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The LOOP 2026 Rundwanderweg 2026 PL

  • vor 2 Tagen
  • 16 Min. Lesezeit

Einleitung The Loop

The Loop ist – wie der Name schon verrät – ein Rundwanderweg. Der 250 Kilometer lange Weg verläuft bis auf einen kleinen Abschnitt in der Woiwodschaft Schlesien in den Beskiden. Während der zwei Wochen, die für den Weg in etwa vorgesehen sind, gilt es auch, 11.000 Höhenmeter zu bewältigen. Die Infrastruktur entlang des Weges ist ausgezeichnet. Es gibt es viele Hütten des PTTK (Polskie Towarzystwo Turystyczno-Krajoznawcze, Polnische Touristik- und Landeskundegesellschaft) die man für die Übernachtung und zur Verpflegung nutzen kann. Bei den meisten dieser Hütten ist es auch erlaubt, sein Zelt aufzustellen. Eine weitere legale Übernachtungsmöglichkeit ist, in vom polnischen Forstamt festgelegten Waldstücken zu übernachten. In den Tälern kommt man auch immer wieder in kleine Ortschaften, wo man Lebensmittel kaufen und natürlich ebenfalls übernachten kann. Die Wege sind zwar technisch nicht sehr schwierig, aber die An- und Abstiege sind teilweise sehr steil und gerölllastig. Die Gebirgszüge durch die der Weg führt sind die Beskid Śląski (Schlesische Beskiden), Beskid Żywiecki (Saybuscher Beskiden) und Beskid Mały (kleine Beskiden). The Loop hat keine eigene Wegmarkierung, man folgt der ausgezeichneten Markierung und Beschilderung unterschiedlicher PTTK Wege. Eine weitere Besonderheit des Weges liegt darin, dass die Vereinigung, die den Weg konzipiert hat, keine festen Etappen vorschlägt. Es gibt so viele unterschiedliche Unterkünfte entlang des Weges, dass man die Planung und die Länge der Etappen selbst gestalten kann und soll. Ich finde diesen Zugang gut, verhindert er doch, dass bestimmte Ziele bevorzugt werden und man die Länge der Etappen bewusst seinem Fitnesszustand anpassen kann.


Nützlicher Link:

https://theloop.travel/en/home-en/t

Mittwoch, 13. Mai / Anreise

Zugfahrt Wien – Czechowice-Dziedzice – Bielsko-Biała


Am Vormittag packe ich meinen Rucksack zu Ende und mache mich dann um elf Uhr auf den Weg zum Bahnhof Wien Meidling. Mein Rucksack ist mit elf Kilogramm ohne Wasser und Lebensmittel sehr schwer, da ich das Set-up mitnehme, mit dem ich im Juli nach Kanada möchte. Gaskocher, Gaskartusche, Kochtopf, Zelt, Isomatte und Schlafsack gehen mit auf die Reise, auch wenn ich geplant habe, einige Male in den polnischen Berghütten zu übernachten und die polnische Küche zu genießen. Mit einmal umsteigen, erreiche ich in sechs Stunden mein Ziel Bielsko-Biała. Am schönen Bahnhof fällt mir ein Schild auf: Kaiser-Ferdinands-Nordbahn. Diese Region war einst Teil von Österreich-Schlesien. Dies wirkte sich auch auf die Architektur von Bielsko-Biała aus. Inoffiziell wird Bielsko-Biała von der Bevölkerung noch Klein-Wien genannt . Beim Aussteigen vom Zug habe ich schon meinen ersten Verlust zu beklagen, ohne überhaupt einen Meter gewandert zu sein: Ich ließ meine Jacke im Zugabteil liegen. Im ersten Moment ärgere ich mich, aber ich habe eigentlich genug Kleidungsschichten für diese Jahreszeit mit und die Jacke hätte demnächst sowieso ausgetauscht werden müssen. Meine Unterkunft habe ich schon vor ein paar Tagen gebucht, eine Herberge des PTTK mit einfachen Zimmern.


