top of page

Głowny Szlac Sudecki 2026/Teil 3 von Schronisko Zygmuntówka bis Świeradów-Zdrój

  • vor 1 Tag
  • 9 Min. Lesezeit

Mittwoch, 10. Juni / Schronisko Zygmuntówka – Schronisko Andrzejówka

32,2 km / 1210 m Anstieg, 1130 m Abstieg


Ich starte schon um 6:30 Uhr, weil ein langer und anstrengender Tag vor mir liegt. Es geht zuerst hinauf auf den  Wielka Sowa, und dann sehr steil hinunter in eine Gegend, wo sehr viele Ferienhäuser stehen oder gerade neu gebaut werden. Danach folge ich wieder Waldwegen, bis ich nach etwa 20 Kilometern in einem Vorort von Jedlina-Zdrój ankomme. Dort gibt es einen größeren Lebensmittelladen. Ich kaufe ein und esse mein Mittagessen gleich bei einer überdachten Bushaltestelle. 


Es regnet seit ein paar Stunden. Nicht stark, aber konstant. Als ich weiter gehe, bemerke ich, dass sich die Form der Berge verändert hat. Die Hänge sind steiler, und das macht sich auch gleich bei den ersten Anstiegen bemerkbar. 


Als meine Laune immer schlechter wird kommen mir zwei GSS-Wandernde entgegen. Wir unterhalten uns mit Händen und Füßen, da es die einzige gemeinsame Sprache ist. Da ich ihrer Meinung nach der erste Italiener bin, der den GSS geht, muss das begossen werden. In der Trinkflasche des Mannes ist kein Wasser, sondern Wodka, und er füllt einen kleinen Metallbecher bis zum Rand und gibt ihn mir. Ich trinke so gut wie nie, aber aus der Nummer komme ich nicht raus. Nachdem wir uns zugeprostet und getrunken haben, verabschieden wir uns feierlich. 


Etwas beschwipst, aber auch beschwingt komme ich an meiner Unterkunft an. Hier teile ich mir das Zimmer mit einem  etwas schweigsamen Wanderer. Sehr spät, es muss so 22 Uhr sein, kommt noch ein dritter Übernachtungsgast dazu.


Unterkunft: Schronisko Andrzejówka


Donnerstag, 11. Juni / Schronisko Andrzejówka – Krzeszów

24,9 km / 1050 m Anstieg, 1392 m Abstieg


Ich habe gestern Abend meinen Rucksack nicht vorgepackt, vor allem weil ich versucht habe, noch ein paar Sachen trocken zu kriegen und mich im Zimmer etwas ausgebreitet habe. Und weil ich meine beiden Zimmergenossen nicht wecken will, bleibe ich etwas länger als üblich im Bett. Ab sieben Uhr hält mich aber nichts mehr. Ich packe meine Sachen, mache mir im ersten Stock mit einem Wasserkocher, den ich gestern entdeckt habe, einen Kaffee und esse ein paar Kekse. 


Danach mache ich mich auf den Weg, der sich heute als schwieriger erweist als erwartet. Das bestätigt mal wieder, dass ich nicht von der Höhe der Berge alleine auf den Schwierigkeitsgrad schließen kann. Ein zwanzig Zentimeter breiter lehmiger Pfad führt rund um eine Bergkuppe. Im Trockenen sicher kein Problem, aber durch den andauernden Regen ist Vorsicht geboten. Als ich die Passage hinter mir habe, folgt ein steiler Auf- und Abstieg. Ein paar Grad mehr Gefälle, und ich hätte ein Seil gebraucht.


Ich erreiche Sokołowsko. Auf vielen Gebäuden des Ortes ist ihre Geschichte durch alte Fotos aus früheren Jahren und Informationen zu den alten deutschen Häusernamen dokumentiert. So erfahre ich auch, dass ein altes Sanatorium inzwischen in eine Wohnanlage umgebaut wurde. Die alten preußischen Häuser faszinieren mich. Die meisten wurden nie restauriert, so als ob die Polen damit ausdrücken wollten, dass diese Häuser eigentlich nicht zu ihnen gehören. 


Danach wird der Weg einfacher und führt zuerst entlang einer Straße und dann in einen Wald. Als ich fast schon glaube, der Weg geht jetzt einfach so bis zu meinem Ziel, schwingt er sich wieder mit einer kaum aufrecht gehenden, bewältigbaren Steigung in die Höhe. Oben angekommen sehe ich schon mein Ziel, den Ort Krzeszów mit seiner Basilika.


