaten um, ziehe ein paar Drainagegräben rund um das Außenzelt und hoffe einfach auf das Beste.
Unterkunft: Zeltplatz Jonas Cove
Sonntag, der 2. August / Jones Cove – Petty Harbour
Heute regnet es ausnahmsweise mal nicht. Aber das bedeutet nicht, dass es trocken ist. Wir müssen durch überwachsene Wege und da alle Pflanzen nass sind, werden auch wir in Windeseile klatschnass.
Die Wetterprognose für die nächsten Tage ist sehr schlecht. Wir beenden die Etappe in Petty Harbour und als wir uns über die Übernachtungsmöglichkeiten und weitere Wegplanung nicht einig werden, und unser beider Laune einen absoluten Tiefpunkt erreicht, treffe ich die Entscheidung: Wir brechen den Weg ab. Im Normalfall mache ich das nur, wenn der Weg gar nicht mehr zu begehen ist. Bei dieser Reise fällt mir die Planänderung etwas leichter. Wir hatten von vornherein geplant, den Rest Neufundlands mit dem Auto zu erkunden und Tagestouren zu unternehmen. Jetzt ziehen wir diesen Teil der Reise einfach vor und lassen den East Coast Trail sein.
Wir werden uns morgen von Dwayne abholen lassen und die nächsten Tage in St. John`s verbringen. So können wir in Ruhe überlegen, wie wir die verbleibende Zeit nutzen wollen.


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