Unterkunft: Dom Turysty

Donnerstag, 14. Mai / Bielsko-Biała – Schronisko PTTK na Błatniej

21,8 km / Anstieg 950 m / Abstieg 383 m


Meine Unterkunft, ein PTTK Hostel (Dom Turisty) in Bielsko-Biała, ist sieben Kilometer vom Startpunkt des Rundwanderweges entfernt. Ich könnte diese Strecke mit dem Bus zurücklegen, aber da ich gestern wenig Zeit hatte, die Stadt zu besichtigen, gehe ich zu Fuß Richtung Süden und durchquere dabei eines der beiden Stadtzentren. Nach 90 Minuten auf einer flachen Strecke – vermutlich die letzte auf der gesamten Tour – geht es hinauf auf den ersten Berg (Szyndzielnia am Klimczok-Kam) und gleich mal zum ersten Schronisko. Schroniskos sind Berghütten in Polen, und ich komme heute im Laufe des Tages bei drei Schronikos des PTTK vorbei. Zu Mittag gibt es auf einer Wiese mit schöner Sicht über die Berge Brot und polnische Wurst. Die Cabanossis sind zu viele und nicht vakuumverpackt. Das Resultat ist, dass ich eine Cabanossi-Geruchswolke hinter mir herziehe. Die Lektion daraus: Beim nächsten Mal besser mehrere kleine und gut verpackte Portionen einkaufen. Ich male mir schon aus, wie Bär, Wolf, Fuchs und Luchs hinter mir her spazieren, immer dem Duft der Wurst hinterher.


Der Rucksack ist schwer und ich bin sehr müde, als ich um 15 Uhr das Schronisko PTTK na Błatniej erreiche. Also frage ich, ob ich mein Zelt dort aufstellen kann. Das sollte bei den meisten PTTK Hütten möglich sein. Ich kriege kostenlos einen Platz, und obwohl ich genug zum Essen mithabe, esse und trinke ich was, um mich für den Stellplatz zu revanchieren.


Unterkunft: Schronisko PTTK na Błatniej


Freitag, 15. Mai / Schronisko PTTK na Błatniej – Schroniko Soszów

30,4 km / Anstieg 1261 m / Abstieg 1381 m


Da ich gestern schon gegen 20 Uhr in meinem Zelt eingeschlafen bin, wache ich schon um fünf Uhr auf. Ich entscheide mich, im Vestibül Kaffee und Porridge zu kochen und dann zügig abzubauen und zu starten. Der Grund für den Frühstart ist, dass heute Regen angesagt ist. Noch regnet es trotz bewölktem Himmel nicht, und ich ergreife die Möglichkeit, alles einzupacken, ohne dass es nass wird. Vor allem das Zelt.


Steil bergab führt mich der Weg ins Dorf Brenna. Hier kauf ich mir Wasser und ein zweites Frühstück. Die Energie aus dem Frühstück brauche ich auch, denn es geht steil hinauf auf den Berg Rownića. Ein Quad überholt mich mehrmals. Er bringt Touristen das steilste Stück Richtung Gipfel. Dort, wo diese Touristen quietschvergnügt mit dem Aufstieg beginnen, bin ich schon müde. Jetzt geht es über steinige Wege wieder hinunter ins nächste Tal. Am Weg kehre ich in eine Hütte für Stempel, Kakao und Kuchen ein.


Der Abstieg ist wieder sehr anstrengend, aber der nächste Aufstieg ist die Krönung. Es ist sicher einer der steilsten Anstiege des gesamten “Loop”. Es geht eine Lifttrasse beziehungsweise die dazugehörige Skipiste entlang. Das Gemeine: Der Sessellift wäre offen. Ich plage mich rauf und dann noch weiter bis zu einem Gipfel, an dem ich zur Grenze zwischen Polen und Tschechien gelange (Polana Stokłosica). Dieser Grenze muss ich jetzt noch ungefähr fünf Kilometer bis zu meinem Etappenziel folgen. Ich will heute nicht im Zelt schlafen, da das Wetter nun endgültig schlecht werden soll und bekomme ein Bett zum Preis von 64 Zloty (15 Euro). Ich esse auch das erste Mal die berühmte saure Suppe Žurek und bin begeistert. Der Tag war anstrengend, und ich werde mich hoffentlich in meinem schönen holzvertäfelten Zimmer gut erholen.