Krzeszów ist ein Marienwallfahrtsort. Dazu gehört ein Benediktinerinnenkloster. Ich klopfe einfach an der Tür und bitte um ein Bett für eine Nacht. Die freundliche Gastschwester bringt mich zu meinem Zimmer und zeigt mir auch die Küche, die ich verwenden darf.


Unterkunft: Gästehaus Benediktinerinnenkloster


Freitag, 12. Juni / Krezeszów – Szarocin

25 km / 718 m Anstieg, 646 m Abstieg


Ich mache mir ein Frühstück in der Küche des Gästetrakts des Benediktinerinnen-Klosters und starte meinen Tag noch vor sieben Uhr. Die Sonne scheint, und es sieht so aus, als würde es heute nicht regnen. 


Das erste Zwischenziel des Tages ist die Stadt Lubawka. Dafür muss ich über den kleinen Berg Czarnogóra. Kein Problem, denke ich mir, ist er ja nur etwas über 600 Meter hoch. Dafür geht es aber teilweise mit 45° Gefälle hoch und dann wieder runter, was meiner Gehgeschwindigkeit nicht zuträglich ist. 


In Lubawka gibt es neben dem Lebensmittelgeschäft einen Park mit Sitzgelegenheiten. Diese Möglichkeit lasse ich mir nicht entgehen und mache schon um 10:30 Uhr eine sehr frühe Mittagspause. Ich gehe weiter und es stehen vor mir noch zwei niedrige Berge mit steilem Anstieg: Die Zadzierna (724 m), von der man einen schönen Ausblick auf das Krkonoše (Riesengebirge) und den Bukówska See hat, und die Świerczyna (720 m), ein mit Felsblöcken durchzogener bewaldeter Hügel. 


In Szarocin gehe ich zu einer Unterkunft, die ich auf einer Liste von Unterkünften zum GSS gefunden habe. Niemand macht auf. Ich rufe an, und obwohl wir in zwei unterschiedlichen Sprachen sprechen, verstehe ich irgendwie, dass die Besitzerin einkaufen ist und bald da sein wird.


Und so ist es dann auch. Eine halbe Stunde nach meinem Anruf kann ich ein Zimmer beziehen. Es gibt auch eine Küche. Ich gehe im 100 Meter entfernten Supermarkt einkaufen und koche fertige Piroggen auf, die fantastisch schmecken.


Später kommt noch ein Paar an, das wie ich am GSS unterwegs ist. Aber wie fast immer in die Gegenrichtung.


Unterkunft: Agroturystyka Agnes


Samstag, 13. Juni / Szarocin – Miłków

30,7 km / 786 m Anstieg, 897 m Abstieg


Ich habe gut geschlafen und freue mich, eine Küche zu haben, um mir ein kleines Frühstück zuzubereiten. Wobei zubereiten jetzt etwas hoch gegriffen ist, da ich nur den Wasserkocher für meinen Instant-Kaffee einschalte und ein paar Kekse dazu esse. 


Die heutige Etappe ist eine der leichteren. Am Anfang sind noch einige kleinere Berge zu überwinden, bevor es dann immer flacher wird. 


Ich erreiche Bukowiec, und mir fällt ein prächtiges Gebäude neben der Kirche auf. Es ist ein Kretscham, ein altes Dorfgasthaus, das in früheren Zeiten auch andere Funktionen hatte und unter anderem auch als Dorfgericht diente. 


Bald danach geht es durch einen der größten Schlossparks Niederschlesiens, bevor ich wieder in einen Wald gelange. Ich wundere mich schon, wieso hier einige Straßen “Tiroler-Straße” oder ähnlich heißen, und über ein paar Bauernhöfe an denen ich vorbei komme, die mich an Tiroler Bauernhöfe erinnern, bis ich recherchiere, dass 1838 protestantische Zillertaler aus Tirol hier Zuflucht fanden, und sich am Fuße des Riesengebirges ansiedelten. Ihre Nachfahren wurden 1946 vertrieben, aber ihre Spuren sind noch sichtbar.


Recht unspektakulär geht es weiter zu meinem Zielort. Das gibt mir die Gelegenheit etwas weniger auf den Weg zu achten und über die wechselvolle Geschichte dieser Region nachzudenken. Hier wurde über die Jahrhunderte angesiedelt, umgesiedelt, vertrieben und auch ermordet und hier war auch ein Außenlager des KZs Groß-Rosen.


