Głowny Szlac Sudecki 2026/Teil1 von Prudik bis Lądek-Zdrój
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Einleitung Głowny Szlac Sudecki (GSS)
Am 24. Oktober 1947 legte die Sudetenkommission des Polnischen Tatravereins den Verlauf des GSS Wanderweges fest. Ein Jahr später wurde mit den Markierungsarbeiten begonnen. Er durchquert auf 444 Kilometern das Sudetengebirge in Polen und führt durch zwei polnische Regionen, Opole (Oppeln) und Dolnośląskie (Niederschlesien). Da die Regionen bis 1945 zu Preußen gehörten und nach der Westverschiebung Polens, nach dem 2. Weltkrieg an Polen fielen, gibt es für so gut wie alle Orte, Gebirgszüge und Flurnamen auch deutschsprachige Bezeichnungen. Man wandert durch folgende Gebirge: Góry Opawskie (Zuckmanteler Bergland), Góry Złote (Reichensteiner Gebirge), Masyw Śnieżnika (Glatzer Schneegebirge), Góry Bystrzyckie, Góry Stołowe (Heuscheuergebirge), eines der wenigen Plattengebirge Europas, das Góry Sowie (Eulenberge), dem Karkonosze (Riesengebirge), dem höchste Gebirge Tschechiens und Niederschlesiens mit der ikonischen Schneekoppe als höchsten Gipfel und dem Góry Izerskie (Isergebirge), dem Verbindungsgebirge zum Lausitzer Gebirge in Tschechien und Deutschland. Wie es sich für eine Weitwanderung im Gebirge gehört, ist der Weg mit bis zu 1000 Höhenmetern pro Tag anstrengend, er streift aber immer wieder die Städte und Kurorte am Fuße der Gebirgsketten. Ich treffe fast jeden Tag GSS WandererInnen, und obwohl der Weg in beiden Richtungen ausgezeichnet markiert ist, scheint die beliebteste Richtung von West nach Ost zu sein, während ich den Weg andersrum gehe. Man muss nicht besonders aufmerksam sein, um in diesen Orten die Geister der Vergangenheit zu spüren. Die zum Großteil noch nie renovierten Gebäude aus der Zeit vor 1945 erzählen die Geschichte der größten Bevölkerungsumsiedlung Europas, die im Zusammenhang mit der Westverschiebung Polens stattfand. Ich hatte das Glück, sowohl mit Nachfahren von umgesiedelten Ostpolen als auch mit Nachfahren von vertriebenen Deutschen sprechen zu dürfen, und ich bekam auch die Antwort auf meine Frage, warum die Häuser zum Großteil nicht renoviert werden. Die ersten zwei Generationen an Zugezogenen hatten immer die Befürchtung, die Deutschen würden wiederkommen, und sie müssten wieder weg. Es würde sich also nicht auszahlen, sich niederzulassen. Dieser Eindruck muss durch die Tatsache verstärkt worden sein, dass die umgesiedelten Polen oft in Höfe und Häuser einzogen, in denen noch die privaten Gegenstände der Vertriebenen vor Ort waren. Es war eine faszinierende Reise – eine der vielen Geschichten Europas, so nah an Wien, aber von meinem Wissen über die Geschichte der Region und damit verbunden menschlichen Tragödien bisher weit entfernt.
Nützliche Links und Infos:
Alle Infos die ich brauchte habe ich eigentlich aus diesem Blog:
https://gorskim-szlakiem.pl/glowny-szlak-sudecki/
Zudem gibt es einen polnischen Wanderführer und man kann sicher auch beim PTTK Informationen erfragen.
Der Weg ist durchgängig gut markiert, die Infrastruktur hervorragend.
Donnerstag, 28. Mai / Prudik – Campingplatz bei Pokrzywna
17,8 km / 360 m Anstieg / 297 m Abstieg
Ich stehe schon um fünf Uhr auf, und da mir eine Küche zur Verfügung steht, mache ich mir zum Frühstück Eier mit Speck. Es ist mir wichtig, wenn möglich, ordentlich und proteinhaltig zu Essen, da ich mich unterwegs oft sehr kohlenhydratlastig ernähre und die Proteinzufuhr zu kurz kommt. Drei Eier, die ich noch übrig habe, koche ich und nimm sie mit auf die erste Etappe des Głowny Szlac Sudecki. Um 6:53 fährt mein Zug über Katowice nach Prudnik, und um zehn Uhr bin ich schon auf dem Weg.