Unterkunft: Schronisko Soszów


Samstag, 16. Mai / Schroniko Soszów – Schronisko PTTK Przysłop

24,4 km / Anstieg 833 m / Abstieg 722 m


Ich mache mir in meinem Zimmer Kaffee und esse ein Porridge dazu. Danach ziehe ich meinen kompletten Regenkleidung an, da für den ganzen Tag Regen angesagt ist. Die Marke, die ich testen wollte, hatte in meiner Größe das Set aus Hose und Jacke nur in knallgelb. Als ich es anziehe und mich in einer Fensterscheibe betrachte, merke ich, dass ich wie das gelbe Teletubby aussehe. Aber vom Optischen mal abgesehen, erfüllt der Regenschutz seinen Zweck.


Nur ein paar Kilometer nach dem Start komme ich wieder an einem Schronisko vorbei. Hier genehmige ich mir einen Kuchen und bin überrascht, wie viel los ist. Zirka 30 Wanderer sind gerade am Frühstücken. Es ist Samstag, und ich nehme an, dass viele Einheimische ein Wochenende in den Bergen verbringen.


Ganz in gelb gehe ich weiter, und erreiche bei einer Passstraße (Kubalonka-Pass) zur Mittagszeit eine Jausenstation, wo ich wieder eine Pause einlege. Ich bin klitschnass und bin froh, mal aus der Regenkleidung rauszukommen und mich aufwärmen zu können. Am Nachmittag treffe ich dann eine Frau, mit der ich etwas ins Gespräch komme. Sie wandert den Great Beskidy Trail, den wohl berühmtesten polnischen Weitwanderweg. Er stand auch auf meiner Liste. Aber da ich mir nicht sicher war, ob ich wirklich 500 Kilometer nur durch Gebirge wandern will, habe ich mich für den 220 Kilometer langen Loop entschieden, dessen südlicher Teil identisch mit dem GBT ist.


Am Abend komme ich bei meinem Schronisko an und frage nach einem Bett in einem 12-Bett-Zimmer. Anfangs bin ich noch alleine im Zimmer, aber gegen 19 Uhr kommt eine fünfköpfige Männergruppe. Wir unterhalten uns, und sie sind total begeistert, dass ich mich für eine Wanderung in Polen entschieden habe.


Sie selbst sind allerdings nur sechs Kilometer bis zur Hütte gewandert, um hier einen Junggesellenabschied zu feiern. Ich werde auch eingeladen mitzufeiern, lehne aber dankend ab. Sie entschuldigen sich schon präventiv für den Lärm, den sie beim ins Bett gehen machen werden, aber um Mitternacht kommen alle fünf gleichzeitig ins Zimmer, fallen betrunken in die Betten und schlafen innerhalb von Sekunden ein. 


Morgen soll noch ein regnerischer und kalter Tag sein, aber dann sollte es (angeblich) wieder schön werden. Ich hoffe, dann auch wieder zelten zu können.


Unterkunft: Schronisko PTTK Przysłop


Sonntag, 17. Mai 2026 / Schronisko PTTK Przysłop – Węgierska Gòrka

19,8 km / Anstieg 493 m / Abstieg 1044 m


Ich schleiche mich am Morgen aus dem Schlafsaal und mache mir in einem Aufenthaltsraum Kaffee. Um sieben Uhr starte ich und merke gleich, dass ich heute energielos bin. Ich quäle mich im Regen den ersten Berg hoch, den Barania Góra. Es ist eiskalt. Ich will aber im Regen nicht stehen bleiben und mir umständlich warme Kleidung aus dem Rucksack holen. Ich bemühe mich also, in Bewegung zu bleiben und nicht auszukühlen, was mir mehr schlecht als recht gelingt. Schlimmer als die Aufstiege sind heute die sehr steilen Abstiege. Schlammig und auf Geröll geht es teils mit 45° Neigung nach unten. Zwischendurch gehe ich wieder kleine Berggipfel hinauf, bevor es dann endgültig lang und zermürbend runter ins Dorf Węgierska Gòrka geht. Abgesehen von meiner Kraftlosigkeit und dem Wetter ist die Etappe wunderschön. 19 Kilometer nur durch die Natur. Am Ortseingang erspähe ich eine Pizzeria, und da ich bis auf zwei Kekse noch nichts gegessen habe, mache ich es mir dort gemütlich. Jetzt habe ich zwei Optionen: Noch sieben Kilometer weitergehen oder hier bleiben? Am Morgen ließ ich mir die Option offen, aber jetzt entscheide ich mich, hier zu bleiben und mich nicht weiter durch den Regen zu quälen. Ich finde auch gleich eine passende Unterkunft, wo ich mich ausruhen und neue Energie schöpfen kann.