Unterkunft: Apartmenty w Karkonoszach


Sonntag, 14. Juni / Miłków – Schronisko PTTK Odrodzenie

26,8 km  / 1383 m Anstieg / 550 m Abstieg


Heute werde ich in das Krkonoše (Riesengebirge) und unter den Gipfel der Schneekoppe kommen. Auf diese Etappe freue ich mich schon die ganze Tour, soll sie doch eine der schönsten sein. Der deutsche Name Schneekoppe ist mir ein sehr vertraut. Das rührt aber nicht daher, dass ich schon mal da hier war, sondern weil es ein Markennamen einer deutschen Lebensmittelfirma ist. Gegründet von Fritz Klein,einem Vertriebenen aus Niederschlesien. 


Aber zuerst mache ich mir einen Kaffee und frühstücke Instant Nudeln. Dann gehe ich los. 


Und was als kleines Präludium zum Anstieg zur Schneekoppe gedacht war, entpuppt sich als anstrengender als gedacht. Es geht auf mehrere kleine Gipfel und zum Schluss noch mal steil auf den Aussichtspunkt Karpatka. Es zahlt sich aber aus, da man von hier eine schöne Sicht auf das Riesengebirge hat. 


Die Stadt Karpacz, die ich jetzt erreiche, ist sehr touristisch und ein Startpunkt für Ausflüge ins Riesengebirge. Es gibt hier einen Zabka, und ich fülle meinen Vorrat an Proteinriegel und Schokolade etwas auf.


Danach geht es zum Aufstieg Richtung Schneekoppe. Zuerst noch relativ sanft wird es immer steiler und steiler. Es beginnt immer wieder kurz zu regnen, und um 14 Uhr erreiche ich die Hütte Dom Ślaski. Da es gerade zum Hageln beginnt, verziehe ich mich zu Kaffee und Kuchen in die Hütte. Der Weg führt nicht ganz zum Gipfel, und ich spare mir bei diesem Wetter auch den Umweg dorthin.


Nun muss ich entscheiden, ob ich in der nächstgelegenen Hütte in sieben Kilometern übernachte, oder in der noch 19 Kilometer entfernten. Es wird die erste, denn 19 Kilometer traue ich mir heute nicht mehr zu. Auch wird die Wegbeschaffenheit immer mühsamer. Man muss von Stein zu Stein steigen, und ich komme bei diesen Wegbedingungen nicht schnell weiter. Ich brauche weitere drei Stunden für die nächsten sieben Kilometern, um die Hütte Odrodzenie zu erreichen. Es zahlt sich aber aus. Die Hütte ist wunderschön gelegen mit einem Ausblick über halb Niederschlesien. Das Essen ist gut, und so beende ich hier müde und zufrieden meinen Tag. 


Unterkunft: Schronisko PTTK Odrodzenie


Montag, 15. Juni / Schronisko PTTK Odrodzenie – Szklarska Poręba

24,1 km / 557 m Anstieg, 1174 m Abstieg


Ich kann mir am Morgen jede Menge Zeit lassen. Die Etappe ist nicht allzu lang, und ich werde nach langer Zeit mal wieder im Zelt schlafen. Da der Campingplatz nichts außer etwas Grünfläche zum Zeltaufstellen zu bieten hat, macht es überhaupt keinen Sinn zu früh dort anzukommen. Also gönne ich mir um acht Uhr ein Frühstück im Schronisko und mache mich dann auf den Weg. 


Ich dachte gestern schon, ich hätte das schönste hinter mir, aber die ersten zehn Kilometer der heutigen Etappe waren atemberaubend. Es geht meist an der tschechisch-polnischen Grenze entlang. Vorbei an schönen Steinformationen mit Blick nach Tschechien (links) und Polen (rechts). Der einzige Wermutstropfen ist das neblige Wetter.


Ich treffe ein deutsches Paar aus Dresden, das sich über meinen großen Rucksack wundert und wir kommen ins Gespräch. Interessant fand ich die Erzählung der Frau, deren Familie aus Niederschlesien stammte und vertrieben wurde. Sie erzählte mir ihre Geschichte aus der Perspektive der Vertriebenen. Ein Perspektivenwechsel zu den Erzählungen, die ich bis jetzt gehört hatte. Und obwohl es ihre Mutter betraf, hörte ich noch sehr viel Verbitterung aus ihrer Stimme. 


Sie erzählte mir, dass sie die Asche ihrer Mutter auf dem Gehöft, von dem sie vertrieben wurde, verstreuen wollte. Sie sich aber vor Ort in Polen anders entschieden hatte, weil die Gebäude mittlerweile so heruntergekommen waren und sie ihre Mutter hier nicht zurücklassen wollte. Zum wiederholten Male höre ich die selbe Geschichte, wie die hier angesiedelten Ostpolen die Gebäude, die sie bekommen hatten, nicht renovierten, weil sie immer davon ausgingen, die Deutschen würden wiederkommen und sie müssten dann sowieso wieder gehen.