Heute stehen entspannte 16 Kilometer auf dem Programm. Ich möchte es nach dem Pausentag nicht übertreiben, und praktischerweise gibt es nach 16 Kilometer einen Campingplatz. Ich bin nicht ganz sicher, ob ich den ganzen, immerhin 444 Kilometer langen Hauptsudetenweg gehen werde, aber ich starte mal und schaue, wie sich meine Einstellung dahingehend die nächsten Tage entwickelt. Ich bin mit meinem Kopf noch in den Beskiden, und irgendwie nicht bereit für etwas Neues. Aber erfahrungsgemäß kann sich das innerhalb weniger Tage schnell ändern.
Am Bahnhof ist der Startpunkt des Weges, markiert durch eine runde rot-weiße Markierung. Die Route führt zuerst einmal in einer Schlaufe durch die Stadt Prudnik. Ein paar Kilometer außerhalb des Ortes geht es zu einem Sanktuarium und zu einem idyllisch in einem Wäldchen gelegenen Franziskanerkloster.
Die Gipfel des Sudetengebirges werden im Laufe der Reise immer höher werden, noch sind sie allerdings nur Hügelchen. Zuerst erreiche ich den 457 m hoch gelegenen Długota, und kurz vor meinem Ziel den 363 m hohen Młyńska Góra. Von diesem Hügel geht es dann aber überraschenderweise einen kurzen, aber sehr steilen Steig ein paar Dutzend Höhenmeter hinunter nach Pokrzywna.
Von hier sind es nur ein paar Hundert Meter bis zum Campingplatz. Dieser wird gerade für den Sommer fit gemacht. Der Eigentümer meint, momentan wäre nur am Wochenende was los, und ich hätte die freie Platzwahl. Es gibt nur einen schattigen Stellplatz, und der ist 20 Meter vom einzigen Wohnwagen am ganzen Gelände entfernt. Ich stelle mich dort auf, und hoffe, dass das Paar, das dort campiert, versteht, warum ich mich auf dem großen Platz nicht hundert Meter weiter weggestellt habe. In der prallen Sonne ist es einfach ungemütlich.
Unterkunft: Camping Złota Dolina
Freitag, 29. Mai / Campingplatz bei Pokrzywna – Głuchołazy
24,3 km / 978 m Anstieg, 999 m Abstieg
Ich wache fröstelnd auf, was mich wundert, da es eigentlich nicht kalt ist. Hat mein Quilt etwa in zwei Jahren schon so viel an Wärmeleistung eingebüßt? Egal, ich habe noch eine Bekleidungsschicht mit, und tendenziell sollte es mit jedem Tag etwas wärmer werden.
Heute gehe ich auf mehrere Gipfel, die hier offensichtlich oft Kopa (steht für Kuppe) genannt werden. Die Anstiege sind nicht ganz so steil wie in den Beskiden und ich habe ein paar schöne Aussichtspunkte, von denen ich nach Norden in die Ebene sehe. Nach mehreren niedrigeren Kuppen (Szyndzielowa Kopa, Zamkowa Góra, Srebma Kopa) geht es zur höchsten: Biskupská Kupa. Hier steht auch eine Kaiser Franz-Josefs Aussichtswarte. Die Habsburgermonarchie verfolgt mich auf meinen polnischen Wanderungen. Obwohl dieses Gebiet mal preussisch war, erbaute man die Warte zum 50 jährigen Thronjubiläum des Kaisers von Österreich-Ungarn. Ich gehe den Berg hinunter und von dort für einige Kilometer im Flachen auf asphaltierten Straßen bis zum Ort Jarnółtówek und seiner Bartholomäuskirche. Nach dem schweren “Loop” in den Beskiden kommt es mir nicht ungelegen, dass es zwischendurch auch etwas flachere Abschnitte gibt.
Noch zwei kleine Hügel, vorbei an der geschlossenen Hohenzollernwarte und schon bin ich in Głuchołazy. Ende des 19. Jahrhunderts wurden hier Heilquellen entdeckt, und so hat sich der Ort zu einem bekannten Kurort entwickelt.
Ich habe hier ein Zimmer reserviert. Leider schickt mir der Betreiber den falschen Türcode und ich kriege die Tür nicht auf. Bis wir den Fehler gefunden haben, vergeht eine halbe Stunde, die ich lieber genutzt hätte, um mich auszuruhen. Die Unterkunft hat eine Küche, und so gehe ich in den nahe gelegenen Supermarkt und kaufe Lebensmittel ein, um mir was frisches zu kochen.