Unterkunft: Dom Wypoczynkowy


Montag, 18. Mai / Węgierska Gòrka – Schronisko PTTK na Rysiance

21,5 km / Anstieg 1437 m / Abstieg 554 m


Ich wache im Gegensatz zu gestern total ausgeruht und voller Tatendrang auf. Meine Kleidung ist trocken und ich ziehe mir eine Schicht mehr als gestern an, da mir die ganze Zeit etwas zu kalt war. Entgegen den Prognosen regnet es doch wieder.


Am Dorfausgang ist ein Supermarkt, wo ich meine Vorräte aufstocke. Anschließend passiere ich das Fort Wędrowiec, eine von fünf Wehranlagen, die 1939 zum Schutz des Tales vor deutschen Angriffen errichtet wurden.  Es regnet zwar, aber da es mir nicht zu kalt ist, ist es auszuhalten. Ich esse alle zwei Stunden eine Kleinigkeit und komme richtig gut voran. 


Ich erreiche die Siedlung Abrahamów. Mittlerweile ist mir auch wieder etwas kalt, und in einer privaten Wanderherberge sehe ich das Schild "Buffet". Also folge ich dem Schild und kann mich bei einem heißen Kaffee etwas aufwärmen.


Als ich weitergehe, wird der Wald durch den aufziehenden Nebel immer mystischer. Um 15 Uhr erreiche ich mein Ziel. Ich wollte eigentlich noch acht Kilometer weiter gehen. Aber ich entscheide mich dagegen. Ich bin zwar noch fit, aber die letzten 100 Höhenmeter waren schon deutlich anstrengender als die 1300 davor. Zeit habe ich auch. Warum also hetzen. Und Morgen scheint dann hoffentlich endlich die angekündigte Sonne. Ich lasse es mir noch bei einem Kotelett Schabowy gut gehen, und ziehe mich dann in ein Vierbettzimmer,  das ich für mich alleine habe zurück.


Unterkunft: Schronisko PTTK na Rysiance


Dienstag, 19. Mai / Schronisko PTTK na Rysiance – Korbielów

19,8 km / Anstieg 576 m / Abstieg 1236 m


Um sechs Uhr bin ich bei strahlendem Sonnenschein schon wieder am Weg. Vor der Berghütte hat man einen sehr guten Blick über die Beskiden. Man überblickt Pilsko, Babia Góra, Krawców Wierch, Rycerzowa, die Tatra, das Choczańskie-Gebirge und viele weitere Berggipfel. Nebel liegt wie ein Meer in den Tälern und ich sehe grüne Bergkuppen daraus herausragen. Ich gehe zuerst ein Stück bergab, finde eine Wolfsspur und mache bei jeder Gelegenheit Rast. Das ist der Vorteil, wenn man bei schönem Wetter wandert: Man kann sich Zeit lassen und die Rastplätze am Wegesrand allesamt nutzen.


Mich erwartet ein schwerer Anstieg auf den Gôra Piẹciu Kópcow. Ich muss mich dafür überwinden, denn eigentlich könnte ich auch einfach zur Schutzhütte am Fuße des Berges gehen und von dort weiter ins Tal absteigen. Ich kann mich aber motivieren und erklimme den Berg. Man hat sich bei den Wanderwegen in den Beskiden gegen Serpentinen und für gerade Linien entschieden. Und so geht es in einer bis zu 45° steilen Steigung rauf. Oben hat man dann einen wirklich schönen Ausblick. Ein Glück, dass gerade heute das Wetter wieder gut ist. 