Wir trennen uns und ich gehe weiter bis zur nächsten Hütte. Hier esse ich vor dem letzten langen Abstieg noch einen Käsekuchen und genieße den Moment, denn es wird wahrscheinlich mein letzter Besuch in einem Schronisko sein. Nach einem steilen Abstieg komme ich in meinen Zielort.


Szklarska Poręba ist eine total touristische Stadt. Es gibt hier fast nur Restaurants und Hotels. Mein Campingplatz gehört einem alten Mann, der ein von Hecken und dem Fluss Kamienna eingefasstes Wiesengrundstück im Zentrum der Stadt besitzt.


Unterkunft: U Wodza


Dienstag, 16. Juni / Szklarska Poręba – Świeradów-Zdrój

28,1 km / 846  m Anstieg, 995 m Abstieg


Ich bin am Morgen motiviert sehr zügig aufzustehen, zu Frühstücken und mein Zelt einzupacken. Vielleicht schaffe ich es ja bis 16 Uhr nach Świeradów-Zdrój und kann von dort schon mit dem Zug bis Wrocław fahren. Bis Wien muss ich nämlich 4 mal umsteigen, und vielleicht geht es sich aus, einen Teil der Zugreise heute schon anzutreten.


Als ich um 6:30 Uhr aus der Stadt raus gehe, steht mein Plan. Wenn möglich 20 Kilometer durchgehen, dann eine kurze Pause machen und evaluieren, ob ich die letzten acht Kilometer noch in der Zeit schaffe. Die Distanz ist gar nicht so ein Problem, schwierig machen es die Auf- und Abstiege.


Den längsten Anstieg mit 400 Höhenmeter kann ich gleich am Anfang beim Aufstieg zum Wysoki Kamien hinter mich bringen. Danach geht es 15 Kilometer in leichtem Auf und Ab auf einer Höhe von ungefähr 1000 – 1100 Metern dahin. Der Weg führt durch schöne Wälder und Hochmoore. Obwohl es ein Wochentag ist, begegnen mir sehr viele Wanderer. Der Grund ist, dass mein Ziel ein Kurort ist, und man mit der Seilbahn auf die Anhöhe fahren kann, um hier oben zwischen Mooren und Wäldern entspannt spazieren zu gehen.


Nach 20 Kilometern erreiche ich die Seilbahn und das daneben stehende Schronisko na Stogu. Hier mache ich nur eine kurze Pause auf einer Bank im Freien. Es ist 13:30. Ich müsste es eigentlich locker schaffen. 


Der Abstieg hat es dann aber nochmal in sich. Über Gesteinsbrocken geht es steil bergab, während ich mir die Seilbahn gemütlich rauf und runter gondelt. 


Ich bin müde, vielleicht auch etwas unkonzentriert. An einer schlammigen Stelle lege ich meinen ersten Sturz auf dieser Tour hin. Mein linker Fuss rutscht einfach weg und ich mache einen Telemark, kann mich aber schnell wieder fangen. Bis auf ein schmutziges Hosenbein ist nichts passiert. Ich merke, wie mir die Kraft wegen der langen Tour und der wenigen Pausen heute ausgeht, erreiche aber um 15:20 Uhr den Bahnhof. Perfekt! 


Unterkunft: Wrocław, Great Polonia Wrocław City Center


Heimreise und Fazit

Ich habe es also noch mit zwei Regionalzügen nach Wrocław geschafft, von wo ich Morgen mit einem Fernzug nach Wien fahren kann. Ich habe mir ein Zimmer in Bahnhofsnähe ausgesucht, damit ich am Morgen nur eine kurze Strecke zum um 6:30 Uhr startenden Zug habe. Was ich dabei nicht bedacht habe, ist, dass ich das Zimmer nicht am Hauptbahnhof reserviert habe, sondern in einem zwei Kilometer entfernten Nebenbahnhof. Na gut, dann gibt es halt eben noch zwei Stadtspaziergänge zum Ausklang.


Abschließend kann ich sagen, dass der Weg sehr empfehlenswert ist. Das Sudetengebirge ist neben den Beskiden die einzigen Gebirgskette in Polen und ein beliebtes Ausflugsziel der polnischen Bevölkerung. Dadurch kommt mit vielen Menschen auf dem Weg ins Gespräch und erfährt viel über die Gegend und ihre Geschichte. Die Infrastruktur (Beschriftung, Unterkünfte) ist ausgezeichnet. Der Głowny Szlac Sudecki wird stark begangen, und zwar hauptsächlich von West nach Ost.



Kommentare


bottom of page