Unterkunft: Butikowe Pokoje
Samstag, 30. Mai / Głuchołazy – Trzeboszowice
37,9 km / 423 m Anstieg, 453 m Abstieg
Um 5:30 Uhr läutet der Wecker. Ich frühstücke, trinke zwei Kaffee und mache mich auf den Weg. Das Wetter ist genau so wie vorausgesagt: Leichter Regen. Es stört mich nicht, da die heutige Etappe mit wenig Schatten durch das Flachland führt, und ich bei klarem Himmel voll der Sonne ausgesetzt wäre.
Ich habe heute viel vor. Im Idealfall möchte ich 47 Kilometer bis zu einer Agroturystyka gehen. Ich wandere an Straßen und Feldwegen entlang. In vielen Beschreibungen werden diese Kilometer als die langweiligsten und eintönigsten des gesamten Weitwanderweges beschrieben. Mir macht es aber Spaß, mal einfach geradeaus zu gehen, statt immer nur Bergauf und Bergab. Mein Tag wird dadurch auch kurzweilig gemacht, dass ungefähr alle fünf Kilometer ein Dorf kommt. Und um Essen brauch ich mir auch keine Sorgen machen, ist doch in fast jedem dieser Dörfer ein Supermarkt. Es fällt mir auch allgemein auf, dass die Nahversorgung in dieser Region sehr gut ist. In den Städten gibt es große Supermarktketten, und in Dörfern gibt es meist kleine Läden, die das Notwendigste bereithalten.
An einem Gartenzaun ruft mich eine Frau zu sich und soweit ich es deuten kann, bietet sie mir was zum Trinken an. Ich zeige ihr meine fast leere Wasserflasche und bitte sie um Wasser. Sie besteht jedoch darauf, mir die Flaschen mit süßem Fruchtsaft aufzufüllen. Ich bin dankbar, und es ist sehr lieb, aber gegen Durst hilft es nur mäßig. Aber wie es der Zufall so will, finde ich am nächsten Friedhof Trinkwasser, und kann den Saft so verdünnen, dass er gut schmeckt und auch als Durstlöscher funktioniert.
Um 17 Uhr habe ich 37 Kilometer hinter mir und werde langsam müde. Ich bin im Ort Trzeboszowice. Da fällt mir ein Schild mit der Wegmarkierung auf. Das Schild zeigt jedoch nicht in Richtung des Weges, sondern zu einem Hof. Ich gehe in Richtung des Wegweisers, und da steht tatsächlich ein Häuschen mit einem GSS-Schild, das aussieht wie eine Herberge. Der Besitzer ist im Garten am Werkeln, unterbricht seine Arbeit sofort, als er mich sieht und zeigt mir die Herberge. Er spricht nur polnisch und ruft seinen Sohn an, der englisch kann. Ich kann hier für umgerechnet 8 Euro übernachten. Ich kann die Küche benutzen, im Garten sitzen und den Abend genießen. Damit habe ich wirklich nicht gerechnet. Und so werden es heute keine 47 sondern "nur” 37 Kilometer.
Unterkunft: Agroturystyka Gejsza
Sonntag, 31. Mai / Trzeboszowice – Złoty Stok
27,2 km / 311 m Anstieg, 151 m Abstieg
Ausgeruht und fast ein wenig traurig verlasse ich das kleine Traumhäuschen. Heute liegen 25 Kilometer vor mir. Wieder im Flachen. Gestern habe ich mich noch darüber gefreut, aber heute beginnt es mich schon zu langweilen. Im Kopf teile ich mir die Etappe in zwei Hälften ein.
Nach der ersten Hälfte der Strecke mache ich eine Pause in der Stadt Paczków. Dort sperrt auch am Sonntag ein Lebensmittelgeschäft auf, und ich versorge mich mit ein paar Snacks für die Pause, die ich auf einer Parkbank esse.
Ich treffe am Weg zwei andere GSS-Wanderer, aber leider wandern sie in entgegengesetzter Richtung. Aber zumindest können sie mir bestätigen, dass der vollständige GSS begehbar ist. Ich hörte, auf meiner Wanderung die ich vor dieser auf dem Loop in den polnischen Beskiden gemacht hatte, Vermutungen, dass nach den schweren Überschwemmungen 2024, die auch Abschnitte des GSS zerstörten, Teile der Strecke nicht wiederhergestellt wurden. Ich bin froh, diese Sorge abhaken zu können.
Nach Paczków kommt man ganz nahe am Kozielno-Stausee vorbei. Ich mache einen kleinen Umweg, um etwas am Stausee entlang zu gehen, und finde dort einen schattigen Unterstand für eine kleine Pause am See.