Anschließend gehe ich über einen anderen Weg zurück zur vorhin erwähnten Hütte Schronisko na Hali Miziowej, was sich als kleiner Fehler entpuppt. Der Weg, der auf der Karte länger und somit einfacher ausschaut geht steil an einer Bergflanke entlang, und ist teilweise weggespült, so dass ich des öfteren den Rucksack ausziehen, ihn einige Meter runter lassen muss um dann über Wurzeln und Steinen abzusteigen. Für eine Strecke von einem Kilometer brauche ich eine gute Stunde. „Das war ja eine hervorragende Abkürzung‟ grummle ich vor mich hin. Dafür gönne ich mir bei der Hütte eine Pause. Ich sehe viele Schulklassen. Es ist wohl die Zeit des Jahres, in der die Schulen Ausflüge in die Berge organisieren. Danach geht es in einem langen und nicht enden wollenden Abstieg hinunter in das Tal und zum Ort Korbielów. Hier gibt es jede Menge Unterkünfte, und ich habe mir schon eine reserviert. Die 1200 Meter bergab spüre ich ordentlich und bin froh, mich in der Unterkunft ausruhen zu können, bevor es die nächsten Tage auf die höchsten Gipfel der Westbeskiden geht.


Unterkunft: Willa pod Pilskiem


Mittwoch, 20. Mai / Korbielów – Schronisko PTTK Markowe Szczawiny

23,3 km / Anstieg 1234 m / Abstieg 663 m


Ein schönes Detail an Polen ist, dass es fast in jeder Unterkunft entweder im Zimmer oder im Gang Wasserkocher gibt. Für mich optimal, kann ich mir doch schnell einen Instant Kaffee und ein Porridge machen, Rucksack packen und um 6:30 Uhr schon am Weg sein. Es herrscht bestes Wanderwetter. Die Sonne scheint, es hat angenehme 15 Grad, und ich bin die meiste Zeit nicht direkter UV-Strahlung ausgesetzt, da der Weg durch den Wald geht. Dort finde ich dann auch ein 30 Zentimeter langes und graues Stück Fell. Ich drehe und ziehe am Fells mit meinen Wanderstöcken und kann keine Kampfspuren entdecken. Bei meiner Recherche im Netz, ob Wölfe im Frühjahr ihr Fell verlieren – ja, tun sie. Ich bin zwar begeistert, dass hier Wölfe und Bären leben, aber in den dichten Wäldern beginne ich dann doch laut mit mir selbst zu sprechen, um mich bemerkbar zu machen.


Ich lege immer wieder Pausen ein und esse alle zwei Stunden ein paar Datteln. So schaffe ich es so ohne Energieabfall bis zum Ende der Etappe, und das trotz der 1200 Meter im Anstieg. 


Im Schronisko treffe ich einen Polen, der am Great Beskidy Trail läuft. Mittlerweile habe ich schon viele getroffen, die diesen Weg gehen, aber noch niemanden, der am Loop unterwegs ist.


Spät am Abend kommt dann auch Marta an. Ich habe sie am dritten Tag kennengelernt. Sie geht auch den Great Beskidy Trail. Sie hat alle ihre Freundinnen gefragt, wer wann mitkommen kann, und so einen Plan ausgearbeitet, bei dem sie immer drei bis fünf Tage von wem anderen begleitet wird. Auch eine schöne Idee.


Unterkunft: Schronisko PTTK Markowe Szczawiny


Donnerstag, 21. Mai / Schronisko PTTK Markowe Szczawiny – Musikpavillon Zawoja

25,6 km / Anstieg 757 m / Abstieg 1322 m


Schon um 5:15 stehe ich auf, packe meinen Tagesrucksack mit Wasser, Nussmischung und Regenjacke und mache mich auf den Weg zum Gipfel des Babia Góra. Ich kann deswegen ohne meinen 15 Kilogramm schweren Rucksack starten, weil es nach einer 12 Kilometer langen Schleife wieder zurück zum Schronisko geht, und ich gestern vereinbart habe, dass ich so lange meine nicht benötigten Sachen im Zimmer lassen kann.


Als ich den sehr steilen Weg in Angriff nehme, scheint noch die Sonne, auch noch am Gipfel. Doch plötzlich ziehen weisse Schwaden in einem irrsinnigen Tempo vom Tal herauf und umhüllen den Berg in Nebel. Ein weisse Wand, in der ich dann irgendwann stecke. Auch der Wind wird immer stärker und stärker, und so langsam frage ich mich, ob ich für die Begehung nicht wärmere Kleidung gebraucht hätte. Am Gipfel sehe ich rein gar nichts und knipse ein Foto mit Nebel im Hintergrund. Der Aufstieg war schwer, die letzten 200 Höhenmeter ging es langsam über Blockwerk entlang. Aber der Abstieg fällt mir auch nicht viel leichter. Schritt für Schritt taste ich mich hinunter und frage mich, wie ich das mit meinem Rucksack bewerkstelligen hätte sollen. Wieder bei der Hütte angelangt, lade ich mein Smartphone auf und mache erstmal eine ausgiebige Pause.


Danach geht es weiter – wieder bergab. 1300 Meter  kommen zusammen. In einem kleinen Ort kaufe ich mir ein bisschen was ein und esse im Pub daneben Pizza. Ich rede mit zwei Gästen über mein Unterfangen, und dass ich in zirka zwei Kilometern im Wald schlafen möchte. Sie meinen, ich soll doch einfach mein Zelt am Ortsrand neben dem Musikpavillon aufstellen. Dort gibt es auch eine Chemietoilette und wenn kein Konzert ist, schlafen da des öfteren Wanderer.


Ein bisschen skeptisch bin ich, aber ich lass mich darauf ein und stelle mein Zelt hinter dem Pavillon auf. Obwohl ich es zumindest versuche etwas zu verstecken, sieht man mich von der Straße. Jetzt bin ich gespannt, ob ich hier eine ruhige Nacht haben werde, oder ob ich doch noch mal vertrieben werde.


Ich werde tatsächlich geweckt, aber nicht von jemandem, der mich von hier vertreiben will, sondern von Tomasz aus dem Pub, der mir Wurst, Brot, Schokolade, Obst und Wasser vorbeibringt. Kurz frage ich mich, ob ich schon so bedürftig ausschaue, aber sehr schnell überwiegt die Freude über so viel Freundlichkeit.


Unterkunft: Hinter dem Musikpavillon in Zawoja


Freitag, 22. Mai / Zawoja – Nasza Chata na Adamach

18,2 km/ Anstieg 814 m / Abstieg 773 m


Ich fühle mich heute sehr schwach und müde und bekomme meinen Kreislauf nicht mal beim Gehen in die Gänge. Die letzten Tage mit den vielen Höhenmetern waren wohl zu viel des Guten.


Ich prüfe auf meiner Karte gleich, wie kurz ich die Etappe gestalten kann, und ob es zwischendurch Möglichkeiten zum Abbruch gibt. Ich komme durch zwei Dörfer mit Busverbindungen und nach 18 Kilometern gibt es gleich zwei Berghütten – eine private und eine öffentliche, in denen ich übernachten könnte.


Ich schleppe mich Schritt für Schritt voran und mache bei jeder Rastbank Pause. Trotzdem erreiche ich um dreizehn Uhr schon mein Ziel, den Adamy Berg. Ein Wanderer sagt mir, dass die öffentliche  Schutzhütte erst am Abend öffnet, ich aber im Garten oder im Vorraum warten könne.


Da winken mich Dariusz und Danusia von der Nebenhütte zu sich und bieten mir an, bei ihnen zu übernachten. Ich nehme das Angebot gerne an. Nachdem ich mich ausgeruht habe, essen wir auch gemeinsam zu Abend. Ich erfahre ein wenig über ihr Leben, und dass sie sich mit diesem Häuschen 2019 einen Traum erfüllt haben. Es fühlt sich wie ein Besuch bei Freunden an.