Der Nachmittag zieht sich ein wenig, und ich freue mich schon auf meine Unterkunft. Ich habe heute überhaupt keine Lust, im Zelt zu schlafen, da es in der Nacht zum Regnen beginnen wird. Dieser Regen wird bis morgen Nachmittag anhalten. Das Hotel, in das ich mir ausgesucht habe, ist allerdings zu, und am Telefon wird mir zu verstehen gegeben, dass wegen mir niemand herkommen wird.
Ich finde jedoch schnell Ersatz, mit dem einzigen Nachteil, dass ich 90 Minuten auf das Einchecken warten muss. Ich mache es mir auf einer Parkbank gemütlich, als ich einen Anruf von der Unterkunft bekomme. Sie haben das Zimmer schnell hergerichtet, und wenn ich will, kann ich jetzt schon rein. Das Zimmer entpuppt sich als Apartment mit Küche, Kaffeemaschine und Kaffee. Das ist für mich so wertvoll wie ein halber Ruhetag.
Unterkunft: Apartament Przystanek Las Złoty Stok
Montag, 1. Juni / Złoty Stok – Lądek-Zdrój
17,8 km / 1003 m Anstieg / 933 m Abstieg
Ich vergleiche die Wetterberichte auf allen möglichen Plattformen, und hoffe insgeheim auf Sturm- und Starkregenwarnungen, damit ich in meiner gemütlichen Unterkunft noch einen Tag anhängen kann. Aber das Gegenteil trifft zu, die Wettervorhersage ist besser geworden. Die Niederschlagsmenge ist gering, und von Sturm keine Spur. Also rein in die Regenklamotten und los gehts.
Es geht nach zwei Tagen im Flachen wieder ins Gebirge. Am Anfang folgt der Weg leicht bergan einem Themenweg, bei dem es um die Bergwerke, die es hier seit dem 13. Jahrhundert gibt, geht. Ich komme zum Eingang eines Stollens, der ist so niedrig, dass ich schon nur beim Betrachten von außen klaustrophobisch werde.
Der Weg wird kontinuierlich steiler, und ich bemühe mich langsam und in einem regelmäßigen Tempo zu gehen. Als es dann bergab geht, wechselt die Wegbeschaffenheit vom breiten Forstweg in einen Pfad, und ab jetzt wird es ungemütlich. Nasse Sträucher und die Äste von Bäumen ragen in den Pfad, und obwohl es nicht stark regnet, werde ich trotzdem klatschnass. Als ich dann auch noch durch hohe nasse Gräser muss, sind auch die Füße nass. Im Tal erreiche ich den kleinen Ort Orlowiec. Bis auf ein paar Häuser und einer geschlossenen Kirche gibt es hier nichts. Also gehe ich weiter.
Ich habe noch etwa 300 Höhenmeter im An- und Abstieg zu bewältigen, bevor ich die Stadt Lądek-Zdroj erreiche. Ich bemerke rege Bautätigkeiten, vor allem am Fluss Biała-Lądecka, und eine kleine Recherche bestätigt meine Vermutung, dass hier 2024 alles überschwemmt wurde und immer noch Aufräum- und Bauarbeiten im Gange sind.
In der Unterkunft lerne ich eine polnische Gästin kennen, die sehr gut englisch spricht. Sie hilft dem Eigentümer beim Übersetzen und anschließend unterhalten wir uns noch ein bisschen über Lądek-Zdrój. Eine Frage, die sich mir aufdrängt, ist, warum die schönen Häuser im Ort, und das nicht nur in diesem Ort, nicht renoviert werden. Sie stammen noch aus der Zeit, als diese Region zu Deutschland gehörte – also vor 1945. Ihre Antwort war einfach und einleuchtend. Die Personen, die an Stelle der vertriebenen Deutschen hier angesiedelt wurden (meist Ostpolen aus der heutigen Ukraine) dachten für zwei Generationen, die Deutschen würden wiederkommen, und sie müssten dann die Häuser wieder verlassen, und es würde keinen Sinn machen in die Objekte Geld zu investieren. Zudem waren es natürlich auch vorwiegend arme Menschen, die schon mindestens einmal alles verloren hatten, die hierher umgesiedelt wurden.
Unterkunft: Villa Veronika



















































































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