Unterkunft: Nasza Chata na Adamach


Samstag, 23. Mai / Nasza Chata na Adamach – Chatka Gibasowska

24,1 km / Anstieg 979 m / Abstieg 867 m


Ich habe gestern gut und viel gegessen. Ich habe auch gut und viel geschlafen, und so fühle ich mich heute gleich um viel fitter als gestern.


Ich verlasse um 6:30 Uhr das Haus von Mariusz und Danusia und mache mich auf den Weg. Nachdem ich ein paar Stunden durch Wälder gegangen bin lande ich in Hucisko. Hier gibt es ein Lebensmittelgeschäft, in dem ich meine Vorräte aufstocke. Ein Eis, Skyr und Waffeln verdrücke ich gleich auf einer Bank neben dem Supermarkt.


Dann geht es auf den nächsten Bergrücken rauf und wieder runter. Ich erreiche Ślemień. Die Stadt kenne ich, da ich 2024 bei meiner Wanderung entlang der Romea Strata hier in der Jugendherberge genächtigt habe. Ich freue mich, alles gleich wieder zu erkennen, auch das Freilichtmuseum, in dem man sich vor  allem die ländlichen Holzhütten aus dem 19. Jahrhundert anschauen kann.


Es geht weiter und nachdem ich den nächsten Bergrücken erklommen habe, erreiche ich meine Unterkunft, die Chata Gibasowska. Dieses Haus würde perfekt in das Museum nach Ślemień passen. Das Haus gehört Staszek, er wohnt hier schon seit über 20 Jahren unter einfachsten Bedingungen. Es gibt einen Holzherd, kein fließendes Wasser, nur einen Brunnen und ein Plumpsklo das 50 Meter vom Haus entfernt ist.


Seine einzige Unterhaltungsprogramm ist sein altes Radio, mit dem er einen tschechischen Sender hört, und ab und zu die Wander*innen, die hier vorbei kommen. Ausländische Gäste kommen nicht all zu oft vorbei. Für mich kramt er eine alte Italienkarte heraus. Wir suchen und markieren gemeinsam meinen Geburtsort, Meran in Italien.


Unterkunft: Chatka Gibasowska


Sonntag, 24. Mai / Chatka Gibasowska – Międzybrodzie Żywieckie

24,4 km/ Anstieg 810 m / Abstieg 1217 m


Ich wache schon um 5:30 Uhr auf, und widerstehe der Versuchung mich nochmals umzudrehen und weiter zu schlafen. Also auf – Kaffee und Porridge – und den Tag in Angriff zu nehmen.


Ich verabschiede mich bei Staszek und gehe recht zügig durch die Wälder. Auffallend ist, dass es heute das erste Mal heiß ist, und ich befürchte, zu wenig zum Trinken dabei zu haben. Es geht steil ins Tal nach Kocierz Rychwałdzki und nach Überqueren der Talstraße gleich wieder steil hinauf, zuerst durch Wiesen und dann durch Wald. Lang zieht sich der Weg jetzt an den Berghängen entlang, und ich rationiere mir das Wasser auf einen Schluck alle 30 Minuten. Um vierzehn Uhr erreiche ich beim Berg Żar die Bergstation der Standseilbahn die den Berg mit Międzybrodzie Żywieckie verbindet. Da Sonntag ist und man von hier einen schönen Ausblick hat, ist wenig überraschend, sehr viel los. Und wo viel los ist, kann die Gastronomie nicht weit entfernt sein. Ich lösche meinen Durst mit überteuertem Mineralwasser und mache mich an den Abstieg ins Tal. Es geht direkt neben der Standseilbahn steil eine Wiese hinunter. 


Am Ende des Abstiegs bin ich ganz schön erledigt und freue mich auf eine ordentliche Dusche. Auch einen Großteil meiner Kleidung kann ich mal wieder ordentlich waschen.


Unterkunft: U Francuza


Montag, 25. Mai / Międzybrodzie Żywieckie – Stefanka na Koziej Górze

24,8 km / Anstieg 945 m / Abstieg 665 m


In der Unterkunft gibt es ab 6:30 Uhr Frühstück und ich nutze die Gelegenheit mich mal wieder ordentlich satt zu essen. Ich merke gerade bei dieser Tour, wahrscheinlich durch die vielen Höhenmeter, wie wichtig regelmäßige und ausreichende Kalorien- und Flüssigkeitsaufnahme ist, um nicht irgendwann am Berg gerade während eines steilen Anstiegs in ein Hungerloch zu fallen. 


Heute aber gehe ich nach dem Frühstück gestärkt los. Ich könnte versuchen, bis zum Abend das Ziel des Weitwanderweges zu erreichen. Das wären aber um die 30 Kilometer mit 1400 Meter im An- und Abstieg. Ich habe mich gerade von den anstrengenden Etappen an der slowakischen Grenze etwas erholt und will mich nicht wieder völlig verausgaben. Ich werde bis zu einer Hütte neun Kilometer vor dem Ziel gehen, und morgen dann in aller Ruhe die Tour abschließen.


Ich gehe ruhig und geduldig mein Tempo. Während des Anstiegs zum Magurka Wilowicka komme ich an einer eingefassten Quelle vorbei und kann das erste Mal meinen mitgebrachten Wasserfilter verwenden. Auf einer Hütte in der Nähe des Gipfels mache ich eine Kaffeepause, bevor es weiter steil hinab in das Biała Tal geht. Hier liegen gleich zwei Orte nebeneinander, Wilkowice und Bystra. Einige Kilometer geht es auf Straßen ohne nennenswerte Steigungen weiter. Und es stört mich heute überhaupt nicht, auf Asphalt zu gehen. Die letzten drei Kilometer geht es dann noch in die Berge zur Hütte Stefanka na Kozie Górze. Die Zimmer sind von einer Gruppe gebucht. Macht aber nichts, weil ich einfach mein Zelt neben der Hütte aufstellen darf. Da ich hier nicht weit von einigen der Ballungszentren entfernt bin, sind viele Tagesgäste da. Ich sitze noch lange neben dem geöffneten Kiosk, der gegenüber der Hütte steht, trinke einen alkoholfreien Radler, esse Bigos und schreibe an meinen Tagebucheinträgen. Wenn es dann ruhiger wird, werde ich mein Zelt aufstellen.


Unterkunft: Stefanka na Kozie Górze


Dienstag, 26 Mai / Stefanka na Kozie Górze – Talstation Kolej Linowa Szyndzielnia

9,3 km / Anstieg 448 m / Abstieg 627 m


Ich wache durch Vogelgezwitscher auf und beschließe einfach nochmal die Augen zuzumachen. Ich habe es nicht eilig, da es nur neuen Kilometer bis zum Ende des THE LOOP sind. Um 8:15 Uhr breche ich dann auf. Es geht noch einmal einen Berg hinunter und dann steil hinauf zum Schronisko PTTK Szyndzielnia. Bei diesem Schronisko war ich schon. Es war der erste meines Weges, und hier schließt sich der Kreis nach etwa 250 Kilometern wieder. Nun geht es noch einmal bergab an den Fuß der Beskiden, von wo ich den Bus nach Bielsko-Biała nehme. Ich schaue noch im Büro des Vereins vorbei, der sich für den Weg verantwortlich zeigt. Monika und ihr Kollege sind aufrichtig an meinen Erfahrungen interessiert, da es den Weg erst seit drei Jahren gibt. Ich bin überzeugt, dass er gut angenommen wird. Die Wege sind schön, die Infrastruktur gut und An- und Abreise problemlos bewältigbar. Ich erhalte ein Wanderabzeichen und mache mich dann auf den Weg zu meiner Unterkunft. Hier werde ich einen Ruhetag einlegen, bevor ich nach Prudnik fahre, um den Sudeten Hauptwanderweg zu erwandern.


Unterkunft: Pokoje Centrum


Mittwoch, 27. Mai / Ruhetag Bielsko-Biała 


Meine Tätigkeiten heute: Essen, Wäsche waschen, schlafen. Und ab und zu die Spielstände der French Open beobachten.




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